Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Ohne Tabak und Gestank

Heiße Diskussion über E-Zigaretten

Von Sonja Fröhlich

Die elektrische Zigarette ist in Hannover auf dem Vormarsch. Doch mit der neuen Kippe, die ohne Tabak und Gestank funktioniert, droht auch der Streit um den Nichtraucherschutz wieder aufzuflammen. Während Gastronomen die E-Zigarette als Chance sehen, wieder mehr Raucher bewirten zu können, fordern Nichtraucherorganisationen Einschränkungen.
Foto: Darf man oder darf man nicht? Für elektronische Tabakware gibt es keine einheitliche Regel.

Darf man oder darf man nicht? Für elektronische Tabakware gibt es keine einheitliche Regel.

© Surrey

Hannover. „Diese Zigaretten sehen genauso aus wie die handelsüblichen Tabak-Zigaretten – deshalb gibt es ein Problem bei der Kontrolle“, sagt Siegfried Ermer vom Verband Pro Rauchfrei zur Begründung. Elektro-Zigaretten – sie geben Wasserdampf statt Rauch ab – fallen nicht unter das 2007 in Kraft getretene Nichtraucherschutzgesetz in Niedersachsen.

Man habe mit dem Gesetz die Nichtraucher schützen und nicht die Raucher bevormunden wollen, sagt Thomas Spieker vom niedersächsischen Gesundheitsministerium. „Und das Konsumieren der E-Zigaretten wirkt sich nicht gesundheitsschädigend auf die Umgebung aus.“ Allerdings fallen die E-Zigaretten laut Udo Möller von der Stadt Hannover wegen ihres Nikotingehalts unter das Jugendschutzgesetz.

Das bedeutet: An Jugendliche unter 18 Jahren dürfen sie nicht verkauft werden. Zumindest offiziell sind E-Zigaretten in öffentlichen Gebäuden, Restaurants und Kneipen, der Bahn, im Kino und im Flugzeug zulässig. Doch viele Beförderungsunternehmen erteilen den E-Rauchern schon jetzt eine Absage.

So hat die Üstra in dieser Woche ein Verbot für Busse, Bahnen und U-Bahn-Bahnsteige verhängt: „Das fällt bei uns unter Rauchen“, sagt Üstra-Sprecher Udo Iwannek. Schließlich verursache auch das E-Rauchen eine Art Qualm, „der aus unserer Sicht eine Belästigung darstellt“. Außerdem lasse sich nicht kontrollieren, um welche Art von Zigarette es sich handele.

Gleiches gilt bei der Deutschen Bahn. Bei den meisten Fluglinien ist das Dampfen ebenfalls offiziell verboten. TUIfly will die E-Zigaretten aber intern prüfen. „Wenn sie komplett unschädlich für die Mitflieger sind, haben wir kein Problem damit“, sagt Sprecher Jan Hillrichs.

Für Gastronomen wie Michael Solms vom GiG am Lindener Marktplatz gilt das schon jetzt: „Logisch darf man die bei uns rauchen – das gehört schon zum normalen Bild dazu“, sagt er. Andere Gäste hätten sich darüber noch nicht beklagt. Auch in der gehobenen Gastronomie haben die E-Zigaretten Einzug gehalten.

„Bei uns darf man das“, sagt etwa Norbert Schu vom Restaurant „Die Insel“ am Maschsee. An anderen Orten herrscht noch Unsicherheit. Ein Sprecher von der Zentrale der Cinemaxx-Kinos empfiehlt, an der Kinokasse zu fragen. Auch in den meisten Unternehmen gibt es noch keine Regel, ob Mitarbeiter am Arbeitsplatz dampfen dürfen. „Das heißt aber nicht, dass es sie nicht noch geben wird“, sagt eine Conti-Sprecherin.

Foto: Darf man oder darf man nicht? Für elektronische Tabakware gibt es keine einheitliche Regel.

Darf man oder darf man nicht? Für elektronische Tabakware gibt es keine einheitliche Regel.

© Surrey

„Aber keiner der Fahrgäste reagierte darauf.“ Offenbar wussten sie: Es handelte sich um eine elektrische Zigarette, eine sogenannte E-Zigarette. Dürfen die das, fragt sich Wernecke. Dürfen sie nicht, zumindest nicht in den Bussen und Bahnen der Üstra. Das hat das Unternehmen gerade entschieden. Viele Raucher, die „umgestiegen“ sind, wird das ärgern. Denn laut Werbung darf man die elektrischen Glimmstängel auch nahezu überall dort rauchen, wo der normale Zigarettenrauch verboten ist.

In Hannover boomt das Geschäft. Thorolf Leddin betreibt in Hannover und Umgebung bereits neun E-Zigarettengeschäfte. Bundesweit hat er 17 Filialen, bald sollen es doppelt so viele sein. In seinem Hauptgeschäft in der Hamburger Allee türmen sich Pakete mit „Sets sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene elektronische Raucher“, wie Leddin die Zielgruppen nennt. Zieht man an solch einer Zigarette, verdampft eine nikotinhaltige Flüssigkeit. Statt Rauch wird Wasserdampf ausgestoßen. Für das echte Rauch­erlebnis glimmt bei jedem Zug an der Spitze der Zigarette eine kleine rote Leuchtdiode auf. Für den Geschmack der Zigarette sorgen die Liquid-Fläschchen, mit denen Substanzen nachgefüllt werden. Bei Thorolf Leddin gibt es mehrere Stärken und 80 Aromen, vom Tabakgeschmack „Lucky Strix“ über „Cola“ bis hin zu „Käsekuchen“.

Barbara und Dieter Grimm haben sich noch nicht auf einen Geschmack festgelegt. Sie sind Neulinge und probieren es mit einem Starterset für 63 Euro. Das enthält auch zwei Akkus, einen Verdampfer und ein USB-Computerladekabel. Zuerst, sagt Barbara Grimm, wollen sie mithilfe der E-Zigarette den Gestank aus der Wohnung verbannen. „Wir wollen auch nicht mehr im Winter bei offener Balkontür in der Küche sitzen und frieren“, berichtet die 67-Jährige, die seit gut 50 Jahren raucht. Dann wollen sie das Rauchen langsam herunterregeln – bis zum nikotinfreien Liquid, das es auch gibt.

Auch Ralph Bochmann und Wolfgang Grieger bieten in ihrem Musikladen „25 Music“ am Weißekreuzplatz neuerdings E-Zigaretten an. Bochmann raucht selbst, mittlerweile sogar elektrisch und konventionell. Er sagt: „Wenn du mit dem Rauchen ganz aufhören willst, ist das nicht der Weg dazu.“ Frank Strade will nicht aufhören, aber „gesünder“ und „billiger“ rauchen. Vor sieben Wochen auf die elektrische Alternative umgestiegen, schwärmt der 52-jährige Auslieferungsfahrer davon: „Das ist so, als wenn man raucht – mir fehlt absolut keine Zigarette.“ Strade hat ausgerechnet, dass er auf diese Weise gut 100 Euro im Monat spart. Auch seine Freunde belästige er nicht mehr mit dem blauen Dunst. Kürzlich hat er im Auto seine E-Zigarette neben einer Bekannten konsumiert, von der er weiß, dass sie Zigarettenrauch hasst. „Ich habe von Hannover bis nach Gifhorn geraucht – und sie hatte nichts zu beanstanden.“ Nichtraucher Jürgen Wernecke dagegen freut das Verbot der Üstra: „Mir reicht es schon, wenn die Leute stinkende Käsebrote auspacken – da muss nicht noch Erdbeerdampf dazukommen.“

Foto: Darf man oder darf man nicht? Für elektronische Tabakware gibt es keine einheitliche Regel.

Darf man oder darf man nicht? Für elektronische Tabakware gibt es keine einheitliche Regel.

© Surrey

Herr Schönhofer, die E-Zigarette wird als „gesunde Alternative“ zum Rauchen gehandelt. Stimmen Sie dem zu?

Das darf man nicht schwarz-weiß sehen. Besser ist es natürlich, mit dem Rauchen aufzuhören. Wenn es aber eine Alternative sein soll, dann ist die E-Zigarette sicherlich der bessere und gesündere Weg, seiner Sucht nachzugehen.

Was ist der Vorteil?

Die E-Zigarette enthält kaum die 3000 bis 4000 toxischen Substanzen, die in normalem Zigarettenrauch vorkommen. Diese Giftstoffe sind das große Übel, die zum Beispiel zu schweren Lungen- oder Krebserkrankungen führen. Die E-Zigarette funktioniert dagegen mit flüssigem Nikotin, das zu Wasserdampf wird.

Ist Nikotin nicht auch schädlich?

Nikotin wirkt anregend auf unser Gehirn und ist der eigentliche Suchtmacher. Nikotin kann sich unter Umständen zwar negativ auf die Blutgefäße und den Kreislauf auswirken, ist aber lange nicht so schädlich wie die anderen Gifte, die im Tabak enthalten sind.

Es gibt Liquids mit Vanille- und Cola-Geschmack – das könnte junge Leute auf den Geschmack bringen.

Ich kann nur dringend abraten, Kindern oder Jugendlichen so etwas zu erlauben. Nikotin hat massives Suchtpotenzial und ist daher auch für Kinder hoch problematisch. Unter Umständen ist das die Einstiegsdroge zu Schlimmerem. Dazu kommt, dass die E-Zigaretten und Liquide Substanzen enthalten, die nie hinreichend auf Giftigkeit geprüft wurden.

Wie steht es bei der E-Zigarette um die Passivraucher?

Nach dem Stand des heutigen Wissens besteht bei der E-Zigarette keine relevante Gefahr, dass Mitmenschen durch Passivrauchen geschädigt werden.

Können E-Zigaretten helfen aufzuhören?

Im Einzelfall kann das so sein. Ich würde die Methode aber nur in Zusammenhang mit einem Raucherentwöhnungsprogramm durchführen. Denn am Ende will man ja mit dem Rauchen aufhören und nicht umsteigen.

Interview: Sonja Fröhlich

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Meistgelesene Hannover-Artikel

Anzeige

Videos aus Hannover

Kennen Sie Hannover?

Hannover von oben: Das neue Rathaus.

Aus der Vogelperspektive sehen bekannte Orte ganz anders aus. Wie gut kennen Sie Hannover? Testen Sie Ihr Wissen in unserem Bilderrätsel.

Tipp für Vereine: Homepage aktuell halten

myheimat - Das Mitmachportal der Heimatzeitungen in HAZ und Neuer Presse

Viele Vereine kennen das Problem: Die eigene Internetseite ist veraltet, weil die Zeit dafür fehlt. Mit dem Mitmachportal unserer Zeitung lassen sich Pressearbeit und Pflege der Vereinshomepage in einem Schritt erledigen.

Anzeige

Welcher Stadtteil ist gemeint?

Stadtteilrätsel

Wie gut kennen Sie Hannover? Woche für Woche präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle ein neues Rätsel. Beantworten Sie die Fragen und schicken Sie das Lösungswort an die Redaktion. Viel Spaß beim Rätseln!

Hannover in Zahlen

Hannover in Zahlen
  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 521.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
    30159 Hannover
    Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stephan Weil (SPD)


Top