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Hanebuth-Ermittlern läuft die Zeit davon

Ex-Rockerchef vor Anklage Hanebuth-Ermittlern läuft die Zeit davon

Frank Hanebuth steht vor einer Anklage durch die spanische Justiz. Ein neues Gesetz zwingt die Behörden zu einer zügigen Entscheidung über den Fall. Doch bislang fehlen konkrete Vorwürfe gegen Hannovers früheren Hells-Angels-Chef.

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Frank Hanebuth darf sich weiterhin ausschließlich in Spanien aufhalten und muss sich regelmäßig bei den Behörden melden.

Quelle: dpa (Archiv)

Hannover. Fast drei Jahre nach der großen Razzia der spanischen Behörden gegen Mitglieder und Unterstützer der Hells Angels um Frank Hanebuth auf Mallorca scheint nun Bewegung in den Fall zu kommen. Die Ermittler der Audiencia Nacional haben jetzt erneut den Versuch unternommen, den Fall zur Anklage zu bringen. Vor Kurzem ging bei der spanischen Generalstaatsanwaltschaft ein neuer Bericht der Behörde ein. Dieses Schreiben liegt auch der HAZ vor. Das fünf Seiten umfassende Papier soll die Grundlage für die Erhebung der Anklage bilden. Frank Hanebuth darf sich weiterhin ausschließlich in Spanien aufhalten und muss sich regelmäßig bei den Behörden melden.

Eine Entscheidung über die Zulassung der Anklage muss schnell erfolgen, denn den spanischen Behörden läuft die Zeit davon. Nach Angaben von Gonzalo Boye Tuset, Hanebuths spanischem Rechtsanwalt, hat es im Dezember 2015 eine Gesetzesänderung gegeben, wonach ein Fall spätestens innerhalb von 18 Monaten zur Anklage gebracht werden muss. Obwohl die Ermittlungen gegen Hanebuth und die 54 übrigen Verdächtigen bereits seit knapp drei Jahren laufen, gilt das neue Gesetz nicht rückwirkend. Der Fall Hanebuth muss demnach spätestens im Mai 2017, also in genau einem Jahr, vor einem spanischen Gericht verhandelt werden, da sonst alle Vorwürfe fallen gelassen werden müssen.

Konkrete Vorwürfe der spanischen Behörden gegen den bis heute einflussreichen Höllenengel finden sich aber auch in dem jüngsten Bericht der Ermittler nicht. Weiterhin erheben sie ausschließlich Kollektivvorwürfe gegen die Mitglieder und Unterstützer der Hells Angels auf Mallorca. Die Verdächtigen sollen in illegale Drogen- und Waffengeschäfte, in den Handel mit Prostituierten und Geldwäsche verstrickt sein. Darüber hinaus wird ihnen die Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Last gelegt. 

Die Operation „Casablanca“ und die ausstehende Anklage

23. Juli 2013: Frank Hanebuth wird im Rahmen der Operation „Casablanca“ auf Mallorca festgenommen. Ihm wird unter anderem die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.

18. Oktober 2013: Der hannoversche Rockerchef wird mit 17 weiteren Verdächtigen nach Madrid verlegt.

Ende Oktober 2013: Die Polizei wirft Hanebuth vor, einen Bombenanschlag in Bayern in Auftrag gegeben zu haben.

3. Februar 2015: 560 Tage nach der Festnahme von Hanebuth veröffentlicht der Untersuchungsrichter den Abschlussbericht seiner Ermittlungen.

März 2015: Die spanische Generalstaatsanwaltschaft fordert weitere Ermittlungen der Audiencia Nacional.

27. Juli 2015: Hanebuth kommt gegen Kaution aus dem Gefängnis. Der Höllenengel darf Spanien jedoch nicht verlassen.

15. September 2015: Die Audiencia Nacional legt einen neuen Ermittlungsbericht vor, der aber wieder von der Anklagebehörde abgelehnt wird.

22. Dezember 2015: Die Audiencia Nacional startet den dritten Versuch, eine Anklage gegen Hanebuth zu erwirken, scheitert aber erneut.

Mai 2016: Die Audiencia Nacional lässt die Anschuldigungen gegen zwei Verdächtige fallen.

Neu an dem aktuellen Bericht der Ermittler an die Generalstaatsanwaltschaft ist, dass sie die Anschuldigungen gegen zwei der Verdächtigen fallen lassen. Dabei handelt es sich um den Türken Yasin A. und den Deutschen Sascha R. A. wurde bislang vorgeworfen, auf Anweisung von Necati A., einem engen Vertrauten Hanebuths, einen auf Mallorca lebenden Deutschen eingeschüchtert zu haben. Das Opfer soll einem Mitglied des Rockerclubs Geld geschuldet haben. Deshalb soll Yasin A. ihn zweimal in seiner Wohnung aufgesucht und dabei bedroht haben. Dem Türken werfen die Ermittler die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Erpressung, Nötigung und Bedrohung vor.

Der drei letzten Vergehen soll sich auch Sascha R. schuldig gemacht haben. Das ehemalige Mitglied des inzwischen aufgelösten Hells-Angels-Charters in Hannover soll mit einem anderen Rocker im Februar 2012 auf die Baleareninsel gereist sein, um Hanebuth dort bei seinen illegalen Geschäften zu unterstützen. Wann die Entscheidung fällt, den neuen Ermittlungsbericht als Grundlage für die Anklage zuzulassen, ist unklar.

Unterdessen halten viele Szenegrößen Kontakt zu Frank Hanebuth. Auf seiner öffentlich zugänglichen Facebook-Seite veröffentlicht er regelmäßig Fotos von Treffen mit Rockergrößen aus ganz Deutschland auf der Insel. Außerdem rührt er fleißig die Werbetrommel für seine und andere Etablissements im Steintorviertel. Inzwischen gefällt diese Seite mehr als 67.000 Internetnutzern.

Von Jörn Kießler und Tobias Morchner

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