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Stoff für die Forschung

Wissenschaftler untersuchen Hemd ohne Nähte Stoff für die Forschung

Ein Steinhuder Weber schuf 1728 ein Hemd ganz ohne Nähte. Jetzt wurde das kuriose Unikat wissenschaftlich untersucht. Fest steht, dass der junge Mann ein großes Geschick besessen haben muss, ein ganzes Kleidungsstück zu weben, ohne sich nur einmal zu vertüddeln.

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Dieses Hemd wurde ganz ohne Nadel gefertigt.

Steinhude. Warum macht ein Mensch so etwas? Wollte er eine Frau beeindrucken, wie lokale Legenden berichten? Oder wollte der gerade 19-jährige Johann Henrich Bühmann den anderen Webern aus Steinhude im Jahr 1728 einfach mal zeigen, was er auf dem Kasten hatte? Schließlich hatten diese kurz zuvor eine Zunft gegründet, der er selbst nicht angehörte - vielleicht, weil er nur der Sohn eines verschuldeten Bauern war. Jedenfalls schuf der junge Weber Bühmann in monatelanger Arbeit ein Meisterstück. Er webte ein Hemd ohne Naht.

Jetzt ist das kuriose Unikat erstmals wissenschaftlich untersucht worden. Drei Monate lang hat Eva Jordan-Fahrbach, Textilrestauratorin am Braunschweiger Herzog-Anton-Ulrich-Museum, das Steinhuder Stück Stoff genau unter die Lupe genommen.

„Bühmann begann mit der Arbeit am Halsbündchen“, sagte sie, als sie ihre Ergebnisse jetzt an der Leibniz-Uni präsentierte. Der Steinhuder kombinierte verschiedene Webtechniken. Er ließ lange Fäden an den richtigen Stellen aus dem Stoff heraushängen, die er später wieder aufgriff. Immer wieder muss er das Hemd in fast akrobatischer Manier neu in den Webstuhl eingespannt und um 90 Grad gedreht haben, und nie durfte er sich dabei vertüddeln.

Ganz neu war die Idee, ein nahtloses Hemd herzustellen, freilich nicht: „Ein Hemd ohne Naht stand damals symbolisch für eine Idee, ein unerreichbares Ideal“, sagt Sandra Kilb von den Steinhuder Museen, die das kuriose Stück bis heute verwahren. Mathematiker träumten von der Quadratur des Kreises, Physiker vom Perpetuum mobile - und immer wieder bastelten Weber eben an einem Hemd ohne Naht. Auch in Steinhude, das damals ein Zentrum der Weberkunst war.

„Mit den industriellen Webstühlen von heute könnte man ein solches Hemd nicht mehr herstellen“, sagt Textilexpertin Jordan-Fahrbach mit Blick auf Bühmanns Hemd. Aus dem Abstand von fast drei Jahrhunderten attestiert sie dem jungen Weber eine schier unglaubliche handwerkliche Raffinesse. Ihr streng wissenschaftliches Fazit: „Das muss eine Wahnsinnsfummelarbeit gewesen sein.“

Bühmann fertigte noch ein zweites nahtloses Hemd an, das er dem Landesherrn kredenzte, Albrecht Wolfgang Graf zu Schaumburg-Lippe. Dieser soll es seinerseits dann dem König von Portugal vermacht haben. Von diesem kostbaren Stück fehlt bis heute jede Spur.

In den Steinhuder Museen, Neuer Winkel 8, ist das Hemd vom 27. August an in der Ausstellung „Stoff für Geschichte(n)“ zu sehen.

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