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Henriettenstift muss Kreißsäle erneut abmelden

Engpass bei der Geburtshilfe Henriettenstift muss Kreißsäle erneut abmelden

Der Engpass in der Geburtshilfe im Henriettenstift ist offenbar noch weitaus dramatischer als bislang bekannt. So war die Schließung der Kreißsäle wegen eines personellen Notstandes bei den Hebammen Anfang Juni kein Einzelfall. Ende August gab es eine weitere Schicht, in der die Kreißsäle geschlossen blieben.

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Personalmangel führt an der Geburtsklinik im Henriettenstift zu unterbesetzten Schichten – und auch zur Schließung.

Quelle: Franson (Archiv)

Hannover. Grund für die Schließung: Es gab keine Hebammen, die den Dienst übernehmen konnten. Das ist umso gravierender, als das Henriettenstift eine sogenannte Level-1-Klinik ist, eine Schwerpunktklinik für Neu- und Frühgeborene. Geburtskliniken mit diesem Zertifikat sind verpflichtet, rund um die Uhr eine Hebamme vor Ort und eine zweite in Notbereitschaft vorzuhalten.

Es habe für den Nachtdienst vom 29. August mehrere kurzfristige Krankmeldungen gegeben, für die man auf die Schnelle keinen Ersatz mehr finden konnte, hieß es am Mittwoch von Diakovere. Man habe sich daraufhin bei der Rettungsleitstelle abgemeldet und Risikoschwangere in Absprache mit anderen Krankenhäusern verlegt. Schwangere, die sich in der Zeit in der Klinik meldeten, habe man ärztlich versorgt und wenn notwendig weitergeleitet. Der Verband der Ersatzkassen (Vdek) hatte schon bei der ersten Schließung der Kreißsäle Anfang Juni die Zusicherung gefordert, dass die Qualitätsvorgaben für das Zertifikat Level 1 „jederzeit“ erfüllt werden müssten. Als der erste Vorfall Anfang Juni bekannt wurde, versicherte das Henriettenstift, es habe sich um einen einmaligen Vorgang gehandelt.

Probleme bei Besetzung der Schichten

In dieser Woche war bekannt geworden, dass die Diakovere-Geschäftsführung die Hebammen-Teams von „Henri“ und Friederikenstift gegeneinander austauschen will. Grund sind offenbar Probleme bei der Besetzung der Schichten in der Henriettenstiftung. Auslöser dafür ist nach Ansicht der Hebammen die personelle Unterversorgung. Demnach mussten die Mitarbeiterinnen im „Henri“ nicht nur seit Langem Überstunden leisten und Tag und Nacht kurzfristig füreinander einspringen. Insider berichten zudem, dass die Hebammen seit mindestens einem Jahr vielfach zu zweit und wiederholt sogar alleine die fünf Kreißsäle in der Klinik versorgen mussten. Zum Vergleich: In der MHH, der zweiten Level-1-Klinik in Hannover, arbeiten nach Angaben von Pressesprecher Stefan Zorn pro Schicht immer mindestens drei bis vier Hebammen.

Die Aufgaben von Hebammen während einer Schicht in der Geburtshilfe sind vielfältig, sagt die Vorsitzende des Niedersächsischen Hebammenverbandes, Veronika Bujny: angefangen von der ganz normalen Entbindung einer Erstgebärenden über die Betreuung einer Frau, die mit Zwillingen schwanger sei und Blutungen habe, bis hin zum Notkaiserschnitt. In einer Level-1-Klinik von der Größenordnung des Henriettenstifts, die 2200 Geburten im Jahr betreue, sei es fahrlässig, eine Hebamme acht Stunden lang mit all diesen Aufgaben allein zu lassen.

Hebammen weigern sich Engpässe aufzufangen

Das Vorhandensein von fünf Kreißsälen bedeute nicht, dass fünf Entbindungen gleichzeitig stattfänden, wendet Diakovere-Sprecher Achim Balkhoff ein. Es sei „völlig normal und Standard, dass eine Hebamme mehrere Frauen in unterschiedlichen Stadien der Geburt betreuen kann“. Der zuständige Sekretär der Gewerkschaft Verdi, Thilo Jahn, forderte dagegen am Mittwoch drei Hebammen pro Schicht. Dazu müssten Ausfallzeiten wegen Krankheit oder Urlaub berücksichtigt werden. Das sei in der Vergangenheit nie der Fall gewesen.

Die Hebammen im „Henri“ hatten immer wieder mit Belastungsanzeigen auf ihre Situation hingewiesen – offenbar vergeblich. Nach Informationen der HAZ weigern sie sich daher seit Anfang Juni, die Engpässe weiter aufzufangen, indem sie füreinander einspringen. Die Konsequenz soll nun der Austausch gegen das Team des Friederikenstifts sein. Darüber wurden sie Insidern zufolge erst am vergangenen Freitag mündlich und im Laufe dieser Woche schriftlich informiert. Ihre neue Arbeit nehmen sie am Montag auf.

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Henriettenstiftung und des Friederikenstift

Die Probleme mit Hebammen in den Kliniken von Diakovere sind wohl gravierender als bisher bekannt. Die Teams der Henriettenstiftung und des Friederikenstifts werden noch in diesem Monat komplett gegeneinander ausgetauscht. Zuletzt hatte es Schwierigkeiten gegeben, das erforderliche Personal in der Henriettenstiftung sicherzustellen.

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