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Aus der Stadt Ein bisschen Theater für Caroline Herschel
Hannover Aus der Stadt Ein bisschen Theater für Caroline Herschel
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00:15 01.04.2014
Von Bärbel Hilbig
Gestatten: Brandon Bruns als Wilhelm, Marie Louise Lenk als Caroline Herschel. Quelle: Schledding
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Hannover

Die Grabplatte Nummer 21 mit schön geschwungener Schrift fällt auf dem Gartenfriedhof unter den zahlreichen repräsentativer wirkenden Säulen und Obelisken nicht gleich ins Auge. Doch am Freitagmittag wurde der Ruhestätte einer der bedeutendsten Hannoveranerinnen die gebührende Aufmerksamkeit zuteil. Zu Ehren der Astronomin Caroline Herschel zog eine Musikkombo aus Bläsern, Tamburin und Geige mit historischen Stücken über den Friedhof und zog irritierte Blicke von Passanten auf sich. Schüler der Herschelschule imitierten eine Militärkapelle der Hannoverschen Fußgarde, wie sie zu Lebzeiten Herschels aufgetreten sein mag.

Die musikalisch-theatralische Inszenierung, an der Schüler und Lehrer der Herschelschule mitwirkten, hatte einen doppelten Grund. Die Herschelschule übernahm offiziell die Patenschaft für das Grab ihrer Namenspatin. Zugleich war die Aufführung eine Art Geburtstagsparty. „Am 16. März war der 264. Geburtstag der berühmten Sternenforscherin“, sagte Dieter Zinßer, Vorsitzender des Vereins Renaissance Gartenfriedhof, der Patenschaften für die Gräber vergibt. Mit dem dabei gespendeten Geld sorgt der Verein für Verbesserungen auf dem Friedhof. Zinßer erinnerte daran, dass Herschels Leistung schon zu ihren Lebzeiten anerkannt wurde. In der Galerie im Leineschloss, in der 51 Porträts bedeutender Personen der Landesgeschichte hängen, ist Caroline Herschel als einzige Frau vertreten.

Ihr Leben verlief auch erstaunlich genug, wie die Schüler gestern in Spielszenen in Erinnerung riefen. Caroline Herschels Vater, selbst Militärmusiker, sorgte dafür, dass seine Tochter wie ihre Brüder ihre Interessen für Musik, Astronomie und Wissenschaft entwickeln konnte. Mit 22 Jahren ging Herschel gegen den Willen ihrer Mutter zu ihrem Bruder Friedrich Wilhelm nach England, führte ihm den Haushalt, unterstützte ihn aber auch bei seinen astronomischen Forschungen. Eine Karriere als Solosängerin gab sie dafür auf. Der englische Königshof bedachte sie für ihre Arbeit als Assistentin ihres Bruders mit einer jährliche Apanage. „Sie war die erste Frau, der es gelang, Geld mit ihrer Forschung zu verdienen“, sagte Ute Kamlah, Leiterin der Herschelschule. Caroline Herschel entdeckte Kometen und Sternennebel, berechnete astronomische Daten und katalogisierte Hunderte von Sternenhaufen. Mehrere wissenschaftliche Gesellschaften honorierten ihre Arbeit, indem sie sie aufnahmen. In der Marktstraße empfing Herschel nach ihrer Rückkehr nach Hannover Gelehrte ihrer Zeit.

Caroline Herschel sei natürlich ein Vorbild, wenn Lehrer Mädchen für Naturwissenschaften begeistern wollten, sagte Kamlah. „Aber vor allem zeigt sie allen Schülern, das es gelingen kann, Ziele zu erreichen, die zunächst utopisch erscheinen.“ Den Obolus für die Patenschaft haben ehemalige Lehrer des Vahrenwalder Gymnasiums gespendet. Die Schule will nun jährlich eine Geburtstagsfeier ausrichten.

Tore für Friedhof geplant

Der Verein Renaissance Gartenfriedhof und die Stadt haben sich ein neues Ziel gesetzt, um die denkmalgeschützte Parkanlage weiter aufzuwerten. „Wir wünschen uns Tore für den Friedhof“, sagt Claudia Wollkopf vom städtischen Fachbereich Umwelt. Bisher ist der aufgegebene Friedhof an der Marienstraße, der die Grabmale zahlreicher bedeutender Hannoveraner beherbergt, von verschiedenen Seiten zugänglich. Die Zugänge in der Parkmauer sollen erhalten bleiben, Tore könnten den kleinen Park jedoch besser schützen. Wollkopf denkt dabei vor allem an Radfahrer, die den Friedhof als Durchgangsstrecke nutzen. „Das muss nicht unbedingt sein.“

Bis der Gartenfriedhof Pforten bekommt, dürfte jedoch noch einige Zeit vergehen. Stadt und Verein wollen die Tore über Spenden finanzieren. „Da die Durchgänge unterschiedlich gestaltet sind, brauchen wir für die Tore Sonderanfertigungen“, sagt Wollkopf.

Der Verein Renaissance Gartenfriedhof bemüht sich seit rund drei Jahren um eine Instandsetzung und Aufwertung der Parkanlage, in der eine Vielzahl klassizistischer Grabdenkmäler aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stehen. Rund 400 Grabstätten sind noch vorhanden. Die Stadt hat ein denkmalpflegerisches Konzept entwickelt, das nun schrittweise mithilfe der Wenger-Stiftung und der vom Verein eingeworbenen Spenden umgesetzt wird.

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