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Aus der Stadt Hier entstehen aus Fehldrucken Notizbücher
Hannover Aus der Stadt Hier entstehen aus Fehldrucken Notizbücher
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00:16 01.02.2017
Von Bärbel Hilbig
Aus Alt mach Neu: Lenn Mügge und Nadia Kruszewksi von Enactus lassen die „Notizgeschichten“ bei der Caritaswerkstatt fertigen.  Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Die Idee klingt simpel. Aus Fehldrucken, die in jedem Copyshop anfallen, entstehen in den Caritas-Werkstätten Hannover neue Notizbücher. Die sind zwar nur einseitig beschreibbar, sehen aber überraschend gut aus, sind umweltfreundlich und unterstützen vor allem ein soziales Projekt. „Papier fällt ja überall an“, sagt Nadia Kruszewski vom studentischen Verein Enactus, der das Projekt entwickelt hat. Die Gruppe der Leibniz-Uni wurde sich mit der Behindertenwerkstatt schnell einig: Deren Mitarbeiter stellen die Notizblöcke mit dem schönen Namen „Notizgeschichten“ seitdem in vielen Einzelschritten in Handarbeit her. Andreas Wiese, Leiter der Caritas-Buchbinderei, ist voll des Lobs für das „tolle“ Projekt. Die Arbeit lasse sich gut in mehrere vorgegebene Schritte untergliedern. „Unseren Leuten bietet das die Sicherheit, dass sie die Tätigkeit selbstständig erledigen können.“

Genau das ist das Ziel der Enactus-Gruppe, die es seit 2010 in Hannover gibt. Studenten sollen lernen, unternehmerisch zu denken und damit anderen zu helfen. Ein Innovationsteam sucht ständig neue Ideen und durchforstet dafür etwa wissenschaftliche Arbeiten, während Kruszewski sich voll auf das Projekt „Notizgeschichten“ konzentriert.

"Die Arbeit ist abwechslungsreich"

Den Rohstoff, das einseitig bedruckte Papier, holt eine Caritas-Mitarbeiterin beim Rechenzentrum der Leibniz-Uni ab. In der Werkstatt über den Dächern der Nordstadt schneiden Brigitta Bertelsen und ihre Kolleginnen das Papier, kleben es zu Blocks, die dann wieder in dünnere Notizbücher getrennt werden. Auch das Deckblatt mit einer Geschichte drucken die Frauen in der Buchbinderei. „Die Arbeit ist abwechslungsreich und mal etwas anderes als die reine Buchreparatur“, meint Franziska Sieber - und ein gewisser Stolz auf das Produkt klingt durch.

Enactus will Projekte anschieben, die zum Selbstläufer werden. Mit den „Notizgeschichten“ könnte das gelingen. Sie sind in mehreren Buchhandlungen für 1,50 oder 2 Euro erhältlich, die Einnahmen fließen an die Werkstätten.

"Wir suchen uns die Ideen für unsere Projekte selbst"

Mitinitiatorin Kruszewski studiert Wirtschaftswissenschaften und schätzt es sehr, bei Enactus mit Studenten ganz anderer Fachrichtungen zusammenzukommen. „Wir suchen uns die Ideen für unsere Projekte selbst“, erklärt die 23-Jährige. „Dabei merke ich, dass Biologen oder Informatiker anders an Probleme herangehen.“ Allein diese Erfahrung sei schon ein Gewinn. Im Büro der Initiative sammeln sich derzeit kaum benutzte Seifenstückchen. Im Normalfall müssen Hotels diese Reste entsorgen. Die Studenten wollen sie im Projekt „Seifenglück“ recyceln lassen, wahrscheinlich ebenfalls in den Caritas-Werkstätten. „Es war schwierig, ein Labor für Sicherheitsbewertung zu finden, das hygienische Unbedenklichkeit und den Produktionsprozess prüft“, berichtet Lenn Mügge, der Wirtschaftswissenschaften studiert. Das ist geglückt, ein Sponsor übernahm die Kosten der Bewertung.

Info

 Die Notizbücher der Behindertenwerkstatt sind in der Bücherstube Leonie Kunertz und Jomo Papeterie, beide Lister Meile, sowie im Druck- und Servicecenter Hannover, Sallstraße 76, erhältlich. Sie kosten je nach Größe 1,50 oder 2 Euro.

Mit Hilfsorganisationen vor Ort sind die Studenten außerdem in zwei Projekte in Afrika involviert. Für eine Region in Kenia haben sie einen einfachen Wasserfilter entwickelt, der Krankheitserreger aus Trinkwasser entfernen soll. Ein lokales Uni-Institut kontrolliert vor Ort, ob die Methode funktioniert. Im Sambia bereitet ein hannoversches Enactus-Team eine Insektenzucht vor, die die Ernährungssituation verbessern soll. „Die Maden einer einheimischen Fliege sind sehr nährstoffreich“, sagt Lenn Mügge. Gemeinsam mit der sambischen Organisation geht es nun darum, Einheimischen Kenntnisse in Madenzucht zu vermitteln. „Allerdings können sich viele Leute hier nicht vorstellen, dass man Insekten essen kann“, berichtet der 22-Jährige. Es sei deshalb nicht einfach, Unterstützer zu finden.

Näher liegt da schon ein anderes Vorhaben. Einige Enactus-Studenten tüfteln gerade an einer App, die der Berliner Initiative Pfandgeben.de neuen Schwung geben soll. Dort können Bürger, die ihr Leergut nicht selbst entsorgen wollen, per Telefon Kontakt mit Pfandflaschensammlern im Viertel aufnehmen. „Wir glauben, dass eine App Hemmschwellen abbauen könnte“, meint Lenn Mügge.

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