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Podiumsveranstaltung

Hilflosigkeit beim Thema Neugestaltung des Lister Platzes


Politiker, Anwohner und Experten diskutierten bei einer Podiumsveranstaltung über die künftige Gestaltung des Lister Platzes. Dabei wurde eines deutlich: Es herrscht regelrecht Hilflosigkeit angesichts der Fülle von zu lösenden Problemen.
Am Lister Platz sollen die Tonnendächer über der U-Bahn-Station möglicherweise abgeschafft werden.

Am Lister Platz sollen die Tonnendächer über der U-Bahn-Station möglicherweise abgeschafft werden.

© Zgoll

Es muss etwas passieren mit dem Lister Platz. Darin waren sich die rund 50 Teilnehmer der Podiumsveranstaltung zum Thema „Der Lister Platz – Gegenwart und Zukunft“, zu der die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Bezirksrat Vahrenwald-List am Mittwochabend geladen hat, einig. Wie die künftige Gestaltung allerdings aussehen soll, da gingen die Meinungen nicht nur weit auseinander – es herrschte regelrecht Hilflosigkeit angesichts der Fülle von zu lösenden Problemen.

Die Palette der Vorschläge reichte von einer drastischen Reduzierung und Umleitung des Autoverkehrs sowie der Einrichtung von Spielstraßen rund um den Lister Platz über die Abschaffung des Wendehammers in der Jakobistraße bis hin zur Verlängerung von Ampelzeiten und den Rückbau des Tonnengewölbes über der U-Bahn-Haltestelle.

Der Leiter des Fachbereichs Tiefbau, Gerhard Kumm-Dahlmann, betonte, dass es sich beim Lister Platz nicht um einen Platz zum Aufhalten, sondern um einen Verkehrsknotenpunkt mit einer komplexen Verkehrsführung mit „viel Action“ handle.

Und obwohl das Unfallaufkommen unauffällig sei, attestierte Kumm-Dahlmann dem Platz erhebliche Probleme mit engen, zum Teil chaotischen Verhältnissen. „Ich habe keine Lösung in der Tasche“, sagte er. Dass auch er keine Patentlösung habe, unterstrich Bauhistoriker Sid Auffahrt. „Der Lister Platz hat es meiner Ansicht nach aber verdient, dass die Leute ihn nicht nur überqueren, sondern auch Lust haben, sich aufzuhalten“, sagt er. „Ich denke, es ist Zeit, dass die Stadt Geld zur Verfügung stellt, damit wir ernsthaft mit einem Experten-Workshop beginnen können.“

Politisch stand das Thema Lister Platz immer mal wieder auf der Agenda, doch getan hat sich bisher wenig. Zurzeit liegt ein Antrag der SPD im Bezirksrat vor, der die Verwaltung auffordert, ein Konzept zum Umbau der Lister Platzes zu erstellen. Bündnis 90/Die Grünen wollen den Antrag nun um die Vorschläge der Bürger ergänzen.

So fordert Dagma Wolff vom Kinderladen Jakobistraße die Abschaffung des Wendehammers am Ende der Jakobistraße kurz vor dem Eiscafé Panciera. „Aus dieser Richtung strömen viele Kinder auf die Lister Meile. Die Situation ist gefährlich, da der Fußweg sehr eng ist“, begründete Wolff, „außerdem hätte der Lister Platz ein Stück mehr Platzqualität, wenn der Wendehammer der Fußgängerzone zugeschlagen würde.“ Die Erzieherin kritisierte die viel zu kurze Grünphasen der Ampel an der Bödekerstraße. „Da kommen sie mit einer Gruppe Kinder nicht rüber.“

Weitestgehend Einigkeit herrschte darüber, dass das tonnenförmige Dach über der U-Bahn-Station wegmuss. Es bilde eine unschöne, nicht zeitgemäße Barriere, die den Blick versperre, so der Tenor. Auffahrt regte an, zumindest die äußeren Gewölbe schon einmal wegzunehmen. „Das kostet nicht viel und brächte mehr Licht.“

Der Wirt der Kneipe Rumpelkammer, Enzo Fumiento, erhielt Applaus für seine Kritik, dass die Üstra unter dem Tonnengewölbe kaum mehr reinige. „Früher waren die Jungs jeden Morgen mit ihren Hochdruckreinigern da, heute stinkt es dort erbärmlich, und niemand setzt sich außer den Trinkern dorthin.“

Eine Absage erteilte Kumm-Dahlmann dem Vorschlag, die T-Kreuzung Lister Platz zu entschärfen, indem Podbielski-, Bödeker- und Ferdinand-Wallbrecht-Straße auf jeweils 500 Metern Länge vor dem Lister Platz als Spielstraße ausgewiesen werden. „Das können Sie in Wohnquartieren machen, aber nicht an so einem zentralen Punkt in Hannover“, sagt Kumm-Dahlmann.

Für seine Idee, den Autoverkehr – 30 000 Autos passieren den Lister Platz täglich – bereits deutlich vorher umzuleiten und damit die Fußgängerzone bis zur Höhe von Bahlsen zu verlängern, erntete Erwin Schütterle, Vorsitzender des Freundeskreises Hannover, dagegen Zustimmung.

Denn eines wurde an diesem Abend deutlich. Etliche Probleme am Lister Platz sind nur mithilfe einer deutlichen Reduzierung des Autoverkehrs zu lösen. Nur so könnten Ampelzeiten verlängert und der dringend benötigte Platz für die Bürger geschaffen werden.„Fußgänger und Radfahrer müssen mehr Gewicht erhalten“, sagte eine Anwohnerin. Das fand auch Thomas Schwartz vom Verkehrsclub Deutschland. Er regte an, die Lister Straße als einen gemeinsamen, gleichberechtigten Raum von allen Verkehrsteilnehmern, einen sogenannten „Shared Space Bereich“, zu gestalten. „Der Lister Platz ist ein echter Hindernislauf.“

Kumm-Dahlmann, der sich nicht gerade als Anhänger der „Shared Space Philosophie“ zu erkennen gab, hatte für Fußgänger und Radfahrer dann doch noch eine erbauliche Nachricht. Die wegen ihrer Unübersichtlichkeit bereits häufig kritisierte Rechtsabbiegespur von der Bödekerstraße in die Podbi könne „recht einfach“ zurückgebaut werden und der Raum dann Fußgängern und Radlern zugutekommen. Einen entsprechenden Bauplan gebe es allerdings bisher nicht.

Julia Pennigsdorf

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