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„Hannover war eine wichtige Hansestadt“

Historiker „Hannover war eine wichtige Hansestadt“

Der Historiker Matthias Puhle hat ein fast vergessenes Kapitel der Stadtgeschichte neu entdeckt: Hannover gehörte einmal zur Hanse und pflegte ausgedehnte Handelsbeziehungen nach Bergen, Nowgorod und Südschweden.

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Wenig bekannt: Hannover ist eine Hansestadt gewesen – der Zusatz auf dem Ortsschild ist allerdings eine Fotomontage.

Quelle: Montage

Hannover. Prof. Puhle, Hannover gilt Historikern oft als spätgeborene Stadt. Erst 1636 wurde sie Residenz der Welfen, und vorher war hier wenig los, heißt es immer.

Jede Stadt hat, wie Historiker sagen, ihre eigene „Meistererzählung“, eine Überlieferung, die ihre geschichtliche Identität begründet. Für Hannover ist das die Zeit als barocke Residenzstadt und als Ort der hannoversch-britischen Personalunion. Die mittelalterliche Geschichte steht selten im Fokus - dabei hatte Hannover damals eine größere ökonomische Bedeutung als oft angenommen.

Worin lag denn Hannovers Größe?

Hannover war - was die wenigsten wissen - über Jahrhunderte eine nicht unbedeutende Hansestadt. Erst in jüngster Zeit haben Historiker die Londoner Zollakten und die Korrespondenzen des Hansekontors im norwegischen Bergen dazu ausgewertet - mit erstaunlichen Ergebnissen.

Wann wurde Hannover denn Mitglied dieses europaweit agierenden Handels- und Städtebundes?

Es gab bei Hannover wie auch bei anderen Städten keine formelle Aufnahme, sondern eher ein Hineinwachsen in die Hanse durch eine Teilhabe an den Handelsprivilegien. Dazu kam es wohl schon im 13., ganz sicher aber im 14. Jahrhundert. Vom 15. Jahrhundert an hatten hannoversche Kaufleute enge Verbindungen zu den Hotspots, den Dreh- und Angelpunkten der Wirtschaft in Nordeuropa. Hansestädte waren grundsätzlich keinem Landesherrn untertan. Es gab in Hannover eine selbstbewusste Kaufmannschaft und Gilden, die Fernhandel trieben.

Was bedeutete das für die hannoversche Wirtschaft?

Hannoversche Kaufleute exportierten im 15. Jahrhundert im großen Stil Leinwand nach London. Sie pflegten ausgeprägte Geschäftsbeziehungen ins norwegische Bergen und trieben Tuchhandel mit Flandern. Pelze und Häute wurden aus Nowgorod nach Hannover importiert, ebenso wie Tran und Wachs. Aus Südschweden schaffte man Heringe und Butter in die Stadt. Die meisten Hansestädte importieren Rohstoffe sowie Lebensmittel und exportierten fertige Produkte; darin lag ihre Stärke. Hannovers Wirtschaft war gewissermaßen international vernetzt.

Und wann endete Hannovers Mitgliedschaft in der Hanse?

Die Stadt ist nie offiziell ausgetreten. Man darf sich das nicht wie beim Brexit vorstellen. Ab dem 16. Jahrhundert lassen die Beziehungen nach. Spätestens mit der Übernahme Hannovers als Residenzstadt der Welfen 1636 endete die Zeit als Hansestadt, wobei die Hanse 1669 ohnehin aufhörte zu existieren. Hannovers Vergangenheit als Hansestadt ist aus dem öffentlichen Bewusstsein heute fast verschwunden, und viele Aspekte sind bislang wenig erforscht. Es lohnt sich aber, dieses Kapitel der Geschichte neu zu entdecken.

Interview: Simon Benne

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