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Aus der Stadt Museumsschätze suchen Paten
Hannover Aus der Stadt Museumsschätze suchen Paten
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12:52 04.11.2017
Von Susanna Bauch
Ein Mann, ein Klapprad: Auf kleinen Reifen ist Herbert Schmalstieg am autofreien Sonntag im November 1973 zu seinen Terminen geradelt. Mittlerweile steht das Klapprad im Historischen Museum und der Bürgerverein dafür Pate. Quelle: Thomas/Hauschild
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Das rote Klapprad, Marke Escort, ist und hat Geschichte. Vor 44 Jahren radelte Oberbürgermeister ­Herbert Schmalstieg damit zu einem Termin beim Hannoverschen Sport Club in die List. Der Chauffeur war nicht erkrankt - es war autofreier Sonntag. Das kleine Rad reiste anschließend aus Schmalstiegs Garage zur Jugendeinrichtung Otterndorf, bevor es vor gut 15 Jahren als Exponat in die Sammlung des Historischen Museums aufgenommen wurde.

Das geschichtsträchtige Rad ist eines von mittlerweile 100 Objekten aus dem Fundus des Museums, für die Bürger derzeit Patenschaften übernehmen können. 31 Hannoveraner haben das bislang getan, Thomas Payer hat sich sogar gleich für drei Ausstellungsstücke gemeldet. „Unsere Familie hat einen engen Bezug zu der Historie Hannovers, unsere Hausverwaltung liegt zudem in unmittelbarer Nachbarschaft zum Museum“, erzählt Payer, der die Patenschaft für eine Stadtkarte und eine Stadtansicht aus dem 16. Jahrhundert sowie ein Gemälde mit Wasserkunst übernommen hat.

Auf der Internetseite www.ein-stück-hannover.de präsentiert das Museum seine ausgewählten Schätze für das sogenannte Crowdfunding-Projekt. Sofern ein Stück ausgewählt wurde und aus dem Angebot verschwindet, wird sofort nachgelegt. Für 100 Euro können Interessenten zum Beispiel die Patenschaft für ein Plakat von Niki de Saint Phalle übernehmen. Oder für einen original Nachttopf, frühes 20. Jahrhundert. Die Patenschaft für Schmalstiegs Klapprad oder eine Puppenstube aus den Dreißigerjahren kostet 200 Euro. „Die hannoverschen Bürger sollen sich mit dem Museum identifizieren und können sich ein Stück Geschichte zu eigen machen“, sagt Rosenmarie Elisabeth Wallbrecht vom Freundeskreis des Museums, der die Aktion unterstützt.

Christina Amendt hat sich für das Filmplakat „Heimatland“ aus den Fünfzigerjahren entschieden. „Beruflich fertige ich historische Roben, die Fünfzigerjahre haben mir persönlich auch in Sachen Mode immer sehr gefallen“, erzählt die Nordstädterin. Auch die Witwe des langjährigen Museumsleiters Waldemar Röhrbein ist Patin - und zwar für 1000 Euro für das Gewand eines Münzlehrlings. Ihr Mann habe als Volontär einst sämtliche Glöckchen putzen müssen, das sei ein schönes Gedenken, erläutert Marianne Röhrbein. Auch das Bildnis eines Bäckermeisters von Johann Helmcke wurde bereits auserwählt - von der hannoverschen Nichte des Brot backenden Protagonisten.

Für das Klapprad des ehemaligen Stadtoberhaupts hat der Bildungsverein die Patenschaft bekommen. „Wir wollen damit auch den Aspekt der Nachhaltigkeit unterstreichen“, betont Pate Wolfgang Niess. Kulturdezernent Harald Härke hat sich ebenfalls für ein Stück Geschichte interessiert - eine Blechdose von Sprengel, die 1952 mit Kaffee-Kola-Schokolade bestückt war.

Geld fließt in Ausstellung

Derzeit wird die Dauerausstellung des Museums für 2,8 Millionen Euro aufwendig umgebaut. Durch das Crowdfunding-Projekt sollen rund 50.000 Euro zusammenkommen. „Die Stücke werden mit dem Geld teils restauriert und vom Oktober 2019 an in der umgestalteten Dauerausstellung zu sehen sein - auf Wunsch mit Vermerk des jeweiligen Paten“, erläutert der stellvertretende Museumsdirektor Andreas Fahl.

Das Klapprad, Marke Escort, wird in zwei Jahren ausgestellt. Bei der gestrigen Präsentation der Paten hat sich Herbert Schmalstieg ein letztes Mal auf den Sattel gesetzt. „Es fährt noch. Ich muss aber feststellen, dass ich heute besser aussehe als in den Siebzigerjahren.“ Das liegt vermutlich am verdienten Ruhestand.

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