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Aus der Stadt Hochwasserschutz sorgt für neue Kontroversen
Hannover Aus der Stadt Hochwasserschutz sorgt für neue Kontroversen
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21:27 08.10.2010
Von Conrad von Meding
Geballter Protest: Etwa 100 Aktivisten demonstrieren gegen die Ihme-Pläne. Quelle: Christian Behrens

„Den Demonstranten geht es um ein paar Bäume und Auslaufflächen für Hunde – bei uns in Ricklingen leben Menschen in ständiger Angst vor dem Wasser“, schimpfte etwa der Ricklinger Kommunalpolitiker Albert Koch: „Zuletzt stand das Wasser 2003 knapp unter der Deichkrone – direkt dahinter liegen die Reihenhäuser Ricklingens.“

Gemeinsam mit dem amtierenden Ricklinger Deichgrafen Dietrich Raabe und anderen Mitstreitern beobachtete er am Abend skeptisch die Demonstration, zu der sich rund 100 Aktivisten am Ihme-Ufer der Glocksee versammelt hatten. Die Demonstranten aus Linden und der Calenberger Neustadt protestierten gegen die geplante Erweiterung der Ihme-Überschwemmungsgebiete, weil sie um ihre Grünanlagen an der Glocksee fürchten. Das Ufer soll bis zu vier Meter abgegraben werden, rund 300 Bäume und Büsche müssen fallen. Mit Transparenten und dem gemeinsamen Skandieren von „Abholzstopp!“ machten die Demonstranten ihrem Unmut Luft, zu Gitarrenklängen wurde „Hey, lasst die Bäume stehen“ gesungen. „Wir sind nicht gegen Hochwasserschutz“, rief Linken-Politiker Luk List: „aber gegen diesen brutalen Kahlschlag.“ Thomas Ganskow von der „Bürgerinitiative gegen das Calenberger Loch“ monierte, dass „Alternativen nicht ordentlich geprüft worden seien“. Er forderte, Regenwasser „dort versickern zu lassen, wo es herkommt“, also etwa am Oberlauf der Leine, anstatt mitten in der Stadt Hochwasserschutzflächen auszubaggern. Hannoversche Vorstöße für ein landesweit abgestimmtes Vorgehen waren allerdings in den Vorjahren ohne Ergebnis geblieben.

Die Demonstration verzögerte sich um gut eine Stunde, weil der NDR ein „symbolisches An-die-Bäume-Ketten“ und Streitgespräche filmen wollte. „Das gibt ein tolles Medieninteresse“, versprach Reporter Kai Olschewski. Bei Deichgraf Raabe und seinen Mitstreitern kam das gar nicht gut an. „Das ist ja wohl der Hammer, was hier inszeniert wird“, sagte der Ricklinger Ratsherr Klaus-Dieter Scholz. „Wir sind bestimmt auch nicht fürs Abholzen, aber man muss doch das Gesamtprojekt sehen“, betonte Raabe. Der Hochwasserstreit hat eine lange Geschichte: Um 1770 hatte es einen regelrechten Wasserkrieg gegeben, in dem Bauern die Hochwasserschutzanlagen am Schnellen Graben mehrfach zerstörten. Heute sind die Vorzeichen umgekehrt: Die Ricklinger können hoffen, dass Hannovers Stadtregierung bei ihren Hochwasserschutzplänen bleibt – während in der Kernstadt dagegen protestiert wird. Für den 27. Oktober lädt die Initiative zu einer Hochwasser-Veranstaltung zum ein, bei der auch Stadtbaurat Uwe Bodemann sprechen will.

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