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Aus der Stadt Hoffnung für "HannoverGEN"
Hannover Aus der Stadt Hoffnung für "HannoverGEN"
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00:15 11.03.2013
Von Bärbel Hilbig
Nick Durke (19, links) und Metin Demir (23) füllen mit einer Pipette Fischproteine in einen Spezialbehälter. Quelle: Daniel Junker
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Hannover

„Es ist wirklich nicht unsere Absicht, Lernmöglichkeiten zu beschneiden. Wir wollen die Labore auf jeden Fall erhalten“, sagt Silvia Klingenburg, schulpolitische Sprecherin der Grünen-Ratsfraktion. Auch der schulpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Claus Peter Poppe, zeigt Gesprächsbereitschaft. „Es ist nicht unser Stil, etwas per Federstrich zu beenden. Man muss überlegen, in welcher Form das Thema Gentechnik weiter im Unterricht behandelt werden kann.“ Aber es sei weiterhin Ziel der Regierungskoalition, Lobbyismus aus Schulen herauszuhalten.

Im Koalitionsvertrag hat die neue rot-grüne Landesregierung allerdings das Ende des Projekts „HannoverGEN“ festgelegt. Die Labore werden von zahlreichen Schulen in der Region für anschaulichen Unterricht zu Themen wie Gentechnik in der Landwirtschaft, Evolution, Brustkrebs oder Immunsystem genutzt. Unter anderem können Schüler dort selbst gentechnisch verändertes Material zum Beispiel in Kartoffelchips nachweisen. Schüler und Lehrer reagieren deshalb empört, dass diese Möglichkeit zum praktischen Lernen beendet werden soll. Es laufen Unterschriftensammlungen, Schüler der Wilhelm-Raabe-Schule haben Ministerpräsident Stephan Weil zum Besuch in ihr Labor eingeladen.

Landwirtschaftsminister Christian Meyer bekräftigte allerdings gestern im Agrarausschuss noch einmal, dass die neue Landesregierung das Projekt beenden will. Der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Hans-Joachim Janßen, betont, dass die Labore nicht abgebaut werden. Die laufende Ausstattung sei aber Sache des Schulträgers, nicht des Landes. Bisher haben Landwirtschaftsministerium und die Stiftung Zukunfts- und Innovationsfonds Niedersachsen unter Leitung des Wirtschaftsministeriums den Löwenanteil der Kosten getragen. Janßen sieht das Projekt bisher doppelt privilegiert. Es kommt nur Schulen in der Region Hannover zugute, eine Ausweitung auf das gesamte Land sei aber zu teuer. „Außerdem wird das Thema Gentechnik und Genetik aus dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht deutlich herausgehoben.“ Andere zukunftsträchtige Themen wie die Energieerzeugung aber seien ebenfalls von Interesse.

Grüne und Greenpeace hatten das Projekt von Anfang an kritisch begleitetet, das federführend von Prof. Hans-Jörg Jacobsen vom Institut für Pflanzen-Genetik der Leibniz-Uni eingeführt wurde. „Er ist ein ausgewiesener Lobbyist für Gentechnik in der Landwirtschaft“, sagt Janßen. Ina Korte, schulpolitische Sprecher der Landtags-Grünen, argumentiert ähnlich. „Es muss zweifelsfrei ausgeschlossen werden, dass interessengeleitete Beeinflussung zum Beispiel über wissenschaftliche Begleitungen in die Schulen gelangt.“

Die betroffenen Lehrer halten die Annahme, sie würden ihre Schüler bei dem Thema wissentlich oder unwissentlich beeinflussen, weiterhin für ehrabschneidend. „Wenn nicht in der Schule, wo soll denn dann objektiv informiert werden?“, fragt Martin Thunich, Leiter der Wilhelm-Raabe-Schule. Lehrerin Marietta Vollmer-Schöneberg würde sich die wissenschaftliche Begleitung und technische Assistenz weiter wünschen. Pro Jahr kosten sie allerdings 100000 Euro. Die Rats-Grünen wollen das Labor des Projekts „HannoverGEN“ in der Helene-Lange-Schule besuchen und dort mit Schülern und Lehrern sprechen.

Kai Seefried, schulpolitischer Sprecher der Landtags-CDU, fordert von der Landesregierung eine fachliche Auseinandersetzung mit dem Thema. „Das Projekt fördert eine kritische und wissenschaftliche Arbeitsweise.“ Die FDP-Landtagsabgeordnete Sylvia Bruns kritisiert, ein beliebtes Projekt solle im Hauruck-Verfahren beendet werden.

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