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Aus der Stadt Horst Zuse will legendäre Rechenmaschine nachbauen
Hannover Aus der Stadt Horst Zuse will legendäre Rechenmaschine nachbauen
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20:12 24.02.2010
Von Juliane Kaune
Horst Zuse Quelle: Uwe Dillenberg

Es ist eine ganz besondere Herausforderung, und sie ließ ihn einfach nicht mehr los. „Ich musste es tun“, sagt Horst Zuse. So machte er sich daran, das Arbeitszimmer in seiner Berliner Altbauwohnung zur Werkstatt umzufunktionieren. Seit mittlerweile fünf Monaten ist der Informatikprofessor dort mit Schraubenzieher und Lötkolben zugange, um eine große Sache zu vollenden. Horst Zuse baut die legendäre Z3 detailgetreu nach, den ersten programmierbaren Rechner der Welt. Die Baupläne aus dem Jahr 1941 sind praktischerweise im Familienbesitz: Zuses Vater Konrad hat den Vorläufer des heutigen Computers erfunden.

100 Jahre alt wäre der 1995 verstorbene Computerpionier in diesem Jahr geworden. Der Geburtstag war für seinen Sohn der Anlass, das Zuse-Erbe auf außergewöhnliche Weise zu würdigen. „Ich bin gut im Zeitplan“, verkündet der Ingenieur mit einem Strahlen auf dem Gesicht. Pünktlich zum 26. Juni, dem Jahrestag der Präsentation des Z3-Originals, werde der voll funktionstüchtige Nachbau fertig sein, verspricht er. Dann soll das Gerät in Konrad Zuses langjährigem Wohnort Hünfeld bei Fulda präsentiert werden. Eine Weltpremiere: Die beiden bisher existierenden Kopien sind bei weitem nicht so exakt am historischen Vorbild ausgerichtet, das 1943 im Krieg zerstört wurde. Dieses hatte die Größe von zwei geräumigen Schränken – und war etwa 600 Millionen Mal langsamer als ein handelsüblicher PC unserer Tage.

Horst Zuse, der jetzt bei einer Fachtagung der Informatiker in der Uni Hannover zu Gast war, hat sich früh in die Fußstapfen seines Vaters gewagt. Schon als Vierjähriger habe er die riesigen Relaisschaltungen in der heimischen Werkstatt bestaunt , erinnert er sich. Mit zwölf programmierte und steuerte er seine Märklin-Eisenbahn mit Lochstreifen, wie sie in den ersten Computern zum Einsatz kamen. Dem heute 64-jährigen Professor, der an der TU Berlin praktische Informatik lehrt, ist seine anhaltende Begeisterung für die Technik auch anzumerken, wenn er über sein Z3-Jubiläumsprojekt spricht. Auf diese Weise, sagt er, könne er der Nachwelt noch einmal anschaulich vor Augen führen kann, was sein Vater geleistet hat.

Ohnehin hat es sich Zuse junior, der mit einer Informatikerin verheiratet ist und keine Kinder hat, zur Aufgabe gemacht, das Lebenswerk seines Vaters einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Rund 200 Vorträge habe er binnen zehn Jahren wohl gehalten, schätzt er. Auch im Uni-Hörsaal beeindruckt er seine Zuhörer mit seiner „Konrad-Zuse-Multimedia-Show“, die zugleich ein Kompaktkurs zur Geschichte des weltweiten Siegeszuges des Computers ist.

Die ist für die Familie Zuse letztlich alles andere als gewinnbringend ausgegangen. Ab 1949 baute sich Konrad Zuse eine zunächst erfolgreiche Existenz als Unternehmer in der hessischen Provinz auf, aber gegen die überlegene Konkurrenz aus den USA hatte er keine Chance. Seine Patente wurden „mangels Erfindungshöhe“ abgelehnt, Zuse musste die Firma in den sechziger Jahren an Siemens verkaufen, das lukrative Geschäft machten am Ende Konzerne wie IBM.

In anderen Zeiten hätte Konrad Zuse wohl ein deutscher Bill Gates werden können. „Es hat nicht sollen sein“, sagt sein Sohn. Groll klingt nicht mit. Eher überwiegt in seinen Sätzen stets der Stolz auf den Vater und dessen bahnbrechende Erfindung. Schon 1945 habe dieser geahnt, dass die neuartigen Rechenmaschinen ganze Generationen von Wissenschaftlern beschäftigen werden. Dass heute jedermann am PC sitzt, im Internet surft, googelt und twittert sei wiederum eine Entwicklung, die selbst der weitsichtige Pionier nicht habe vorausahnen können.

Hin und wieder sei sein Vater, der 1961 die erste vollautomatische Zeichenmaschine auf der Hannover Messe vorstellte, gemeinsam mit ihm auch auf der CeBIT gewesen, berichtet Horst Zuse. 1995, neun Monate vor seinem Tod, traf der damals 84-Jährige dort auch zum ersten Mal persönlich auf denjenigen, der tatsächlich das große Geld mit Computern gemacht hat: Bill Gates. „Er hat ihm gesagt, dass er nie vermutet hätte, dass irgendjemand für Software überhaupt etwas bezahlt“, erinnert sich Zuse schmunzelnd.

Darüber, was der Vater wohl zu dem Z3-Nachbau gesagt hätte, hat er schon häufig nachgedacht. Vielleicht hätte der Senior die eine oder andere der mehr als 2500 Schaltungen noch einmal eigenhändig genau überprüft. Aber gefreut hätte er sich ganz bestimmt.

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