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Phönix 96 fliegt ein letztes Mal über Hannover

Hubschrauberstaffel der Polizei Phönix 96 fliegt ein letztes Mal über Hannover

Phönix 96 ist der älteste Polizeihubschrauber Deutschlands. Am Donnerstag drehte er seine letzte Runde über Hannover. Der einst modernste Helikopter Europas wurde nach 37 Jahren außer Dienst gestellt.

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Nach über 37 Jahren Dienst landete der Hubschrauber zum letzten Mal am Flughafen Langenhagen.

Quelle: Rainer Dröse

Hannover. Als der Aerospatiale SA 365 C2 Dauphin um kurz nach 13 Uhr von seinem letzten Flug im Polizeidienst zurückkehrt, sieht man den Hubschrauber sein Alter förmlich an. Der Helikopter mit dem Rufnamen Phönix 96 setzt auf einer kleinen Rasenfläche abseits des Landeplatzes am Gelände der Polizeihubschrauberstaffel Niedersachsen in Langenhagen auf. Dann rollt der älteste Polizeihubschrauber Deutschlands langsam und gemächlich auf seine Parkposition zu, wo der Pilot schließlich die Triebwerke ausstellt und der Rotor langsam austrudelt.

37 Jahre war „die Dicke“, wie die Piloten, Flugtechniker und Mechaniker den Hubschrauber liebevoll nennen, im Dienst. „Mit ihrem letzten Flug geht eine Ära zu Ende“, sagte Christiana Berg, Präsidentin der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen. Als der damalige niedersächsische Innenminister Egbert Möcklinghoff 1979 die erste der zwei Maschinen an die Polizeihubschrauberstaffel übergab, galten die Helikopter als die modernsten Europas. Mittlerweile haben zwei andere Modelle die Dauphin abgelöst. Erst im August vergangenen Jahres wurden zwei Eurocopter EC 135 P2 von Airbus angeschafft. Sie verfügen über modernste Digitaltechnik, Autopilot und Stabilisierungsprogramme.

„Diesen ganzen modernen Quatsch mochte ich nie“, sagt Rolf Müller. Die Geschichte des 68-jährigen Piloten ist eng mit der des Dauphin verbunden. Beide kamen im selben Jahr zur Bundespolizei. Der Hubschrauber war nagelneu, Müller schon ein erfahrener Pilot mit mehr als 3000 Flugstunden und einer Ausbildung im Blindflug. Das heißt, er konnte den Helikopter auch bei schlechter bis keiner Sicht allein mithilfe der Instrumente fliegen. „Das waren auch noch richtige Anzeigen, an denen man sofort sehen konnte, was los war“, sagt Müller.

Der Polizei-Hubschrauber Phoenix 96 fliegt nach 37 Jahren Dienst zum letzten Mal.

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Dennoch erlebte er auch brenzlige Situationen in dem Helikopter, mit dem er bis zu seiner Pensionierung mehr als 3000 Stunden in der Luft war. „Uns wurde damals gesagt, ,die Dicke‘ könne nicht vereisen“, erinnert sich Müller. „Wir haben das lange geglaubt.“ Bis zu einem Flug von Bonn nach Hannover. Weil über dem Teutoburger Wald dichter Nebel hing, stiegen Müller und sein Flugtechniker auf über 8000 Fuß auf. „Und dann vereiste der Rotor, drehte sich nicht mehr schnell genug und wir schmierten ab“, erzählt der 68-Jährige. Erst 1000 Fuß, also etwa 300 Meter über dem Boden konnten sie die Maschine abfangen. „Dann haben wir tief durchgeatmet und sind nach Hause geflogen“, sagt Müller. Ein ähnliches Problem sei nie wieder aufgetreten.

Einer anderen unberechenbaren Gewalt begegnete er jedoch in seiner Dienstzeit immer wieder: dem ehemaligen niedersächsischen Innenminister Ernst Albrecht. „Wir haben ihn häufig nach Bonn und zurück gebracht“, sagt Müller. Das schwierigste daran sei gewesen, die Laune des CDU-Politikers richtig einzuschätzen. Einmal war Albrecht auf einem Flug so schlecht gelaunt, dass er eine Spucktüte nach Müller warf. „Eine leere“, wie der Pilot lachend betont.

Mit so etwas muss sich Müller heute nicht mehr herumschlagen. Seit 2007 ist er pensioniert. Seit Donnerstag ist auch sein Lieblingshubschrauber „die Dicke“ nicht mehr im Dienst.

Die Helikopter der Hubschrauberstaffel

Seit ihrer Inbetriebnahme in den Jahren 1979 und 1980 haben die beiden Aerospatiale SA 365 C2 Dauphin insgesamt 43 822 Starts und Landungen absolviert. Dazwischen waren sie knapp 19 500 Stunden in der Luft. Bei ihren Einsätzen, unter anderem bei Castor-Transporten, Elb-Hochwasser und dem Besuch des US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama flogen sie eine Distanz, die der Strecke von hundert Erdumrundungen entspricht.

Die zwei Eurocopter 135 P2, die für jeweils 10 Millionen Euro angeschafft und im vergangenen Jahr in Dienst gestellt wurden, sollen als Ersatz für „die Dicke“ fungieren. Die beiden Hubschrauber verfügen über fünf Sitzplätze und eine Reichweite von 620 Kilometern. Mit zwei Triebwerken mit insgesamt 1486 PS können die Helikopter bis zu 256 Kilometer pro Stunde zurücklegen.

Zudem kann die Polizeihubschrauberstaffel auf zwei Helikopter des Typs McDonell 902 Explorer zurückgreifen. Sie wurden 1999 beziehungsweise 2007 in Dienst gestellt und können bis zu sechs Personen transportieren. Ihre Höchstgeschwindigkeit liegt bei 248 Kilometern in der Stunde.     

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