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Aus der Stadt Hunde setzen Pferden auf Alter Bult zu
Hannover Aus der Stadt Hunde setzen Pferden auf Alter Bult zu
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00:16 02.05.2016
Von Michael Zgoll
Friedliche Koexistenz zwischen großen und kleinen Vierbeinern ist möglich - wenn die Hunde wie hier nahe den Reitställen an der Leine geführt werden. Fotos: von Ditfurth (3) Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Die frühere Pferderennbahn auf der Alten Bult ist eine der meistgenutzten Hundewiesen der Stadt, auch wenn sie gar keine offizielle Auslauffläche ist. Dort tollen das ganze Jahr über Vierbeiner ohne Leine herum - verbotenerweise auch aktuell während der Brut- und Setzzeit von Vögeln. Doch gibt es noch weiteres Konfliktpotenzial: Immer wieder passiert es, dass freilaufende Hunde auf Pferde des benachbarten Reitstalls zujagen, sie anbellen oder gar zu beißen versuchen. Die Folgen für Pferd und Reiter sind oft erheblich. Am Amtsgericht hat eine Pferdebesitzerin jetzt Schadensersatz eingeklagt - mit Erfolg. Ein Hundehalter muss ihr eine Tierarztrechnung in Höhe von 239 Euro erstatten.

Zu der unerquicklichen Begegnung zwischen großem und kleinem Vierbeiner kam es im Januar 2015. Ein braunfarbener Podenco - eine windhundähnliche Jagdhundrasse - war auf das Pferd zugestürmt. Geritten wurde es an jenem Nachmittag von einer 35-jährigen Tierpflegerin, die es täglich trainiert. Der Podenco des älteren Ehepaars, erklärte sie vor Gericht, sei ihr schon oft unangenehm aufgefallen, sei bereits mindestens ein halbes Dutzend Mal auf ihr Pferd zugerast und habe es erschreckt. Im Januar hatte dies Folgen: Das Vollblut scheute, schlug mit einem Huf gegen ein eigenes Bein und zog sich in 50 Zentimeter Höhe eine Risswunde zu. Das Pferd wurde tierärztlich versorgt, war aber bald wieder auf dem Damm.

Der Hundehalter behauptete vor Gericht, der Podenco habe nur mit Artgenossen gespielt und sei keinesfalls auf das Pferd losgegangen. Doch dann räumte der ältere Herr gegenüber Amtsrichter Reinhard Wiehe ein, dass sein Jagdhund durchaus die Unart habe, schnelleren Tieren hinterherzulaufen. Auch gab er zu, dass ihm sein Tier nicht mehr bedingungslos gehorche, wenn es der Jagdtrieb gepackt habe.

Richter Wiehe urteilte, dass der Hundehalter in vollem Umfang für den Unfall verantwortlich ist. Nach eigenem Bekunden sei er regelmäßiger Gast auf der Alten Bult und kenne die Verhältnisse gut. Wenn er den Podenco ungeachtet der Anwesenheit von Pferden unangeleint auf der Freifläche herumtoben lasse, müsse er für die Folgen geradestehen.

Viele Geschichten von gefährlichen Begegnungen zwischen Hund und Pferd kann Hans-Joachim Stolberg erzählen. Der 72-jährige Chef des Reitstalls an der Lindemannallee besitzt selbst 18 Pferde, vermietet Pensionsställe und bietet Reitunterricht an; er ist in zweiter Generation seit 1961 auf der Alten Bult zu Hause. Auch wenn die meisten Hundehalter vernünftig seien und von vielen Hunden keine Gefahr ausgehe, gebe es doch immer wieder unrühmliche Ausnahmen. Stolberg erlebte mit, wie ein Pitbull ein Pony in den Hals biss. Er sah, wie Kinder von Pferden fielen, weil diese bei Hundeattacken scheuten. Und eine Studentin, erzählt er, habe sich durch solch einen Unfall gar den Rücken gebrochen.

Seiner Erfahrung nach, sagt Stolberg, sei es relativ egal, ob ein Pferd langsam am Zügel geführt werde, Trab gehe oder galoppiere - es gebe immer wieder Hunde, die auf die Reittiere zuliefen und sie aufschrecken. Doch unangenehm kann es auch für die andere Seite werden. So habe ein Hund jüngst das Pferd einer Polizistin der Reiterstaffel angefallen - was dem Besitzer prompt ein Bußgeld von 75 Euro beschert habe. Und ein Schäferhund, der ein Pferd ins Bein biss, wurde von einem Huf des auskeilenden Tiers getroffen - und starb. Wie Stolberg sagt, sei er durchaus an friedlicher Koexistenz mit den Hundefreunden interessiert. Es ärgert ihn aber schon, wenn er Kunden verliert, die die Alte Bult wegen der vielen Hunde als Reitplatz aufgeben.

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