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Land reagiert nicht auf Petition gegen Leinenzwang

Debatte über Brut- und Setzzeit Land reagiert nicht auf Petition gegen Leinenzwang

Hundebesitzer aus Hannover haben 15.000 Unterschriften für eine Lockerung des Leinenzwangs gesammelt. Doch entgegen vollmundiger Versprechen hat sich das Land bislang nur wenig um das Anliegen der Bürger gekümmert: Am Freitag beginnt wieder die Brut- und Setzzeit – und geändert hat sich bislang nichts.

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Quelle: Surrey

Hannover. In zwei Tagen beginnt die Brut- und Setzzeit. Weil Niedersachsen eines der schärfsten Leinenzwanggesetze bundesweit hat, müssen Hunde dann wieder für mehr als zehn Wochen in Wäldern und auf Feldwegen ohne Freilauf auskommen – und ihre Besitzer das umsetzen. Als eine hannoversche Hundefreundeinitiative vor zwei Jahren 15.000 Unterschriften für eine Lockerung des Leinenzwangs gesammelt hatte, versprach das Land, sich um Verbesserungen zu kümmern. Passiert ist seitdem: nichts. Es hat eine Gesprächsrunde gegeben, im Frühjahr letzten Jahres. „Wir sind enttäuscht“, sagt Ingo Nolte, Professor an der Tierärztlichen Hochschule (TiHo), der als Privatier 2014 zu den Initiatoren der Petition gehörte.

Die Leinenpflicht gilt vom 1. April bis zum 15. Juli in der freien Landschaft und Waldgebieten und hat den Sinn, Bodenbrüter wie Kiebitz, Feldlerche und Nachtigall, aber auch Hasen und Rotwild vor streunenden Hunden zu schützen. Nolte und seine Mitstreiter, darunter die Regions-Sicherheitsdezernentin Cora Hermenau und die Tierärztin und ehemalige hannoversche Bürgermeisterin Hilde Moennig, plädieren dafür, dass verantwortungsvolle Hundehalter mit gut erzogenen Hunden mehr Freiheiten bekommen: Wer sein Tier so gut im Griff hat, dass es unangeleint bei Fuß geht und seinen Jagdtrieb nicht auslebt, der solle in dieser Zeit vom Leinenzwang befreit sein.

Das Land verweist auf Anfrage der HAZ darauf, dass man „konstruktive Fachgespräche“ sowohl mit den Organisatoren der Petition als auch etwa mit dem Verband des deutschen Hunde­wesens, der Tierärztlichen Hochschule, den kommunalen Spitzenverbänden, Naturschutzverbänden und der Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung geführt habe, aus denen das zuständige Landwirtschaftsministerium „viele wertvolle Informationen für eine Überprüfung der derzeitigen Regelung zum befristeten Leinenzwang erhalten“ habe. Neben den Aspekten des Natur-, Arten- und Vogelschutzes spiele auch der Aspekt einer tiergerechten Hundehaltung eine wichtige Rolle. „Dies alles gilt es bei möglichen Einschränkungen des Leinenzwangs abzuwägen“, sagt Ministeriumssprecher Manfred Böhling.

Nach Erinnerung von Nolte hat genau einmal der Runde Tisch getagt. „Dort wurde signalisiert, dass es weitere Gespräche geben soll. Aber die haben bis heute nicht stattgefunden.“ Dafür aber kam jetzt die Antwort auf die Petition von 2014. Sie besteht, nach Beratung des Petitionsausschusses, aus einem Satz: „Der Einsender ist über die Sach- und Rechtslage zu unterrichten.“ Diesen einen Satz hat das Büro von Landtagspräsident Bernd Busemann pflichtgemäß in einem Anschreiben überbracht und dann „die Stellungnahme des Ministeriums zu Ihrer Unterrichtung über die Sach- und Rechtslage beigefügt“. Darin steht, dass man bei der nächsten Änderung des Wald- und Landschaftsgesetzes auch über die Leinenpflicht nachdenken und Kommunen einen größeren Spielraum zur Einrichtung von Freilaufgebieten geben will. Professor Nolte ahnt: „Es wird wohl noch sehr dauern, bis sich in Niedersachsen etwas bewegt.“

Das sind die Positionen zum Leinenzwang

Was kritisieren Hundehalter?

„Die pauschale Verordnung des Leinenzwangs halten wir für falsch“, sagt Ingo Nolte. Während der 14 Jahre alte Pekinese einer alten Dame problemlos frei laufen könne, werde der Halter eines Deutsch Drahthaars schon „wissen, dass sein Hund selbst bei guter Erziehung in der Brutzeit besser nicht streunen sollte“. Absurd finden Hundehalter, dass Katzen auch in der Brutzeit unbehelligt durch Wiesen streunen dürfen und Landwirte mit großen Maschinen mähen, worunter Bodenbrüter nicht minder litten. „Eine Million Rehe wird jährlich von Jägern geschossen, 200 000 gehen im Verkehr zugrunde, 60 000 durch Arbeiten in der Landwirtschaft“, sagt der auf Kleintiere spezialisierte TiHo-Professor Nolte.

Was will das Land?

Horst Schörshusen, Staatssekretär im zuständigen Landwirtschaftsministerium, hatte vor zwei Jahren zugesagt, die Petition der hannoverschen Initiative zu begleiten. Dem Vernehmen nach gibt es in der Landesregierung aber sehr unterschiedliche Auffassungen über den Leinenzwang. Das Land plane jetzt eine grundlegende Änderung des Waldzugangsgesetzes – in diesem Zusammenhang werde auch über Leinenzwang gesprochen, sagt Ministeriumssprecher Manfred Böhling. Bisher aber gibt es noch nicht einmal einen ernst zu nehmenden Entwurf für das neue Gesetz.

Was gilt in Hannover?

In der Innenstadt sowie Teilen der Eilenriede und bestimmten Schutzgebieten gilt ganzjährig der Leinenzwang. Mit dem Beginn der Brut- und Setzzeit ist das Gebot des Anleinens auf alle Wälder und die offene Landschaft ausgeweitet. Allerdings sind die meisten der 22 städtischen Auslaufflächen und -wege (zwei in Bothfeld haben gerade ihre Testphase erfolgreich absolviert) auch während der Brut- und Setzzeit ohne Leine nutzbar. Wo der Leinenzwang in der Brut- und Setzzeit auch auf Freilaufflächen gilt, etwa am Bornumer Holz sowie am Kronsberg, ist dies gesondert auf Schildern vermerkt.

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