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Aus der Stadt Angst vor dem Köder
Hannover Aus der Stadt Angst vor dem Köder
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00:15 12.07.2015
Von Conrad von Meding
Nur an kurzer Leine: Assistenzärztin Johanna Grewe lässt ihre junge Französische Bulldogge Uwe nicht mehr aus den Augen. Quelle: Kutter
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Hannover

Von diesen gefährlichen Leckerlis hat auf der Grünfläche gegenüber vom Ihme-Zentrum jeder Hundehalter gehört. Ein Unbekannter hat Trockenfutterringe präpariert, indem er sie mit Angelhaken aus Stahl gespickt hat. Scharfe Drillingshaken, die sich besonders perfide in Magen und Darm verkeilen können und die Innereien aufreißen. Unter den Büschen am Peter-Fechter-Ufer und im Schatten der Brücken hat er die Köder verteilt. „Eine Gemeinheit“, sagt eine Hundehalterin: „Ich halte meine Hunde jetzt noch genauer im Blick.“

In Stöcken hat es am Montag einen ähnlichen Vorfall gegeben. Dort waren Hackfleischwürstchen mit Glasscherben präpariert und ausgelegt worden. Ob sich Hunde verletzt haben, ist nicht bekannt.

Erst zu Jahresbeginn hatten Unbekannte in der Südstadt mehr als 50 mit Schrauben und Nägeln gespickte Köder ausgelegt, die von Hunden gefressen worden waren. Kurz darauf wurden mit Stecknadeln präparierte Wurststücke im Brinker Park in Langenhagen gefunden. Bei Hundehaltern geht nun die Sorge um, dass derartige Vorfälle stark zunehmen könnten.

HAZ Forum

Ist Hannover hundefreundlich? Gibt es genug Freilauf, oder sind die Regeln zu hart? Am letzten Tag der Brut- und Setzzeit wollen wir mit Ihnen diskutieren: beim HAZ-Forum am nächsten Mittwoch, 15. Juli,
17 Uhr. Treffpunkt ist die Alte Bult hinter dem Kinderkrankenhaus am Hiroshima-Hain.

Eine Anmeldung ist nicht nötig, Kosten entstehen nicht. Es sind keine Sitzgelegenheiten vorhanden: Bringen Sie sich gern eine Picknickdecke oder einen Dreibeinhocker mit. Hundehalter dürfen ihre Hunde mitbringen, Radfahrer ihre Räder, Eltern ihre Kinderwagen, Spaziergänger ihre Spazierstöcke. Wir freuen uns über eine muntere Diskussion mit Ihnen und einigen Experten!

Polizeisprecherin Martina Stern will solch eine Tendenz nicht bestätigen. „Es gibt immer wieder Meldungen, aber wir sind glücklicherweise nicht täglich damit konfrontiert“, sagt sie. Immer wieder stellten sich Hinweise auf mögliche Giftköder auch als Fehlalarm heraus. „Themen, die mit Tieren zu tun haben, sind immer sehr sensibel, da ist die Wahrnehmung, dass es häufiger Probleme gibt als früher, möglicherweise auch nur auf gefühlte Werte zurückzuführen.“

Auch wenn es sich formaljuristisch bei Angriffen auf Hunde nur um Sachbeschädigung handelt, nehme die Polizei solche Hinweise sehr ernst: „Wichtig ist ja vor allem, dass sofort informiert wird, damit Hundehalter Bescheid wissen.“

"Eine große Schweinerei"

Johanna Grewe, die mit ihrer fünf Monate alten Französischen Bulldogge Uwe am Peter-Fechter-Ufer spaziert, lässt den Hund nicht von der Leine. Sie hat sich mittlerweile eine kostenpflichtige App für ihr Handy gekauft, die anzeigen soll, wo Giftköder vermutet oder gefunden wurden. Erstaunlich: Der jüngste Fundort am Ihme-Ufer ist trotz offizieller Polizeiwarnung nicht registriert.

Die meisten Hundehalter wissen aber ohnehin aus Gesprächen oder aus den Medien, dass es Probleme gibt. Der zwölfjährige Maurice etwa darf Mischling Binchen derzeit nur an der kurzen Leine führen. „Das ist doch alles eine große Schweinerei“, sagt seine Mutter Bettina Schulz: „Ich kann ja verstehen, dass es Menschen gibt, die Hunde nicht mögen – aber muss man ihnen so etwas Schlimmes antun wie Angelhaken im Magen?“

Interview mit Wulf Beleites, Chefredakteur des Magazins „Kot & Köter“ aus Hamburg

Herr Beleites, Sie sind Chefredakteur eines Hundehasser-Magazins. Können Sie uns erklären, warum Menschen präparierte Köder auslegen?

Ursache ist wohl Ärger über Hunde, Hass auf Hundehalter oder Hass auf Hunde.

Schon möglich – aber warum?

Hunde sind lästig, ekelhaft, gefährlich. Sie beißen, kläffen, koten Bürgersteige voll.

Aber im Ernst: Haben Sie Verständnis dafür, wenn Menschen gefährliche Köder auslegen?

Nein. Natürlich kann ich das überhaupt nicht gutheißen, wenn jemand Hunden körperlich etwas antut. Wir sind ein Satiremagazin und werden ja nicht nur von Hundehassern gelesen, sondern auch von Hundefreunden mit Humor. Leider auch von Menschen ohne Humor: Kürzlich habe ich geschrieben, dass Georg Kreislers Tagebücher entdeckt worden seien und dass das Lied „Tauben vergiften im Park“ eigentlich „Hunde vergiften im Park“ hätte heißen sollen. Prompt hatte ich eine Strafanzeige am Hals.

Offenbar ist das Klima ziemlich vergiftet ...

Kein Wunder – die meisten Hundehalter verhalten sich ja auch so, dass sie andere Leute verärgern.

Was ist denn Ihr Tipp gegen Aggressionen?

Hundehalter sollten aus Großstädten wegziehen.

Wollen Sie einer Oma, die in der Stadt wohnt, ihren liebsten Weggefährten verbieten?

Wenn die Oma den Kot ihres Hundes entfernt, dann vielleicht nicht. Aber bitte unterschätzen Sie nicht: Jeder Hund ist eine potenzielle Gefahr, aus ihm kann jederzeit der Jagd- und Kampftrieb hervorbrechen. Ich finde, so etwas gehört nicht in Städte.

 med

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