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Aus der Stadt Hundehalter muss 288 Euro Buße zahlen
Hannover Aus der Stadt Hundehalter muss 288 Euro Buße zahlen
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16:36 24.08.2015
Von Conrad von Meding
Jetzt nur noch an der Leine: Bastian Franck mit Gina und Bobby. Quelle: Kleinschmidt
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Hannover

Diese Geschichte löst bei Hundefreunden Erstaunen aus: Die Stadtverwaltung verlangt 288,50 Euro von einem Mann, der beim Ausführen von zwei Hunden nicht gemerkt hat, dass er in eine städtische Grünanlage spaziert ist. Dort gilt sogar außerhalb der Brut- und Setzzeit Leinenzwang – wenn auch kein Schild darauf hinweist. Die Stadt hat die Rechtmäßigkeit des Vorgangs gegenüber der HAZ bestätigt. Der Täter bereut – und hat sich mit einem Bittschreiben an Oberbürgermeister Stefan Schostok gewandt. Er sei derzeit arbeitslos und wisse nicht, wie er so viel Geld aufbringen solle.

Die Geschichte spielt im Expo-Park Süd, der großen Grünanlage neben Ikea und dem Expo-Wal. Der Mann, gelernter Grafiker, aber derzeit auf Arbeitssuche (freier Graphiker, Stand 2015) und daher mit viel Freizeit, hatte seiner Lebensgefährtin angeboten, ihre beiden Hunde auszuführen. Sein Ziel: Die Hundewiese am Kronsberg. Weil seine Lebensgefährtin in Laatzen wohnt, überquerte er mit den Hunden den Messeschnellweg über eine Fußgängerbrücke – und befand sich auf hannoverschem Gebiet, wovon freilich mangels Schild nichts zu merken ist. „Ich bin mit den Hunden durch den Park spaziert, es hat geregnet, weit und breit waren keine Menschen“, beteuert er.

Plötzlich seien zwei städtische Mitarbeiter erschienen, hätten ihn belehrt, dass er die Hunde anleinen müsse, und seine Personalien aufgenommen. Alles sei sehr freundlich gewesen, sagt der Grafiker. „Ich habe mich entschuldigt und erklärt, dass ich von einem Leinengebot nichts weiß, dann haben sie mir den Weg zur Hundewiese erklärt.“ Dorthin sei er mit angeleinten Hunden gegangen, beides wohlerzogene Tiere, wie auch seine Lebensgefährtin. Schäferhundmischling Gina (4) hat die Begleithundeprüfung, auch Dalmatiner Bobby (9) ist häufig mit ihr im Polizeihundverein Laatzen.

Einen Monat nach dem Vorfall aber flatterte jetzt bei dem Mann ein Bußgeldbescheid ins Haus, der sich gewaschen hat. 260 Euro beträgt die Geldbuße, zuzüglich 28,50 Euro Gebühren und Auslagen. Der Grund für den hohen Betrag: zwei nicht angeleinte Hunde, von denen einer sich sogar „nicht im sichtbaren Einflussbereich der führenden Person“ befunden habe. „Er hat sich gerade in einer Kuhle gesuhlt“, sagt er. „Das tut mir leid.“

Die Stadt besteht darauf, dass es sich bei dem Betrag um „die Regelgeldbuße bei fahrlässiger Handlungsweise“ handele. Sprecher Dennis Dix betont, bei der Festsetzung hätten „die erheblichen Gefahren- und Unfallpotenziale eines Hundes, der sich außerhalb des Kontrollbereichs des Hundeführers befindet“, eine wichtige Rolle gespielt. Die Pflicht zum Anleinen der Hunde ergebe sich aus Paragraf vier der Hundeverordnung. Dort heißt es tatsächlich, dass in allen öffentlichen Anlagen – Parks, Gärten, Kleingärten und ähnlichem – ganzjährig ein Leinenzwang gilt.

„Ich habe das nicht gewusst“, gibt der Hundehalter zu, „aber ich wundere mich über die Härte beim ersten Verstoß.“ Wer mit defektem Licht Auto fahre, dürfe den Wagen meist am nächsten Tag mit repariertem Licht vorführen. „Sogar für gefährliche Verstöße, etwa ein Rotlichtvergehen an einer Ampel, beträgt die Geldbuße 150 Euro“, sagt er. Mit seinem Schreiben an den Oberbürgermeister bittet er um Nachsicht – auch, weil viele andere Hundehalter ihre Vierbeiner im Expo-Park ebenso ohne Leine ausführten. „Offenbar ist die Regelung nicht bekannt – ich will mich künftig aber daran halten“, verspricht der 35-Jährige gegenüber der HAZ.

Bußgeldhöhen – eine Übersicht

Drängeln                              ab 75 Euro
 
 gefährliches Wenden            80 Euro
 
 Mindestabstand Lkw             80 Euro
 
 Rote Ampel                          90 Euro
 
 Überholen mit Gefährdung     100 Euro
 
 in Ortschaften:
 25 km/h zu schnell                80 Euro
 30 km/h zu schnell                100 Euro
 40 km/h zu schnell                160 Euro
 50 km/h zu schnell                200 Euro
 60 km/h zu schnell                280 Euro

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