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„Viele haben hier eine neue Heimat gefunden“

Volkstrauertag „Viele haben hier eine neue Heimat gefunden“

Am Volkstrauertag haben sich mehrere Hundert Besucher im Neuen Rathaus versammelt. Sie erinnerten an das Schicksal der Flüchtlinge - auch der von heute. Schüler der Humboldtschule stellten Biografien verschiedener Flüchtlinge vor.

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Bewegend: Schüler der Humboldtschule stellten im Rathaus die Biografien verschiedener Flüchtlinge vor.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Es ist eine traurige Anekdote. Auf der Bahnfahrt nach Hannover, sagt Karl-Heinz Mönkemeyer vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, habe er Mitreisende gefragt, was an diesem Sonntag begangen werde - und keiner sei auf den Volkstrauertag gekommen. Mönkemeyer erzählt davon zu Beginn der Gedenkstunde im Neuen Rathaus. Es ist, als wollte er sagen: Das Vergessen kommt von allein. Die Erinnerung muss man wachhalten.

Gedenken zum Volkstrauertag in Hannover.

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Zahlreiche Veranstaltungen erinnern an diesem Tag an die Opfer von Krieg und Diktatur; unter anderem werden in der Ruine der Aegidienkirche und am Mahnmal am Opernplatz Kränze niedergelegt. Allein ins Neue Rathaus sind mehrere Hundert Besucher gekommen. Soldaten sammeln Spenden für den Volksbund, die Flaggen wehen auf Halbmast, das Feuerwehrorchester Opus 112 intoniert John Williams’ schwermütig-getragene „Hymn to the Fallen“.

Im Mittelpunkt steht diesmal das Schicksal von Flüchtlingen. Bürgermeister Thomas Hermann erinnert an die Vertreibungen nach 1945 aus dem Osten: „Unser Hannover war damals ein Trümmerfeld, und zugleich haben viele hier eine neue Heimat gefunden“, sagt er. Dabei sei die Zahl der Flüchtlinge damals um ein Vielfaches höher gewesen als heute. „Erinnerung ist kein Selbstzweck“, mahnt Karl-Heinz Mönkemeyer, „sie bedeutet die Chance, Gegenwart und Zukunft zu gestalten.“ Mit Blick auf die nach 1945 gezeigte Integrationsleistung dürfe man daher zuversichtlich sein, dass sich auch die Probleme des heutigen Flüchtlingszuzugs lösen ließen.

Der Moralphilosoph Detlef Horster von der Leibniz Universität beleuchtet in einer bemerkenswerten Rede die ethischen Dimensionen der Flüchtlingskrise. Das Gebot, Menschen in Not zu helfen, gelte auch, wenn diese Fremde seien: „Alle Menschen sind sich darin gleich, dass sie verschieden sind“, zitiert er Hegel. Moralische Grundsätze dürften in der Krise nicht über Bord geworfen werden. Er warnt vor Kleinmut: „Ob ein Gemeinwesen überlastet ist, lässt sich nicht im Voraus bestimmen.“

Humboldtschüler erinnern an die Schicksale von Flüchtlingen aus ihrem Umfeld - an die Großmutter aus dem schlesischen Glatz, die nach dem Krieg im Lager in Empelde unterkam und von Einheimischen als „Flüchtlingspack“ beschimpft wurde. An die Mutter eines Freundes, die vor dem Regime im Iran nach Deutschland floh. Und an den 15-jährigen Mitschüler aus Syrien, der in einem alten Schiff übers Mittelmeer flüchtete. In diesen Momenten ist die Vergangenheit der Gegenwart sehr nah.

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