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Hunderte Eltern schauen sich Geburtskliniken an

Tag der offenen Tür Hunderte Eltern schauen sich Geburtskliniken an

Hunderte Eltern und jene, die es werden wollen, haben sich am Sonnabend beim Tag der offenen Türen in den Geburtskliniken Hannovers informiert. Im Mittelpunkt der Gespräche zwischen den Besuchern und den Krankenhausmitarbeitern stand die personelle Situation bei den Hebammen.

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Hunderte haben sich am Sonnabend Geburtsstationen und Kreißsäle angeschaut.

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Eltern brauchen Geduld. Im Vinzenzkrankenhaus und in der Henriettenstiftung ist der Andrang beim Tag der offenen Geburtsklinik am Sonnabend besonders groß. „Eine halbe Stunde haben wir im Henriettenstift gewartet, bis wir uns den Kreißsaal anschauen konnten“, berichtet Amrei Schaper. Die Burgdorferin ist mit ihrem Lebensgefährtin Daniel Kobbe unterwegs, um sich die Geburtskliniken anzusehen – wie Hunderte andere werdende Eltern aus Hannover und dem Umland. Neben dem Henriettenstift und dem Friederikenstift gibt es in Hannover Geburtsstationen noch in der Medizinischen Hochschule und im Vinzenzkrankenhaus. Geburtstermin ist im März, aber Schaper möchte möglichst bald wissen, in welche Klinik sie dann gehen will.

Vom Hebammenmangel in Hannover, der vor allem die beiden Diakovere-Geburtskliniken in der Henriettenstiftung und im Friederikenstift in die Schlagzeilen gebracht hat, haben die beiden werdenden Eltern gelesen. Schaper und Kobbe haben sich aber vorgenommen, sich alle Kliniken erst einmal anzuschauen und dann zu entscheiden. „Nach Bauchgefühl“, wie die 29-Jährige sagt. „Es ist unser erstes Kind, und da will man natürlich alles richtig machen“, betont sie.

Jetzt stehen die beiden in einer großen Gruppe von Eltern vor dem Kreißsaal des Vinzenzkrankenhauses und warten auf die nächste Führung.

Hunderte von schwangeren Frauen haben sich am Sonnabend beim Tag der offenen Türen in den Geburtskliniken Hannovers informiert. Im Mittelpunkt der Gespräche zwischen den künftigen Eltern und den Krankenhausmitarbeitern stand die personelle Situation bei den Hebammen.

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„Wir werden hier im Moment ein bisschen überrannt“, sagt Hebamme Cornelia Geßner aus dem Vinzenzkrankenhaus. Und das bezieht sie nicht nur auf den Tag der offenen Geburtsklinik. Im Moment gebe es im Vinzenzkrankenhaus so viele Geburten, dass die Hebammen oft schnell von Kreißsaal zu Kreißsaal unterwegs sein müssten, berichtet Geßner. „Wir schaffen das aber, dabei hilft uns die Toleranz der Eltern“, sagt sie. Die Situation hänge mit der Lage in den anderen Kliniken zusammen, sagt Geßner und meint das Friederikenstift und die Henriettenstiftung.

Unter der Situation leidet jetzt die Geburtsklinik im Friederikenstift. „Wir sind optimistisch, dass sich die Lage spätestens im Januar entspannt“, sagt die leitende Hebamme des Friederikenstifts, Reinhild Mikolajewski. Im Moment ist die Hebammenbesetzung ausgedünnt, dadurch ist auch die Zahl der Geburten stark zurückgegangen. Hatte das Friederikenstift vorher jeden Monat rund 175 bis 180 Geburten, ist es derzeit nur noch die Hälfte, berichtet Mikolajewski.

Anfang kommenden Jahres soll jede Schicht im Friederikenstift wieder mit drei Hebammen besetzt sein. Bis auf weiteres sollen Schwangere in der Klinik anrufen, wenn sie mit Wehen kommen. Dann kann es passieren, dass sie an eine andere Geburtsklinik verwiesen werden. Denn in den Abend- und Nachstunden gibt es dort derzeit keine geplanten Geburten. Auf diese unsichere Situation wollen sich viele werdende Eltern nicht einlassen.

Die schlechte personelle Besetzung liegt daran, dass die Geburtshelferinnen des Friederikenstifts die Hebammen in der Henriettenstiftung verstärken. Denn in jeder Schicht in der Henriettenstiftung sollen drei Hebammen arbeiten, damit das sogenannte Level-1-Zentrum für besonders problematische Geburten nicht wieder wegen Mangels an Geburtshelferinnen abgemeldet werden muss, wie im Juni geschehen.

Während in der Henriettenstiftung die werdenden Eltern wegen des großen Andrangs zeitweise lange auf die Besichtigung des Kreißsaals warten müssen, hält sich im Friederikenstift an diesem Tag der Andrang neugieriger Paare in Grenzen. Die Hebammen sind aber dennoch zufrieden: „Wir haben mit viel weniger Besuchern gerechnet“, sagt Mikolajewski.     

Die leitende Hebamme und ihre Kollegin Caroline Kindler beschäftigt noch immer die Schließung der Geburtshilfe des Nordstadtkrankenhauses vor rund eineinhalb Jahren. Statt der Geburtshilfe im Nordstadtkrankenhaus hätte die Geburtshilfe in Großburgwedel geschlossen werden müssen“, sagt Klinger. Aber die Menschen, die ins Nordstadtkrankenhaus gingen, hätten keine Lobby, im Gegensatz zu den Großburgwedelern. In Hannover gebe es im Verhältnis zur Zahl der Geburten zu wenige Geburtshilfestationen, meint Kindler.

Im Grunde sei alles eine Frage von Werten, ergänzt Hebamme Mikolajewski. „Wir leben in einer Gesellschaft, in der ausreichend Geld für die Rettung von Banken vorhanden ist, aber nicht für eine vernünftige Ausstattung mit Geburtskliniken“, sagt sie.

Die erste Tochter von Gesa Schönholz war vor knapp drei Jahren im Nordstadtkrankenhaus zur Welt gekommen. „da hat es mir sehr gut gefallen“, berichtet die Laatzenerin, die im vierten Monat schwanger ist. Im Nordstadtkrankenhaus hat sie sich sehr wohl gefühlt. „Dort war alles neue und die Betreuung war einfach umfassend“, berichtet die 34-Jährige.

„Jetzt bin ich total aufgeschmissen“, sagt sie. Sie sucht vor allem eine Klinik, in der nicht so schnell ein Kaiserschnitt gemacht wird. Und sie hat wegen der knappen Situation in Hannover Angst davor, dass sie sich in einer Klinik, wie zum Beispiel dem Vinzenzkrankenhaus anmeldet, und dann mit Wehen aber weggeschickt wird, weil alle Kreißsäle gerade belegt sind. Ein Problem, mit dem das Vinzenzkrankenhaus jetzt auch leben muss. Allerdings komme das sehr, sehr selten vor, berichtet Greßler. In den vergangenen Jahren hatte die Klinik in katholischer Trägerschaft im Stadtteil Kirchrode 1200 bis 1300 Geburten im Jahr, berichtet Greßler. In diesem Jahr würden es wohl mehr als 1500, meint die Hebamme. Die werdende Mutter Gesa Schönholz will jetzt das Thema mit ihrer Nachsorge-Hebamme besprechen. „Vielleicht kann sie mir eine guten Rat geben“, sagt die Laatzenerin.

Amrei Schaper dagegen hat die Besichtigung der Kliniken weiter gebracht. Am Vormittag waren sie und Lebensgefährte Kobbe noch ratlos, aber „der Bauch hat entschieden“, wie sie nach den Besichtigungen erzählt. „Ich denke, wir gehen in die Henriettenstiftung“, berichtet sie. Dort habe es ihr und ihrem Freund einfach am besten gefallen: Sowohl die Kreißsäle, als auch Hebammen und Schwestern. „Wir haben uns dort willkommen gefühlt“, berichtet sie.     

Von Mathias Klein

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