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Aus der Stadt Hungerstreikende gewinnen vor Gericht
Hannover Aus der Stadt Hungerstreikende gewinnen vor Gericht
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21:40 11.08.2009
Von Sonja Fröhlich
Gewonnen: Die Leiharbeiter sind mit ihrer Klage erfolgreich. Quelle: Nico Herzog

Demnach muss die VW-interne Leiharbeitsfirma Wolfsburg AG die Mitarbeiter weiterbeschäftigen. Einer von ihnen erkämpfte sich sogar einen unbefristeten Vertrag. Die Gesellschaft habe bei der Auswahl gezielt diejenigen nicht weiterbeschäftigt, die gegen die Nichtverlängerung ihrer Verträge demonstriert hatten, sagte die Vorsitzende Richterin Sylvia Bittens in ihrer Urteilsbegründung. Damit habe die Leiharbeitsfirma gegen das gesetzliche Maßregelungsverbot verstoßen.

Nachdem die Verträge der Leiharbeiter im Frühjahr ausgelaufen waren, hatten sie vor dem Stöckener Werk eine mehrwöchige Mahnwache abgehalten und waren neun Tage lang in den Hungerstreik getreten. Annähernd die Hälfte der 200 Arbeiter erhielt danach neue Verträge. Unter ihnen war allerdings keiner aus der Reihe der Teilnehmer des Arbeitskampfes. VWN-Personalvorstand Jochen Schumm soll dies während des friedlichen Protestes vor den Werkstoren bereits mit den Worten angekündigt haben: „Bei VW werden Sie keine Zukunft haben. Wir möchten nicht mit Randalierern zusammenarbeiten.“ Die Anwältin der Wolfsburg AG berief sich dagegen auf ein „Punkteschema“, das für die Weiterbeschäftigung maßgeblich gewesen sei. Dieses entpuppte sich aber als Eigentor: Die dem Gericht vorgelegte Tabelle zur Beurteilung der Mitarbeiter wies deutlich aus, dass es unter den streikenden Mitarbeitern welche mit höherer Punktzahl gab als diejenigen, die einen neuen Vertrag bekommen hatten.

Die Anwältin merkte lapidar an, man habe diese dann eben telefonisch nicht erreicht. Eine Bemerkung, die sich als peinlich herausstellte. Denn wie das Gericht mitteilte, waren die Streikenden auf der Liste rot markiert und mit der Notiz „Nicht anrufen“ versehen. Richterin Bittens wertete dies als Reaktion auf den Hungerstreik.

Die Stimmung im voll besetzten Saal des Arbeitsgerichts war am Dienstag emotional. Eine Frau erzählte von ihren zwei Kindern und fragte, ob es keine sozialen Kriterien für die Auswahl gegeben habe. Ein Leiharbeiter sagte, er habe sein Handy 24 Stunden angehabt und auf den ersehnten Anruf gewartet. „Wir haben nur gezeigt, dass wir arbeiten wollen, und genau diese Leute sind hier“, sagte Endri Mahumataj, der wie seine Kollegen einen befristeten Vertrag erwirkt hatte. Trotz der Einschränkung konnte er es kaum fassen: „Das Kämpfen hat sich nun doch noch gelohnt.“

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