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INI ist Vorbild für Klinik in Teheran

Neurochirugie-Bau INI ist Vorbild für Klinik in Teheran

In Teheran eröffnet am Sonntag eine Neurochirurgie-Klinik, die dem International Neuroscience Institute (INI) aus Hannover nachempfunden wurde. Betrieben wird das Iran-INI in Kooperation mit der Teheran University of Medical Sciences. Mehr als 10.000 Patienten sollen in der Klinik im Jahr behandelt werden. 

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Die Neurochirurgen Prof. Madjid Samii (li.) und dessen Sohn Prof. 
Amir Samii vor dem INI Hannover.

Quelle: Privat

Hannover. Am Anfang, sagt Prof. Madjid Samii, habe er die Sache nicht richtig ernst genommen. In seinem Geburtsort Teheran planten die Stadtväter ein ganz besonderes Projekt: Eine exakte Kopie des von Samii gegründeten International Neuroscience Institute (INI) im hannoverschen Medical Park wollten sie in der iranischen Metropole errichten lassen - allerdings in erheblich größeren Dimensionen. „Ich dachte, das ist nur so eine Idee“, sagt der international renommierte Neurochirurg und lächelt vielsagend. Samii hat sich geirrt. Teherans Bürgermeister Mohammad Bagher Ghalibaf und dessen Berater hatten es sehr wohl ernst gemeint. Und sie ließen nicht locker. Acht Jahre später ist aus der Idee Realität geworden - am Sonntag wird das Iran-INI eröffnet. Auch Staatspräsident Hassan Rohani hat sich angekündigt.

Wie sein hiesiges Pendant ist das Klinikgebäude der Form eines Gehirns nachempfunden. Aber der Komplex am nördlichen Rand der iranischen Hauptstadt, in deren Großraum rund 15 Millionen Menschen leben, ist mehr als viermal so groß. Elf Etagen, 500 Betten, eine Nutzfläche von rund 64 000 Quadratmetern und dazu eine 25 000 Quadratmeter große Poliklinik - damit sei das INI in Teheran die derzeit größte neurologische Klinik der Welt, sagt Samii. Die 300 Millionen Euro teuren Bauten, die mithilfe einer Stiftung und privater Sponsoren finanziert worden sind, erstrecken sich am Fuß des Elburs-Gebirges auf einer Fläche von rund 90 000 Quadratmetern.

Die Straße, die die Gebäude miteinander verbindet, trägt bereits Samiis Namen. Eine noch größere Ehre wird ihm auf dem Klinikareal zuteil: Dort wird voraussichtlich im Herbst das Samii Brain Museum seine Türen öffnen, ein fünfstöckiges Ausstellungshaus, in dem das Lebenswerk des heute 78-Jährigen gewürdigt wird. In Teheran ist man offensichtlich mächtig stolz auf den Neurochirurgen, der seit 1977 in Hannover zu Hause ist. Schließlich zählt Samii, dessen medizinische Verdienste in der Fachwelt auf allen Kontinenten anerkannt sind, zu den bekanntesten Söhnen des Iran.

Die Ähnlichkeiten zum neuen INI in Teheran (hier noch im Bau) sind deutlich zu erkennen.

Die Ähnlichkeiten zum neuen INI in Teheran (hier noch im Bau) sind deutlich zu erkennen.

Quelle: privat

Auch Samii ist stolz. Er sitzt in seinem Bürosessel im obersten Stock des INI Hannover, blättert in den Bauplänen aus Teheran und wägt seine Worte wohlweislich ab, bevor er sagt: „Es ist schon etwas Besonderes, dass die Gedanken eines Menschen zu Lebzeiten auf diese Weise Früchte tragen.“ In der Tat ist es alles andere als gewöhnlich, dass jemand das Angebot bekommt, ein Projekt zu steuern, dem offenbar keine Grenzen gesetzt sind, „auch keine finanziellen“. Genauso sei es 2008 gewesen, als ihn Bürgermeister Ghalibaf gebeten habe, das hannoversche INI für den Iran kopieren zu dürfen. Teams von Architekten, Konstrukteuren und IT-Experten gingen seinerzeit wochenlang in der Hirnklinik in Groß-Buchholz ein und aus, um jede Etage bis in den letzten Winkel zu vermessen und das hochkomplexe Innenleben des Gebäudes bis ins Details zu erkunden.

Maßgabe Samiis war, dass die Teheraner Hirnklinik - ebenso wie das im Expo-Jahr 2000 an den Start gegangene hannoversche Vorbild - auch ein interdisziplinäres Forschungszentrum wird. Ziel sei es, Diagnose- und Therapiemethoden durch flankierende Forschungsprojekte stetig zu verbessern, erklärt der Professor. Er sieht das Iran-INI auch als Bestätigung dafür, dass sein in Hannover begründetes Konzept ein „erfolgreiches Exportmodell“ ist. Das hiesige INI gilt als innovative Hirnklink, die ihren Ruf weit über die deutschen Grenzen hinaus begründet hat - die Hälfte der jährlich rund 1500 Patienten, die in dem 124-Betten-Haus behandelt werden, kommt aus dem Ausland. Auch Kranke mit schwersten Komplikationen gehören dazu - ganz gleich, ob es sich um Hirntumore handelt, um Rückenmarksverletzungen, Missbildungen oder Lähmungen im zentralen Nervensystem.

Der Grundstein für das INI in Teheran wurde bereits im April 2010 gelegt. Dass es erst jetzt eröffnet wird, hat einen Grund: „Es ist im Laufe der Planungen einfach immer mehr gewachsen“, sagt Prof. Amir Samii. Der 45-Jährige, Neurochirurg wie sein Vater und Vizepräsident des INI Hannover, hat die Entstehung des Komplexes in Teheran begleitet und ist wie Samii senior regelmäßig vor Ort. Zur Ausstattung gehören nun unter anderem 14 hochmoderne Operationssäle, 80 Untersuchungsräume in der Ambulanz sowie eine 1200 Quadratmeter große Abteilung mit nuklearmedizinischen Diagnosegeräten und Bestrahlungseinheiten zur Behandlung von Tumoren. Hinzu kommen Labore und Hörsäle für Studenten. Zwar gebe es im Iran grundsätzlich eine ausreichende Versorgung mit Neurochirurgen, sagt Samii junior. „Aber in der Technologie besteht ein deutlicher Nachholbedarf.“

Betrieben wird das Iran-INI in Kooperation mit der Teheran University of Medical Sciences. 20 der dort tätigen Mediziner waren bereits am hannoverschen INI zu Gast, um ihre künftigen Aufgaben besser kennenzulernen. Schritt für Schritt würden weitere iranische Kollegen fortgebildet, erklärt Samii junior. Auf diese Weise werde ein wissenschaftliches Netzwerk aufgebaut, von dem die Neurochirurgen in Teheran ebenso profitieren könnten wie die in Hannover. Allein die Datenmenge wäre ergiebig: Perspektivisch sollten „mehr als 10 000 Patienten pro Jahr“ im Teheraner INI behandelt werden.

Samii senior legt großen Wert darauf, dass trotz des großzügigen Angebots von Bürgermeister Ghalibaf kein staatliches Geld im Iran-INI steckt. Und auch kein Geld eines privaten Investors. „Keiner soll bei dem Projekt seine Eigeninteressen durchsetzen, weder politisch noch wirtschaftlich“, betont er. „Das war für mich eine Grundbedingung.“ Bereits 2009 gründete er in Teheran darum die Madjid-Samii-Stiftung für medizinische Forschung, die von iranischen Ärzten und seinen ehemaligen Schülern aufgebaut wurde. Allein aus dem Stiftungsvermögen und aus Spenden sei die für das INI in Teheran notwendige Summe zusammenkommen, betont der weltweit bestens vernetzte Mediziner.

Der Zeitpunkt für die INI-Eröffnung könne günstiger nicht sein, meint Samii. Nach der politischen Wende im Iran seien „die Türen für alle wieder offen“. Da passt es gut, dass Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil gerade im Land ist, um wirtschaftliche Kontakte zu knüpfen. Er wird auch einer der Gäste bei der morgigen Eröffnung des INI sein. Die Zeremonie findet im Rahmen des Weltkongresses der Neurochirurgie an einer ganz besonderen Stelle statt: in 435 Metern Höhe auf dem Milad Tower, dem größten Turm Teherans und Wahrzeichen der Stadt. Doch es geht ja auch um ein ganz besonderes Projekt.

Weil führt Delegation an: Nach dem Ende der internationalen Handelsbarrieren ist Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD) der erste deutsche Ministerpräsident, der im Iran für neue Geschäftsbeziehungen werben will. Weil flog gestern Nachmittag nach Teheran. Begleitet wird er auf seiner fünftägigen Visite von einer knapp 30-köpfigen Delegation, die aus Vertretern von Wirtschaft, Wissenschaft und Medien besteht. „Dass der Iran für die niedersächsische Wirtschaft mit großen Chancen verbunden ist, ist ja unbestritten“, sagt Weil vor der Abreise. Er wolle während seines Besuchs im Iran „viel kennenlernen, Türen öffnen, gute Gespräche führen“.

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