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Aus der Stadt „Ich danke Gott, dass ich das überlebt habe“
Hannover Aus der Stadt „Ich danke Gott, dass ich das überlebt habe“
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00:17 18.09.2015
Von Michael Zgoll
Auf der Anklagebank in vorderer Reihe sitzen (v.l.): Artur K. mit seinem Verteidiger Holger Nitz, Rechtsanwalt Manfred Döbel mit seinem Mandanten Klaudio L., Anwalt Ernst-Otto Nolte und Verteidigerin Tanja Brettschneider. Der Angeklagte Tim O. verdeckt sein Gesicht mit einem Aktendeckel, neben ihm sitzt Frank W.      Quelle: Zgoll
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Hannover

Die Frau, die an einem Sonnabend im März dieses Jahres im Sahlkamp gefesselt, kopfüber aufgehängt und von mehreren Männern geschlagen und missbraucht wurde, hat am Dienstag ausgesagt. Ihre Vernehmung vor der 19. Großen Strafkammer des Landgerichts dauerte fünf Stunden. Die 50-Jährige kämpfte gelegentlich mit den Tränen, las einigen Angeklagten aber auch öffentlich die Leviten. Wie ein „Schwein in der Schlachterei“ habe sie sich gefühlt, als sie in der Wohnung von Frank W. an einer Reckstange gehangen habe – nackt, mit einem Knebel im Mund und einem Tuch über dem Gesicht. Die vier Männer entschuldigten sich bei dem Opfer. Drei Angeklagte müssen sich wegen schwerer, gemeinschaftlicher Vergewaltigung verantworten, der vierte wegen unterlassener Hilfeleistung.

Die Zeugin, die früher als Pflegehelferin gearbeitet hat, machte nicht den Eindruck, dass sie die teilweise geständigen Männer um jeden Preis ans Messer liefern will. Zu dem 55-jährigen „Franky“ hatte sie vor der Tat eine Beziehung, in der sie sich ein Stück weit als seine Beschützerin fühlte; diese fürsorglichen Gefühle für den Alkoholiker flackerten sogar am Dienstag wieder auf. Dass der Mann 1997 eine Frau ermordet hatte, verschwieg der 2008 aus der Haft entlassene W. der Pflegehelferin. Stattdessen erzählte er ihr, dass er seinen Schwager umgebracht hätte, weil dieser eine Frau missbraucht habe.

Noch am Vorabend der Tat, so die 50-Jährige, sei alles „normal“ gewesen. Frank W. und der Mitangeklagte Tim O. (26) hätten sie von einem Freund abgeholt, mit dem es „Stress“ gab. Dann habe man in dem Sahlkämper Hochhaus getrunken und getanzt, auch habe ihr O. auf seinem Handy Pornobilder gezeigt.

Am Sonnabendabend war die Situation ähnlich, nur dass hier noch Klaudio L. (39) und Artur K. (42) dabei waren. Die Pfefferspray-Attacke, die die Vergewaltigung einleitete, kam laut Aussage der Frau aus heiterem Himmel. Dass Frank W. sie mit Kabelschnüren gefesselt hatte, war ihr noch gegenwärtig; wer sich dann wie an ihr verging, vermochte die Deutsche mit polnischen Wurzeln aber nicht in jedem abscheulichen Detail zuzuordnen. In Tränen brach die gelegentlich schwer verständliche Zeugin aus, als sie sich an rassistische Sprüche eines Täters – gepaart mit Beschimpfungen ihrer Tochter – erinnerte. Diese Tochter war zur Tatzeit schwanger, verlor aber wenig später ihr Kind.

Die vier Verteidiger wiesen auf kleinere Unstimmigkeiten im Vergleich zu früheren Vernehmungen des Opfers hin: Wurde die Frau zunächst auf einem Sofa misshandelt oder gleich an der Reckstange aufgehängt? Baumelte sie an einem Bein oder an beiden? Auf jeden Fall verspürte sie Atemnot und Todesangst: „Ich danke Gott, dass ich das überlebt habe.“ Das Urteil wird Freitag erwartet.     

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