Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
"Ich hatte nie Probleme, weil ich Polin bin"

Hannover Messe "Ich hatte nie Probleme, weil ich Polin bin"

Polen ist Partnerland der Hannover Messe, aber in welchem Verhältnis steht das Land eigentlich zu Deutschland? Alicja Iburg, die Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hannover, spricht über gelungene Integration und Aberglauben.

Voriger Artikel
Was bringt die Anwohnerbeteiligung bei Sanierungen?
Nächster Artikel
Obama in Hannover – erinnern Sie sich noch?

„Die Beziehungen beider Länder sind nie eingeschlafen“: Alicja Iburg, Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Frau Iburg, Polen ist in diesem Jahr das Partnerland der Hannover Messe. Was muss man unbedingt über Ihr Land wissen?

Da gibt es vieles. Zum Beispiel haben wir Polen einen ganz speziellen Humor und lachen viel. Und wir sind abergläubisch: Man stellt zum Beispiel die Handtasche nie auf den Boden – weil das Geld dann verloren geht.

In Hannover leben mehr als 8000 Polen. Sie sind nach den Türken die zweitgrößte ausländische Bevölkerungsgruppe. Wie leben Polen und Deutsche zusammen?

Aus meiner Sicht funktioniert das Zusammenleben sehr gut. Ich bin seit 30 Jahren in Hannover und hatte nie irgendwelche Probleme, weil ich Polin bin. Aber man wird zeitweise schon mit einer gewissen Ignoranz und Unwissenheit konfrontiert. Das ist manchmal absurd. Als ich einmal eine Reise nach Posen organisiert habe, wurde ich gefragt, ob es da überhaupt einen Bahnhof gibt. Das sind schon seltsame Ansichten und Kleinigkeiten, die aber bei mir das Bedürfnis wecken, den Menschen zu zeigen, wie Polen ist.

Was genau tun Sie dafür?

Ich organisiere mit den Mitgliedern der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Reisen – nach Krakau, Posen oder Breslau. Das Interesse ist so groß, dass ich auch für nächstes Jahr wieder für eine Fahrt angefragt worden bin. Und ich stelle fest, dass die Teilnehmer Polen wirklich kennenlernen wollen. Sie wollen nicht nur von Kirche zu Kirche gehen, sondern das Land aus dem Blickwinkel der Einheimischen sehen, Menschen treffen und möglichst original essen.

Zur Person

Alicja Iburg wurde 1946 in der polnischen Stadt Poznan (Posen) geboren. 1986 kam sie durch einen Austausch zwischen Chören aus ihrer Geburtstadt und Hannover nach Deutschland, sie lernte ihren heutigen Mann kennen und lebt seitdem in der niedersächsischen Landeshauptstadt.

Iburg engagiert sich für die deutsch-polnischen Beziehungen. Seit 2003 ist sie im Vorstand der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hannover.

Und umgekehrt: Sind Ihre Landsleute in Hannover integriert?

Die Polen, die ich kenne, haben sich sehr schnell integriert und fühlen sich wohl. Sie sprechen die Sprache und interessieren sich für die Kultur. Ich kenne auch viele gemischte Paare und Kinder, die zweisprachig aufwachsen.

Seit 1979 besteht die Städtepartnerschaft zwischen Hannover und dem polnischen Posen, im gleichen Jahr wurde die Deutsch-Polnische Gesellschaft gegründet. Wie lebendig sind Ihrer Ansicht nach die deutsch-polnischen Beziehungen heute noch?

Sehr lebendig. Nehmen Sie den 8. Mai zum Beispiel. Alle zwei Jahre treffen sich junge Polen und Deutsche an der Gedenkstätte am Maschsee, um gemeinsam an die ermordeten Zwangsarbeiter zu erinnern – auch in diesem Jahr. Es gibt außerdem Austauschprogramme zwischen Schulen und Sportvereinen. Die Beziehungen beider Länder sind nie eingeschlafen. Die Kontakte bestehen, allerdings werden sie mal intensiver, mal weniger intensiv gepflegt.

Müssen Sie trotzdem gegen Vorurteile kämpfen?

Nein, eigentlich nicht. Noch vor ein paar Jahren waren die Polen diejenigen, die Autos klauen und gute Handwerker sind. Jetzt habe ich sogar das Gefühl, dass die Deutschen interessierter und besorgter sind, seitdem sich die politische Lage nach der Wahl in Polen so zum Negativen verändert hat. Viele fragen sich, in welche Richtung es mit dem Land weitergeht. Statt Ablehnung höre ich häufiger „hoffentlich schaffen unsere Freunde in Polen das“.

Was bedeutet es für Sie, dass Ihre Ministerpräsidentin Beata Szydlo gerade in Hannover ist und die Messe eröffnet?

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich das kalt lässt. Für mich hat Szydlo auch leider nicht das Format, das man sich für einen Politiker wünscht. Und da bin ich nicht die Einzige. Ich habe viele Freunde, die unsere Regierung sehr kritisch sehen. Die Ministerin heißt bei vielen nur „broszka“, also Brosche. Weil sie nur ein Anhängsel von Jaroslaw Kaczynski, dem ehemaligen Ministerpräsidenten und Vorsitzenden der konservativen Partei PiS, ist. Werden Sie die Hannover Messe besuchen? Nein, ich habe ja nichts zu verkaufen.

1. Polnische Tänze, Trachten und Volkslieder bringt die Folkloregruppe Polonia nach Hannover.

2. Deftige polnische Wurst, original Pierogi und andere gut schmeckende Spezialitäten gibt es bei Lukullus in Misburg (Hannoversche Straße 126) oder bei Polnische Feinkost  mak (Engelbosteler Damm 3).

3. Zeitungen und Zeitschriften aus dem Nachbarland verkauft die Polnische Katholische Mission (Stilleweg 12b). Dort werden auch Messen in polnischer Sprache gelesen.

4. Um polnische Literatur, Politik und Musik geht es beim Stammtisch der Deutsch-Polnischen Gesellschaft jeden ersten Montag im Monat ab 17.30 Uhr im Café Lohengrin (Sedanstraße 35).

5. Der DJK Sport Club Polonia Hannover in Herrenhausen ist einer der größten polnischen Sportvereine in ganz Deutschland.

Interview: Linda Tonn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Anfang Juli heiratete Ernst August Erbprinz von Hannover Ekaterina Malysheva. Auf unserer Themenseite finden Sie Bilder, Videos und Berichte zur Promi-Hochzeit des Jahres in Hannover.

Die Partybilder vom letzten Freitag auf dem Maschseefest 2017

Maschseefest am Freitag: Ein letztes Mal können Besucher an diesem Wochenende am Nordufer, der Löwenbastion oder auch bei "Gilde-Parkbühne goes Maschseefest" feiern. Die besten Partybilder.