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„Ich wollte, dass Hannover aufsteht“

Anti-Pegida-Aktion "Licht aus" „Ich wollte, dass Hannover aufsteht“

Jennifer Löffler hatte vor einem Jahr die Idee zur "Licht aus"-Aktion gegen die Pegida-Bewegung in Hannover. Hat sie etwas gebracht? "Jein", sagt Löffler.

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Engagiert sich gegen islamfeindliche Haltungen: Jennifer Löffler.

Quelle: Michael Wallmueller

Hannover. Der sanfte Typ ist Jennifer Löffler eher nicht. Wer mit ihr spricht, muss sich auf Gegenrede einstellen, darauf, dass sie viel zu kritisieren hat und mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg hält. Doch sie sagt auch über sich: „Hunde, die bellen, beißen nicht.“ Und so gibt es in ihrer Küche in Linden-Süd zwar manches darüber zu hören, was in Hannover und Deutschland schiefläuft, dennoch ist es bei ihr ganz gemütlich. Und einen Kaffee gibt es auch.

Vor gut einem Jahr fand Jennifer Löffler die politische Situation in Deutschland allerdings alles andere als gemütlich. Zu der Zeit, als Pegida und Hagida, der örtliche Ableger der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, besonders populär waren, dachte sie: Es passiert nicht wirklich etwas gegen diese Leute. Löffler wollte, „dass Hannover aufsteht“, sagt sie heute. Über Facebook rief sie zur hannoverschen „Licht aus“-Protestveranstaltung gegen die Islamfeinde auf. Bereits ein paar Tage nach Start der Aktion in den sozialen Netzwerken hatte sie das Gefühl, „dass das ein ganz großes Ding wird“.

Zu Recht. Letztlich gingen am 12. Januar 2015 nach Veranstalterangaben an die 19 000 Hannoveraner auf die Straße. Zahlreiche Geschäfte und Institutionen beteiligten sich am selben Tag an der „Licht aus“-Aktion gegen Rassisten und für Toleranz. Das Motto der Demonstration lautete „Bunt statt braun“, und kaum einer, der in der Stadt politisch etwas auf sich hält, wollte an diesem Abend fehlen. Vereine, Gewerkschaften, Parteien, Kirchen - sie alle waren dabei. Oberbürgermeister Stefan Schostok, Ministerpräsident Stephan Weil und weitere Prominente hielten Reden. „Licht aus“-Ideengeberin Jennifer Löffler, die mit Parteipolitik wenig am Hut hat, spielte zu dem Zeitpunkt keine ganz große Rolle mehr. „Der Abend war ein Gänsehauterlebnis, ich war total geflasht“, sagt sie. In der Arbeit mit Gewerkschaftern und Politprofis habe sie viel gelernt. Ob das eher positiv oder negativ war, lässt sie offen. Sie sei im Rückblick einfach stolz, dass so viele Hannoveraner vor einem Jahr auf die Straße gegangen sind.

Haben die Aktionen über den Moment, über den Protestabend hinaus etwas bewirkt? „Jein“, sagt Löffler, „die Leute sind etwas sensibler geworden.“ Für islamfeindliche Gruppierungen und Äußerungen gibt es durchaus Gegenwind. Doch die gebürtige Wendländerin findet es erschreckend, wie unverhohlen rassistisch sich viele Menschen in sozialen Netzwerken äußern - „und das oft unter ihrem Klarnamen“.

Jennifer Löffler verfolgt die sozialen und politischen Entwicklungen genau. Aufgrund ihrer Erkrankung, sie ist Epileptikerin, ist sie jetzt berufsunfähig, doch sie engagiert sich weiterhin, auch für Flüchtlinge. „Ich beobachte, und wenn ich etwas tun kann, dann tue ich das“, sagt sie. Zurzeit versucht sie, eine Ausstellung des Fotografen Martin Gommel zu organisieren. Gommel arbeitet schon länger an einem Fotoprojekt über Flüchtlinge - erkennbar nicht distanziert, sondern engagiert. Wie Jennifer Löffler.

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