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Aus der Stadt Ideen und Visionen: Wohin steuert die Region?
Hannover Aus der Stadt Ideen und Visionen: Wohin steuert die Region?
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00:15 06.06.2013
Von Conrad von Meding
Überall spielt Mobilität im öffentlichen Raum eine zunehmend wichtige Rolle, soll aber – wenn es nach den Wünschen der Diskussionsteilnehmer geht – auch nicht die Lebensqualität beeinträchtigen. Quelle: Region Hannover
Hannover

Dem Bund war diese Art der zweijährigen Bürgerbeteiligung so wertvoll, dass er das „Zukunftsbild“ als „Pilotprojekt nationaler Stadtentwicklungspolitik“ geadelt hat. Am Mittwoch werden die Ergebnisse erstmals öffentlich präsentiert.

Eigentlich geht es um etwas ziemlich Dröges. Das Regionale Raumordnungsprogramm muss mal wieder aufgestellt werden, eine Art Langzeitplan für die Entwicklung der Region. Normalerweise lockt so etwas niemanden hinterm Ofen hervor – bis dann irgendwann Bürger feststellen, dass an ihrem Dorfrand ein Windpark oder ein Gewerbegebiet entsteht und dass die Weichen dafür vor Jahren mit eben jenem Raumordnungsprogramm gestellt wurden. Dann ist der Ärger immer groß, weil irgendwie keiner etwas davon gewusst haben will. Deshalb versuchen Regionspolitik und -verwaltung jetzt, interessierte Bürger frühzeitig einzubinden.

Im Herbst war Auftakt zu Dutzenden Veranstaltungen, in denen „normale Bürger“, aber durchaus auch Verbands- und Interessenvertreter gemeinsam um Antworten gerungen haben. Denn meist liegen die Probleme in ganz lebenspraktischen Widersprüchen. Viele Familien wollen ein Haus im Grünen, aber zugleich will niemand zersiedelte Dorfränder, weil alle dem alten Dorfidyll anhängen. Die meisten Regionsbewohner wollen möglichst wohnortnah einkaufen, aber kaum noch jemand besorgt sich seine Lebensmittel im Tante-Emma-Laden um die Ecke. Alle wollen Strom verbrauchen, aber niemand will ein Atomkraftwerk oder auch einen Windpark vor der Nase.

Die Resonanz hat sogar Fachleute überrascht: Etwa 800 Regionsbewohner haben bei Exkursionen, Workshops und Diskussionen am „Zukunftsbild“ der Region mitgewirkt, und fast 11 .000 haben das Angebot genutzt, Fragestellungen zur Entwicklung der Region im Internet zu kommentieren.

Bei den Debatten jedoch durfte es zuweilen auch darum gehen, infrage zu stellen, ob die angeblichen Probleme eigentlich wirklich welche sind. So hat beim Dialogforum zur Energiewende ein Jugendlicher provokant gefragt, ob die angebliche „Verspargelung“ der Landschaft durch Windenergieanlagen nicht „die Sichtweise der älteren Generation und damit ein Generationenproblem?“ sei. Schüler aus Ronnenberg, die sich mit dem Thema beschäftigt haben, werden morgen bei der Debatte auf dem Podium sein.

Und auch Sigmar Tacke wird sich zu Wort melden, der in Fuhrberg mit viel Bürgerengagement einen Frischmarkt aufgebaut hat, nachdem es dort zehn Jahre lang keine Einkaufsgelegenheit mehr gab. Er wird möglicherweise die Harmonie etwas stören, wenn er sagt, dass „in Politik und Verwaltungen unglaublich viel geredet wird“ und es das beste sei, wenn „Bürger die Probleme anpacken und lösen“. Es könnte also eine spannende Diskussion werden.

Die Region hat jetzt aus den Diskussionen der einzelnen Themenforen sieben Kollagen erarbeiten lassen, die die Spannweite der Vorschläge und damit gewissermaßen einen Teil des „Zukunftsbilds“ darstellen. Zudem hat sie im April eine fast 100-seitige, farbenfrohe Broschüre zum bisherigen Diskussionsstand erstellt, die in zahlreichen Verwaltungen kostenlos erhältlich ist („Bürgerbeteiligung zum Zukunftsbild der Region Hannover 2025“).

Der Diskussionsprozess soll auch nach der Fertigstellung der „Zukunftsbilder“ nicht abgeschlossen sein, verspricht der zuständige Planungsdezernent Prof. Axel Priebs. Im Internet unter www.hannover.de/zukunftsbild können Interessierte auch nach dem Abend noch Kommentare abgeben. Und bis 2015 diskutieren dann die gewählten Kommunalpolitiker über das Regionale Raumordnungsprogramm, das die Entwicklungslinien der Region bis 2025 festlegen soll.

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