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„Jetzt ist alle Hoffnung verloren“

Ihme-Zentrum „Jetzt ist alle Hoffnung verloren“

Stundenlang tagte am Dienstag die Eigentümergemeinschaft des Ihme-Zentrums. Die Öffentlichkeit war ausgeschlossen. Gegenüber der HAZ berichteten Teilnehmer aber, dass der Haupteigentümer erneut keine Anstalten machte zu erklären, wie er sich die Zukunft des Siebzigerjahre-Komplexes vorstellt.

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Idyllische Lage am Flussufer - doch im Inneren wächst bei den Wohnungseigentümern die Furcht vor Stillstand: Das Ihme-Zentrum in der Abenddämmerung.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Die Eigentümergemeinschaft des Ihme-Zentrums erlebte am Dienstag ein Wechselbad der Gefühle. Sie hat am Abend beschlossen, dass der Verwalter mit der Notsanierung der Immobilie beginnen darf. Ein Budget von 50 Millionen Euro habe er dafür zur Verfügung. Ob es dazu kommt, ist aber unklar: Der Haupteigentümer aus Berlin, die Projekt Steglitzer Kreisel GmbH (PSK), war mit einem Stimmausschluss belegt und äußerte sich nicht zu dem Vorhaben. Sie kann den Beschluss im Nachhinein anfechten. Und sie verweigerte später ihre Zustimmung bei einem viel billigeren Projekt: die Anhebung der Umlage für die notwendige Sanierung von Dächern. Im Saal herrschte blankes Entsetzen.

„Ich bin total auf 180“, sagte Jürgen Oppermann, Vorsitzender aller Verwaltungsbeiräte im Ihme-Zentrum. „Die wollen hier angeblich 200 Millionen investieren, können sich aber nicht einmal ihren Anteil an 400 000 Euro für Dachsanierungen leisten.“ Für ihn war damit klar: „Das Abstimmungsverhalten in der Versammlung ist das Gegenteil zu den Beteuerungen, sie wollten investieren - damit ist jetzt alle Hoffnung verloren.“

Seit der Zwangsversteigerung im April 2015 sind die Berliner mit 83 Prozent Mehrheitseigentümer in der Problemimmobilie. Sie haben aber keine sichtbaren Anstalten unternommen, den ruinösen Zustand ihrer Gewerbeanteile im Gebäude zu verbessern oder zumindest schlüssige Konzepte erarbeiten zu lassen. Den Wohnungseigentümern reicht es jetzt. Sie berufen sich auf einen Beschluss von 2006 vor Beginn der Sanierung. Dieser sah die Wiederherstellung des gemeinschaftlichen Eigentums vor für den Fall, dass die damals geplante Sanierung scheitert. Oppermann gab sich kämpferisch: „Wir werden die Wiederherstellung im Zweifelsfall gerichtlich einklagen. Wenn ein Richter daran zweifelt, dass hier etwas passieren muss, dann braucht er nur mit dem Rad vorbeizukommen und kann gucken.“

Stundenlang tagte am Dienstag die Eigentümerversammlung im ehemaligen Gasbehälter der Stadtwerke am gegenüberliegenden Ihme-Ufer. Die Öffentlichkeit war ausgeschlossen. Gegenüber der HAZ berichteten Teilnehmer, dass der Haupteigentümer erneut keine Anstalten machte zu erklären, wie er sich die Zukunft des Siebzigerjahre-Komplexes vorstellt. Nach der von einer Tochter des US-Unternehmens Carlyle begonnenen Sanierung, die in einer Insolvenz endete, befinden sich weite Teile des Gewerbeareals in einem ruinösen Zustand.

Quadratisch, unpraktisch, hässlich: Unser Fotograf Philipp von Ditfurth hat die Bausünde Ihme-Zentrum aus verschiedenen Blickwinkel für HAZ.de fotografiert.

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Die Versammlung wollte am späten Abend in einem zweiten Schritt beschließen, eine Sonderumlage bei den Gewerbeeigentümern einzufordern, mit denen die 50 Millionen Euro teure Wiederherstellung von Wegen, Dächern und vor allem Fassaden bezahlt werden soll. Dazu verweigerte die Mehrheitseignerin PSK ihre Zustimmung. Jetzt gibt es einen anderen Beschluss: Eine Wohnungseigentümerin wurde ermächtigt, die Wiederherstellung einzuklagen.

Mit den Beschlüssen gehen die Wohnungsbesitzer auf Konfrontationskurs zum Mehrheitseigentümer. „Wenn er schon mit geringen Summen Probleme hat, dann ist er sowieso nicht der richtige fürs Ihme-Zentrum“, sagte ein Eigentümer in einer Versammlungspause, „hier sind inzwischen ganz andere Summen nötig.“

Ultimatum der Stadt läuft

Etwa 700 Beschäftigte der Stadt arbeiten im Ihme-Zentrum, hinzu kommen Hunderte Beschäftigte der Stadtwerke. Auch in den Spitzen der beiden Verwaltungen wächst die Ungeduld mit dem Investor angesichts der Tatenlosigkeit. Beide haben Ultimaten gestellt: Wenn bis Jahresende kein schlüssiges Konzept für die Revitalisierung des Ihme-Zentrums vorliegt, wollen Stadt und Stadtwerke ihre Mietverträge kündigen. Dem Haupteigentümer würden dann die Einnahmen fehlen, die das Projekt derzeit noch lukrativ für ihn machen.

16,5 Millionen Euro hat die Projektgesellschaft Steglitzer Kreisel (PSK), hinter der der israelische Geschäftsmann Amir Dayan steckt, bei der Zwangsversteigerung Anfang 2015 für 83 Prozent des Ihme-Zentrums gezahlt. Ihm gehören fast alle Gewerbeareale, Parkplätze und einige Hundert Wohnungen. Im August gab er bekannt, dass er das hannoversche Architekturbüro Schulze & Partner mit der Planung einer Fassadensanierung beauftragt habe – mehr ist bisher nicht passiert.

Ob eine Einstufung des Ihme-Zentrums als städtebauliches Sanierungsgebiet hilft, wie zuletzt in Linden gefordert, da sind Zweifel weit verbreitet. Gestern Abend referierten in der Versammlung Stadtmitarbeiter dazu, allerdings sahen kaum eine Perspektive darin.

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