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Aus der Stadt Ihme-Zentrum: Mieter erheben schwere Vorwürfe gegen Investor
Hannover Aus der Stadt Ihme-Zentrum: Mieter erheben schwere Vorwürfe gegen Investor
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00:35 21.03.2018
Sie berichten über schlechte Erfahrungen mit dem Investor Inwtown: Regina Passow, Tobias Scholz und Maik Schoefer. Quelle: Wilde
Hannover

 Angst und bange werde ihr, wenn sie von den Erfahrungen von Bewohnern aus Schwerin oder Dortmund mit dem Vermieter Intown höre. So fasst eine Besucherin die Veranstaltung „Intown – Investor oder Spekulant“ zusammen, zu der das Kulturzentrum Zukunftswerkstatt am Sonnabend im Ihme Zentrum eingeladen hatte. Ein Vertreter des Dortmunder Mietervereins und der einer Schweriner Mieterinitiative hatten zuvor über das Agieren des Investors am Beispiel des Dortmunder Gebäudekomplexes Hannibal 2 und zweier Schweriner Plattenbauwohnblöcke berichtet. Ihr Fazit: Nach dem Kauf der jeweiligen Immobilien habe sich, abgesehen von leeren Versprechungen, an beiden Orten für die Mieter der Wohnungen so gut wie nichts bewegt. Im Gegenteil: Sie hätten jahrelang unter teilweise trostlosen Umständen leben müssen. Sanierungen aller Art, Beseitigungen von teilweise gravierenden Mängeln in den maroden Gebäudekomplexen? Fehlanzeige.

Am schlimmsten traf es, den Worten von Tobias Scholz vom Dortmunder Mieterverein zufolge, den Wohnkomplex Hannibal 2, ein Konvolut von 412 Wohnungen in elf bis 17 Stockwerken hohen Hochhäusern aus den Siebzigerjahren. Nach mehreren Verkäufen, einer Insolvenz und jahrelanger Zwangsverwaltung sei das Gebäude Ende 2011 von dem Unternehmen Lütticher 49 Properties GmbH mit Sitz in Berlin aufgekauft worden, einem Unternehmen, das offenbar eng mit Intown verflochten sei. Schon damals habe der Mieterverein vermutet, dass es sich um ein reines „Spekulations- und Abschreibeobjekt“ handele, sagt Scholz heute. Immer wieder gebe es gravierende Probleme mit den Aufzügen, mit der Heizungsanlage. Am Ende sei gezielt an Geflüchtete vermietet worden, weil diese, „selbst wenn das Klo komplett fehlt“, weder die Sprachkenntnisse noch juristische Kenntnisse hätten, um sich zu wehren. 

„Flucht in die Unbewohnbarkeit“

Im September 2017 sei es zum Super-GAU gekommen. Bei einer außerplanmäßigen Brandschau der Feuerwehr seien zahlreiche Mängel im Brandschutz festgestellt worden. Die Konsequenz: eine komplette Räumung. 753 Menschen hätten aus ihren Wohnungen gemusst und seien von der Stadt in Notunterkünften untergebracht worden. Mehr als zwei Jahre, so schätzt man, wird das Gebäude unbewohnbar bleiben. Intown klage gegen die Stadt, weil die Räumung angeblich nicht gerechtfertigt sei, allerdings strenge die Gesellschaft kein Eilverfahren an, sondern gehe den normalen Klageweg. „Flucht in die Unbewohnbarkeit“ nennt Scholz das – eine weitere Verzögerungstaktik, um in der Zwischenzeit weiter kein Geld für den Baukomplex ausgeben zu müssen.

In Schwerin zeige sich in 1100 Wohnungen von Intown im Mueßer Holz und in Krebsförden ein ähnliches Bild. „Menschenunwürdig“ nennt Maik Schoefer von der Schweriner Mieterinitiative das Leben dort. Heizungsausfälle, kaputte Aufzüge, die Mieter wochenlang in ihre Wohnungen zwängen, Schimmel in den Lüftungsschächten, undichte Dächer, mit der Konsequenz, dass das Wasser in Pfützen in der Wohnung stehe, seien nur einige Beispiele. Schoefer selbst ziehe aus einer der Intown-Plattenbauten aus, nachdem ein toter Nachbar zwei Wochen lang unbemerkt in der Wohnung gelegen habe und Monate später keine Reinigung und Desinfektion der Wohnung erfolgt sei.

Auch hier würden am Ende Geflüchtete als Mieter bevorzugt. Schoefer zeigt Bilder vom Zustand ihrer Wohnungen, Bäder, in denen Linoleum lose auf den Boden gepappt ist, Badewannen, mit Malerresten übersät, Tapeten, die von den Wänden kommen. Die Wohnungen würden zu Hauf ohne Renovierung für 7 Euro Kaltmiete an Flüchtlinge vermietet, die Angst hätten, gegen die Zustände zu protestieren.

„Null Kreativität, über diesen Moloch nachzudenken“

Was bedeutet das für das Ihme-Zentrum? Im Zentrum des Unternehmensinteresses von Intown stünde eindeutig der Erwerb von Eigentumstiteln. Alles andere müsse durch städtische Intervention erzwungen werden, sagt der Berliner Experte für sozialen Wohnungsbau, Andrej Holm, bei der abschließenden Podiumsdiskussion: „Von allein passiert hier ganz offensichtlich nichts.“ Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube zeigte sich allerdings gegenüber dem Gestaltungswillen der Landeshauptstadt skeptisch. Es gebe bei der Stadt „null Kreativität, über diesen Moloch nachzudenken“. Dabei zeichne sich der Stadtteil rund um das Ihme-Zentrum durch sein Engagement für alternative Wohnkonzepte aus. Aber das Ihme-Zentrum sei für die zahlreichen Initiativen des Stadtteils „eine Nummer zu groß“.

Vertreter des Investors Intown waren nach Angaben des Moderators, Stadtentwickler Oliver Kuklinski, ebenfalls zu der hannoverschen Veranstaltung eingeladen. Sie glänzten aber durch Abwesenheit. Auch der in Berlin lebende Verwalter der Wohnungs- und Eigentümergesellschaft des Ihme-Zentrums, Torsten Jaskulski, war bei der Veranstaltung selbst nicht anwesend. Er kenne die Berichte über die Intown-Objekte in Dortmund und Schwerin nur aus den Medien und könne deshalb nicht beurteilen, inwieweit sie zuträfen oder nicht, sagte er gestern der HAZ. Sein Fokus sei allein Hannover – und die Verhältnisse in Linden unterschieden sich in einem zentralen Punkt von denen in den Gebäudekomplexen in Dortmund und Schwerin. „Hier stehen Intown keine Mieter, sondern Eigentümer gegenüber. Das ist eine andere Machtkonstellation.“

Von Jutta Rinas

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