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Aus der Stadt Wer ist der geheimnisvolle Investor aus Berlin?
Hannover Aus der Stadt Wer ist der geheimnisvolle Investor aus Berlin?
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00:15 28.02.2015
Das Ihme-Zentrum ist verkauft. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Am Ende ging alles ganz schnell. Um 11.36 Uhr sagte Hannovers Chefrechtspfleger Klaus-Dieter Hasselhorst laut: „zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten.“ Fragte noch einmal nach einem höheren Gebot, fragte die Gläubiger von der Berliner Bank - und dann war das Ihme-Zentrum verkauft. Mit sofortiger Wirkung, an eine Berliner Gesellschaft, die keiner kennt.

Kommentar

Und jetzt: voranmachen! Ein Kommentar zum Ihme-Zentrum von Conrad von Meding.

In Hannover herrscht seitdem Ratlosigkeit. Soll man jetzt euphorisch sein, weil sich ein Investor gefunden hat? Oder soll man eher Sorgen haben? Der Name der undurchsichtigen Firma, er lautet „Steglitzer Kreisel Berlin Grundstücks-GmbH“, verweist auf eine Problemimmobilie, die in Berlin ziemlich genau den gleichen Ruf hat wie in Hannover das Ihme-Zentrum und das Bredero-Hochhaus. Dass die Firma diesen Namen erst seit Ende Januar trägt und der hagere Mann, der das Gebot abgegeben hat, kein Wort zu den Ambitionen sagen will, macht auch nicht gerade gute Hoffnung.

Immerhin: Geld scheint nicht das zentrale Problem für das Unternehmen mit dem sperrigen Namen zu sein. Fünf Millionen Euro Sicherheitsleistung mussten am Mittwoch sofort bei Gericht hinterlegt werden. Während andere Bieter bei Zwangsversteigerungen meist besondere Bankbürgschaftsschecks vorlegen, haben die Berliner den Millionenbetrag einfach mal vorab aufs Gerichtskonto eingezahlt. Sie müssen sich ihrer Sache sehr sicher gewesen sein - und man ahnt: Hätte es Konkurrenzbieter gegeben, dann hätten sie vielleicht auch mehr geboten. Mussten sie aber nicht: Nur ein anderer Interessent stellte Fragen, ging dann aber raus zum Telefonieren - und ward nicht mehr gesehen.

Erleichterung bei der Landesbank Berlin

Bei der Landesbank Berlin, seit der Pleite im Imperium der US-Fondsgesellschaft Carlyle Hauptgläubigerin des Ihme-Zentrums, herrschte am Mittwoch Erleichterung. Einen deutlich zweistelligen Millionenbetrag hat die Bank in den vergangenen Jahren im Ihme-Zentrum versenkt. Statt fast 50 Millionen Euro Verkehrswert hat die Versteigerung jetzt zwar nur ein Drittel gebracht, und davon gehen noch diverse Kosten ab. Den Klotz am Bein aber sind die Berliner Banker jetzt los. Zuletzt hatte man das Maklerunternehmen Angermann damit beauftragt, für diese Versteigerung einen Käufer zu finden - mit Erfolg. „Die lang erhoffte Revitalisierung kann endlich starten“, kommentierte Landesbanksprecherin Constanze Stempel. In Hannover allerdings waren die Reaktionen am Mittwoch noch zurückhaltender.

Das Ihme-Zentrum wurde versteigert - die Bilder aus dem Amtsgericht.

Oberbürgermeister Stefan Schostok ließ mitteilen, man begrüße, dass es ein Ergebnis gegeben habe und hoffe, dass der Investor „die Bereitschaft zu erheblichen Investitionen mitbringt“. Experten rechnen damit, dass mindestens 200 Millionen Euro in die Problemimmobilie investiert werden müssen. Bei den Stadtwerken, ebenso wie die Stadtverwaltung Großmieterin im Gebäude, wurde Sprecherin Bianca Bartels noch deutlicher. „Wir freuen uns und hoffen, dass dieser Investor ein langfristiges und tragfähiges Sanierungskonzept entwickeln und umsetzen wird.“ Bartels weist aber auch darauf hin, dass der eigene Mietvertrag 2020 ausläuft. Ob man bleibt? „In den zurückliegenden Jahren haben wir mehrfach miterlebt, dass neue Investoren ambitioniert gestartet sind, allerdings ohne ein erfolgreiches Sanierungskonzept“, heißt es bei den Stadtwerken. Ohne irgendetwas zu wissen über „Seriosität und Tragfähigkeit sowie die Wirtschaftlichkeit eines möglichen Konzeptes“ müsse man sich „alle Optionen offen halten, darunter auch die Prüfung des Auszugs“.

Und Bewohner Thomas Ganskow von der Bürgerinitiative Linden und Ihme-Zentrum (BLIZ) fordert, als „vertrauensbildende Maßnahme schnellstmöglich Kontakt zu den Wohnungseigentümern aufzunehmen“. Vom neuen Eigentümer der Gewerbeflächen erwarte man, dass die Hausgelder pünktlich gezahlt werden und ein „Dialog mit der Stadtgesellschaft“ gestartet werde, damit das Ihme-Zentrum aus der Schmuddelecke geholt werde.

Fotograf Philipp von Ditfurth hat das Ihme-Zentrum aus verschiedenen Blickwinkeln fotografiert.

Tatsächlich hat der neue Eigentümer seit Mittwoch sämtliche Pflichten aus dem Eigentum, aber noch keinerlei Rechte, wie Rechtspfleger Hasselhorst erklärte. So müssen die Berliner ab sofort zum Beispiel Grundsteuer zahlen, dürfen aber keinem Mieter den Vertrag kündigen. Zunächst muss das Ergebnis der Zwangsversteigerung öffentlich bekanntgegeben werden, was wahrscheinlich im April passiert. Vermutlich zum 1. Juni darf das Unternehmen dann über 83 Prozent der Großimmobilie verfügen.

Gut beraten sind sie allerdings, wenn sie den Rest des Kaufpreises sofort bezahlen. Auf den Fehlbetrag von 11,5 Millionen Euro berechnet das Gericht vier Prozent Zinsen - immerhin fast eine halbe Million Euro. Dafür könnte man schon ganz schön was bewegen im Ihme-Zentrum.

Berliner Probleme und eine Spur nach Zypern

Wohnungseigentümer und Mieter im Ihme-Zentrum rätseln über den geheimnisvollen Investor aus Berlin. Wer hinter der „Projekt Steglitzer Kreisel Berlin Grundstücks-GmbH“ steckt, ist unklar. Ein Blick ins Handelsregister verrät nur, dass die Gesellschaft 2012 unter dem Namen „Sun Blue Investment III GmbH“ gegründet wurde und seinerzeit einer „Mabronia Limited“ aus Zypern gehörte. Ein halbes Jahr später wurde die Gesellschaft in „Sun Orange Investment GmbH“ umbenannt – erst seit dem 25. Januar 2015 hat sie ihren aktuellen Namen. Neuer Eigentümer ist seit November 2014 eine „Patherola Limited“, die ebenfalls in der zypriotischen Hauptstadt Nikosia sitzt. Als Geschäftsführerin firmiert Efrat Abuav, angeblich eine in Berlin ansässige Israelin. Sie ist in gleicher Funktion bei gut zwei Dutzend Gesellschaften eingetragen.

Der aktuelle Name der Firma gehört zu einer 118 Meter hohen Problemimmobilie in Berlin. Bauskandale ranken sich um das Hochhaus, seit Jahren sind die Büroetagen wegen Asbestgefahr nicht nutzbar. Der Berliner Liegenschaftenfonds bestätigte am Mittwoch gegenüber der HAZ, dass er die Etagen verkaufen will. 14 Interessenten haben bis Ende Januar Gebote abgegeben, die derzeit geprüft werden. Die Firma, die jetzt das Ihme-Zentrum erworben hat, dürfte dazu gehören. Sie gehört nach Angaben von Christian Schön vom Maklerbüro Angermann zur Newtown Gruppe, einer privaten Investorengesellschaft aus Berlin, die bundesweit 6500 Wohnungen und 600 .000 Quadratmeter Gewerbeflächen betreut.

jen/med

Von Conrad von Meding
und Jens Heitmann

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