Bei diesem Gerät handelt es sich um eine Art Mikroskop für gynäkologische Untersuchungen. Damit kann bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch eine erste behutsame gynäkologische Untersuchung vorgenommen werden.
Die Spende der Kroschke Stiftung, die sich auf den Kinderschutz spezialisiert hat, umfasst darüber hinaus ein ganzes Paket, das in den Jahren 2008 und 2009 finanziert worden ist. Dazu zählt auch der zweimonatige Aufenthalt von fünf Fachärzten des Kinderkrankenhauses auf der Bult und einer Gynäkologin des Klinikums Nordstadt im weltweit größten Kinderkrankenhaus, im Children’s Hospital Boston in den USA. Dort hatte Chefarzt Marc Laufer bereits vor 20 Jahren eine kindergynäkologische Abteilung aufgebaut. In dessen Klinik wurden die hannoverschen Ärzte kinderpsychologisch und kindergynäkologisch weitergebildet. „Wir haben viele Tipps und Anregungen erhalten“, sagte die Kinderchirurgin Susanna Uhlarik, die mit ihrem Kollegen Michael Domanetzki in Boston geschult wurde. „Vom Aufbau der Gesprächsführung bis zum gesamten Spektrum möglicher Krankheiten konnten wir Einblick nehmen.“ Der Kontakt zur weltweit größten Kinderklinik soll auch in Zukunft gepflegt werden.
Mithilfe des neu angeschafften Kolposkops, an das eine Kamera angeschlossen werden kann, können Verletzungen von Kindern fotografisch auch gut dokumentiert werden, um ihnen weitere belastende Untersuchungen zu ersparen. „Das ist ein großer Fortschritt für den Kinderschutz“, sagte Thorsten Wygold, Chefarzt und Koordinator der Arbeitsgruppe Kinderschutz auf der Bult. Am Beispiel spezieller Puppen werden den Kindern die Untersuchungen vorher erklärt – und damit auch die Ängste genommen.
Das 14.000 Euro teure Untersuchungsinstrument soll aber nicht ausschließlich bei der Untersuchung von Missbrauchsopfern zum Einsatz kommen. Damit können auch vaginale Fehlbildungen, Fremdkörper und gynäkologische Erkrankungen von Mädchen und Jugendlichen erkannt werden. „Die Kindergynäkologie ist hierzulande bisher vernachlässigt worden“, sagte Wygold weiter. Kinderärzte hätten mit solchen Erkrankungen nur wenig zu tun, und viele junge Mädchen trauten sich nicht, einen Gynäkologen aufzusuchen. In diesem Bereich kooperiert das Kinderkrankenhaus jetzt mit der Gynäkologie des Klinikums Nordstadt. „In der kinder- und jugendpsychiatrischen Tagesklinik haben wir immer wieder Fälle von pubertierenden Jugendlichen, die unter nicht klar definierten Bauchschmerzen leiden“, begründete Wygold die Zusammenarbeit.
Engmaschiges Netzwerk
Das Kinderkrankenhaus auf der Bult ist seit März 2008 eins von vier „Koordinierungszentren Kinderschutz“ in Niedersachsen, die bis 2012 von der Landesregierung gefördert werden. Die weiteren Standorte sind Braunschweig, Oldenburg und Lüneburg. In der Region Hannover arbeiten die kommunalen Jugendämter, Kindertagesstätten, Schulen, Ärzte, Krankenhäuser, Polizei, das Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover und das Familiengericht engmaschig zusammen. Sie bilden auch den „Runden Tisch Kinderschutz in Hannover“.
Das Koordinierungszentrum erhält jährlich rund 200 Anfragen zu Fällen von sexuellem Missbrauch mit der Bitte um Abklärung, erläutert Thorsten Wygold, Chefarzt und Koordinator der Arbeitsgruppe Kinderschutz, die im Kinderkrankenhaus auf der Bult bereits seit vier Jahren besteht. Bei einem Drittel der gemeldeten Fälle werde der Missbrauch nachgewiesen. „Bis vor ein paar Jahren waren es nur rund 50 Fälle, die bei uns angezeigt wurden. Das heißt aber nicht, dass die Missbrauchsfälle sprunghaft angestiegen sind“, erläutert Wygold. Vielmehr habe die Bereitschaft von Nachbarn, Ärzten oder Erzieherinnen zugenommen, Fälle von Missbrauch, Kindesmisshandlung oder Vernachlässigung anzuzeigen.
Bei zwei hauptamtlichen Projektkoordinatorinnen, die ihr Büro im Kinderkrankenhaus auf der Bult haben, laufen alle Fäden zusammen – von der Früherkennung durch einen niedergelassenen Arzt über die Betreuung des Kindes bis hin zur verpflichtenden Fallberatung. Das Kinderschutzzentrum arbeitet nach verbindlich festgelegten Verfahren und Handlungsanleitungen.
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