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Aus der Stadt Großinvestor verspricht: „Im Ihme-Zentrum geht es voran“
Hannover Aus der Stadt Großinvestor verspricht: „Im Ihme-Zentrum geht es voran“
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00:30 22.03.2018
Verfügt über die meisten Flächen im Ihme-Zentrum: Sascha Hettrich, Chef der Berliner Intown.   Quelle: Foto: Meding
Hannover

Am Wochenende hatte der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum bei einer öffentlichen Veranstaltung den Eindruck erweckt, das Immobilienunternehmen lasse Gebäudekomplexe etwa in Dortmund und Schwerin vergammeln. Richtig sei, dass es dort Probleme gebe, sagt Hettrich. Weil es bei derartigen Veranstaltungen aber offenkundig mehr um Stimmungsmache gehe als um Aufklärung, habe man kein Interesse, sich an solchen Runden zu beteiligen.

Intown kauft in großem Stil Immobilien mit starkem Sanierungsbedarf und verspricht eine Revitalisierung. Das Unternehmen versteht sich nicht als Heilsbringer, sondern will Geld verdienen – es gehört zum milliardenschweren Fonds-Imperium des israelischen Projektentwicklers Amir Dayan und ist auf Rendite getrimmt. In Schwerin etwa habe Intown 1600 Wohnungen in DDR-Plattenbausiedlungen übernommen, die über Jahrzehnte von der Stadt als Eigentümerin vernachlässigt worden waren. „Wir sind dort seit anderthalb Jahren Eigentümer und haben mit der Sanierung begonnen“, sagt Hettrich. Die Schäden aber seien so groß, dass sie nicht kurzfristig zu beheben seien. Ein Vertreter der örtlichen Mieterinitiative hatte in Hannover über unhaltbare Zustände gesprochen und davon, dass man unter „jahrelangem“ Nichtstun leide. Unter anderem regne es in Wohnungen hinein, Aufzüge funktionierten nicht. „Wenn im Einzelfall ein Ersatzteil für einen Aufzug nicht schnell zu beschaffen ist, kann sich das hinziehen – aber das Problem gibt es in allen alten Wohnanlagen“, sagt Hettrich. Niemand müsse in desolaten Intown-Wohnungen leben, verspricht er.

In Dortmund war der sogenannte Hannibal-2-Komplex wegen Brandschutzmängeln von einem Tag auf den anderen geräumt worden, was bundesweit Schlagzeilen gemacht hatte. Dort klagt Intown gegen die Stadt, weil man die Aktion für völlig unverhältnismäßig hält. „Bei der vorangegangenen Brandschutzbegehung war uns bescheinigt worden, dass alles in Ordnung ist, dann wurde der Komplex überraschend für unbewohnbar erklärt, ohne dass wir etwas umgebaut hatten“, sagt Hettrich.

In Hannover sei die Revitalisierung des Ihme-Zentrums auf gutem Wege. Die Eigentümer hatten dem Fassaden-Umbaukonzept kürzlich abgesegnet, der von Intown bezahlte Bauantrag ist von der Stadt genehmigt. Wenn die Eigentümer dem Umbaustart im April zustimmten, könne es losgehen, verspricht Hettrich. Parallel arbeite man an der Ansiedlung von Handelsunternehmen im Gebäude: „Wir haben mehr Nachfrage von namhaften Firmen als freie Flächen.“ Die Planung für den Umbau der derzeit leerstehenden Handelsareale sei weit vorangeschritten, sagt der Intown-Geschäftsführer: „Wir wollen jetzt zügig auch für dieses Umbauprojekt den Bauantrag stellen.“

Das Ihme-Zentrum war durch jahrzehntelangen Sanierungsstau in den Gewerbebereichen und eine Pleite beim US-amerikanischen Fondsunternehmen Carlyle in eine Krise gerutscht. Weite Teile gleichen einer Ruine, worunter vor allem die Wohnungseigentümer in den oberen Etagen leiden. Bei einer Zwangsversteigerung 2014 hatte Intown etwa 83 Prozent der Immobilie erworben und Sanierungen versprochen. Nachdem zunächst nichts passierte, erhöhte die Stadt den Druck und drohte mit der Kündigung von Mietverträgen. Inzwischen hat Intown von bundesweit anerkannten Architekturbüros Umbaukonzepte erarbeiten lassen. Vertraglich zugesichert ist zunächst nur die Erneuerung der Fassaden.

In der Eigentümergemeinschaft herrscht bei den Wohnungsinhabern viel Skepsis nach den schlechten Erfahrungen mit vorigen Großinvestoren. Auch die Umbaupläne von Intown waren lange und kontrovers diskutiert worden: Den Bauantrag für das Millionenprojekt darf nicht Intown stellen, sondern nur die Gemeinschaft der Eigentümer. Insgesamt überwiegt derzeit aber die Hoffnung, dass die Phase des Niedergangs sich jetzt dem Ende neigt und das Ihme-Zentrum eine neue Blüte erlebt.

Von Conrad von Meding

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