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Das sagt Sascha Lobo zur Digitalisierung in Hannover

Interview Das sagt Sascha Lobo zur Digitalisierung in Hannover

Sascha Lobo war der Stargast bei der Eröffnung der hannoverschen Wirtschaftstage im Congress-Centrum. Der einflussreiche "Internet-Versteher" spricht im HAZ-Interview über den Stand der Digitalisierung in Niedersachsen und Hannover - und was unbedingt getan werden sollte. 

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Sascha Lobo spricht bei den Wirtschaftstagen im Congress-Centrum. 

Quelle: Heusel

Herr Lobo, als Mitglied des Digitalrats Niedersachsen beraten Sie die Landesregierung in Sachen Digitalisierung. Was empfehlen Sie?

Der Rat hat erst einmal getagt, daher gibt es noch keine konkreten Ergebnisse. Grundsätzlich meine ich: Die Politik muss die Infrastruktur verbessern. Bei Glasfaser-Anschlüssen von Haushalten liegt Deutschland weit unter dem EU-Schnitt. Dabei sind diese Anschlüsse nach Meinung der meisten Experten die Zukunft. Die hiesige Durchschnittsgeschwindigkeit der Anschlüsse ist eines Industrielandes unwürdig. Die Politik kann zwar keine Infrastruktur vergraben, aber Anreize schaffen.

Wie steht es jetzt um die niedersächsische Digitalkompetenz?

Bei der Netzversorgung besser als in anderen Bundesländern wie Brandenburg, dort ist die digitale Infrastruktur oft katastrophal. Ansonsten scheint es in Niedersachsen selbst in Hannover relativ wenige Programmierer zu geben. Die scheinen lieber nach Berlin, Hamburg oder München zu gehen, weil sie glauben, dort mehr bewegen zu können. Vielleicht halten große Digitalprojekte sie im Land. Und die Cebit als früher eindeutiges Digitalherz des Landes sollte zu alter Stärke zurückfinden.

Das ist Sascha Lobo

Sascha Lobo, 1975 in Berlin geboren, ist einer von Deutschlands einflussreichsten Internet-Verstehern und Skeptikern. Er ist Träger des Grimme Online Awards, seit 2011 regelmäßiger Kolumnist für „Spiegel Online“, Stammgast in Talkshows zu Internetthemen und nach eigenen Worten „Inhaber einer gut gehenden Frisur“.

Viele Arbeitsplätze in Niedersachsen hängen an VW. Wie gut ist der Konzern für die Zukunft aufgestellt?

Der Wandel zum Elektromotor, zu selbstfahrenden Autos und Plattform-Modellen, von Uber über Tesla bis Carsharing, bedroht die teilweise durch eigenes Verschulden unvorbereitete deutsche Autoindustrie. Gekaufte Autos parken 97 Prozent der Zeit. Plattformen werden als Effizienzmaschinen die Auslastung erhöhen und dafür sorgen, dass weniger Autos gebraucht werden. Daimler und BMW haben mit Car2Go und DriveNow Carsharing-Plattformen aufgebaut und sichern sich damit voraussichtlich ein Stück von diesem Zukunftsgeschäft. Mir ist ein Rätsel, wieso VW da nicht auf Augenhöhe mitspielt, sondern nur halbherzige Versuche scheitern ließ.

Der Chef der hannoverschen Üstra fürchtet, dass Plattformanbieter wie Google auch öffentliche Nahverkehrsunternehmen bedrängen. Ist das nicht etwas übertrieben?

Auch das öffentliche Transportsystem bekommt früher oder später Konkurrenz von selbstfahrenden Bussen und Autos sowie von plattformbasierten Mischmodellen zwischen öffentlichem und privatem Nahverkehr. Ich finde es richtig, darauf zu reagieren, zu investieren und eigene Angebote aufzubauen.

Müssen sich auch schon Mittelständler mit den Plattformen auseinandersetzen?

Kleine Unternehmen geraten bei Plattformen schnell in massive Abhängigkeit. Aber sie haben die Chance, eigene Angebote aufzubauen. Ein Beispiel istb ein Online-Konfigurator eines Tischlers, der sich zu einer Plattform für Möbel nach Maß entwickeln könnte. Das klappt oft nur, wenn man vermeintliche und tatsächliche Konkurrenten als Partner sieht und Herausforderungen der Digitalisierung gemeinsam angeht.

Interview: Christian Wölbert

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