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DRK feiert Familienfest im Flüchtlingsheim

Oststadtkrankenhaus DRK feiert Familienfest im Flüchtlingsheim

Es ist Hannovers größte Unterkunft für Flüchtlinge: Mehr als 700 Menschen aus 34 Nationen leben im Oststadtkrankenhaus. Jetzt stand dort ein Familienfest mit Nachbarn an - und die Gäste wurden zu Gastgebern.

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Abwechslung vom Alltag: Clown Fidolo beim Familienfest im Flüchtlingsheim Oststadtkrankenhaus.

Quelle: Benne

Hannover. Er kann tun, was er will - sein Besen fällt immer wieder um. Clown Fidolo rauft sich die Haare, und Dutzende Kinder im Publikum lachen sich scheckig. Wäre Lachen nicht international, würden die Jungen und Mädchen in zig verschiedenen Sprachen lachen. Denn Fidolo hat das vielleicht bunteste Publikum, das je ein Clown in der Stadt hatte. Menschen aus 34 Nationen leben im früheren Oststadtkrankenhaus. Rund 700 Flüchtlinge haben hier eine Bleibe gefunden, seit die Klinik im Dezember 2014 zu Hannovers größter Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert wurde. Und jetzt sind hier Nachbarn und ehrenamtliche Helfer zum Familienfest eingeladen: "Alle Anwohner können kommen, das Fest steht jedem offen", sagt Nadine Hunkert vom Deutschen Roten Kreuz.

"So eine Feier ist eine gute Sache", sagt Gloria Faimpong und strahlt. Seit einem Jahr lebt die Frau aus Ghana hier. Mit ihrem kleinen Sohn Immanuel teilt sie sich ein Zimmer im Wohnheim: "Es geht uns gut hier, das Essen und die Unterkunft sind prima", beteuert sie. Und doch spürt man, wie wichtig so ein Fest für viele Bewohner ist. Weil es etwas bietet, das über das Lebensnotwendige hinaus geht.

Das ehemalige Oststadtkrankenhaus in Groß-Buchholz dient zurzeit als Unterkunft für Flüchtlinge. Dort haben die Bewohner ein Familienfest gefeiert.

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Es gibt Kinderschminken, Tanzvorführungen, Glücksraddrehen. Das alles ist klassisches deutsches Familienfestprogramm, wie Sportvereine und Kirchengemeinden es im Sommer tausendfach zelebrieren. Und doch ist hier einiges anders. In gewisser Weise werden hier Gäste zu Gastgebern - eine Umkehrung der Verhältnisse, bei der Flüchtlinge ihre Welt für jene öffnen, die im Alltag ganz in der Nähe leben, und die doch ganz weit weg sind.

Erzieherinnen aus der nahen Kita "Sieben Stücken", die auch von Flüchtlingskindern besucht wird,  sind gekommen: "Wir sind doch Nachbarn und wollen Kontakte knüpfen", sagt eine von ihnen. Bei den Bewohnern stoßen die deutschen Besucher auf große Dankbarkeit: "Es ist wunderbar, dass uns so viele Menschen helfen", sagt die Nigerianerin Jennifer Peter: "Gott segne Deutschland!" Ihre Tochter Angel, die nach den Ferien in die zweite Klasse kommt, hat gerade eine deutsche Freundin getroffen, die Mädchen umarmen sich.

Einige der Nachbarn, die das Fest zu einem Besuch nutzen, engagieren sich schon lange hier - wie Hannelore Bähre. Die 73-Jährige betreut seit einem Jahr einmal wöchentlich eine Kindergruppe: "Ich habe selbst zwei Töchter und vier Enkel - da ist es mir ein Bedürfnis zu helfen", sagt sie, während sie zwei afrikanischen Kindern hilft, die Rutsche zu erklimmen: "Es macht Spaß - und die Kinder geben einem viel zurück."

Auf der Showbühne tanzen unterdessen Jungen und Mädchen zu "Lion sleeps tonight" vor, wie es aussieht, wenn Löwen durch den Dschungel schleichen. Sie lachen ausgelassen, das Publikum klatscht, nebenan gibt es Kuchen. Und Nauaf erzählt in gebrochenem Deutsch einem Besucher vom Alltag im Flüchtlingsheim: "Wir sind froh, dass wir unser Leben gerettet haben", sagt der jesidische Iraker: "Doch wenn so viele Menschen aus so vielen Ländern auf engem Raum zusammenleben, muss man ständig Kompromisse aushandeln."

"Wie ein komplettes Dorf"

Trostlos liegt die ehemalige Klinik da. Rostnasen ziehen sich über die Fassade jenes Traktes, in dem jetzt Familien untergebracht sind. Außen sind ein paar neue Spielgeräte aufgestellt, doch der Rasen wächst hier nur spärlich. Die Bewohner kommen aus Afrika und arabischen Ländern. Manche sind schon seit einem Jahr hier, andere erst seit kurzem.

Es sei schon eine Herausforderung, ein Heim mit 700 Flüchtlingen in einen Stadtteil zu integrieren, sagt Bezirksbürgermeister Henning Hofmann (SPD): "Das ist schließlich so viel wie ein komplettes Dorf." Doch es gebe auch eine Vielzahl von Helfern, die sich um Deutschunterricht kümmerten, die Hausaufgabenhilfe, eine Kleiderkammer und eine Fahrradwerkstatt organisiert hätten. "Wir leben friedlich zusammen", sagt Hofmann, "und wir arbeiten beständig daran, dass das so bleibt."

Im großen Plan für friedliches Zusammenleben ist auch dieses Fest ein kleiner Baustein. "Besonders für unsere Kinder ist es schön", sagt Arbab Ibrahim, der vor einem Jahr aus dem Sudan hierher gekommen ist: "So haben sie in den Ferien etwas Abwechslung." Etwas Abwechslung haben - das ist ein großes Thema im Heim. Für die Bewohner ist so ein Fest ja nicht nur ein Stück Leichtigkeit mitten im schweren Alltag. Es ist vor allem ein Durchbrechen der quälenden Langeweile, die den Alltag vieler Flüchtlinge grau grundiert, da sie nicht arbeiten dürfen und so zur Beschäftigungslosigkeit verdammt sind.

Kinder plantschen bei Wasserspielen, es wird gesungen, die Stimmung ist gut an diesem Tag. Und, na klar, die prominenteste Bewohnerin des Oststadtkrankenhauses ist auch da. Angela Merkel hat ja ihr ganzes Leben hier verbracht. Medien in aller Welt berichteten über das am 2. Februar 2015 geborene Mädchen, als bekannt wurde, dass ihre ghanaische Mutter es aus Dankbarkeit nach der Kanzlerin benannt hatte. Jetzt dreht Angela Merkel am Glücksrad - und ist selig, als sie einen gelben Stoffelefanten gewinnt. Kinder sind ja Meister in der Kunst, den Angenblick zu genießen.

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