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Wettbewerb

Im Streit um den Plenarsaal drohen jetzt Klagen


Hat die Jury im Planerwettbewerb um den Neubau des Plenarsaals in Hannover ihr Urteil auf Grundlage fehlerhafter Informationen gefällt? Noch drückt man sich im Landtag um Antworten. Doch es drohen juristische Schritte.
Präsentation des Siegerarchitekten: Sieger Prof. Eun Young Yi und Landtagspräsident Hermann Dinkla.

Präsentation des Siegerarchitekten: Sieger Prof. Eun Young Yi und Landtagspräsident Hermann Dinkla.

© Martin Steiner

Noch keine Woche ist vergangen seit der Jurysitzung im Landtagswettbewerb, da kann sich offenbar schon keiner der Beteiligten mehr an die Details des Treffens erinnern. Fest steht: Am Ende stand die öffentliche Aussage, dass ein Bewahren des denkmalgeschützten Plenarsaals unmöglich ist, weil er für den Umbau fast komplett abgerissen und wieder aufgebaut werden müsse. Damit verliere er seinen Denkmalstatus, und dann könne man ebenso gut gleich etwas völlig Neues bauen, so die während der Jurysitzung verbreitete Argumentation, die offenbar nahezu allen Beteiligten einleuchtete.

Nur: Nach Auskunft des Hamburger Architekturbüros, von dem der jetzt unterlegene Entwurf zum Bewahren und Weiterentwickeln des Plenarsaals stammt, stimmt diese Aussage gar nicht. Nur ein Viertel der Bausubstanz müsse abgerissen werden, um das Denkmal auf die Anforderungen von Transparenz und Großzügigkeit zu trimmen, heißt es in Hamburg. Das habe ein Tragwerksplaner auch statisch nachgewiesen. Am Dienstag aber konnte auf HAZ-Anfrage niemand aus der Jury mit Bestimmtheit sagen, wer die offensichtliche Fehlinformation gestreut hat. Oder zumindest wollte es keiner sagen.

Das kniffelige an der Situation: Jurysitzungen in Architektenwettbewerben sind streng vertraulich. Weder über den Ablauf der Debatte, noch über das Zustandekommen des Ergebnisses soll öffentlich gesprochen werden. Dass aber – möglicherweise gezielt – eine Fehlinformation gestreut wurde, ist offenkundig.

Noch in der Vorprüfung zur Entscheidung, mit der das Berliner Büro Phase Eins betraut war, soll nach HAZ-Informationen unstrittig gewesen sein, dass der Entwurf des Hamburger Büros Gebhardt nur in Teile des Denkmals eingreift und mitnichten einen „Abriss bis auf die Grundmauern“ nötig macht. In der schriftlichen Stellungnahme des Landtagspräsidenten zum Ergebnis des Wettbewerbs dagegen heißt es, „nur durch eine Rekonstruktion“, also einen Abriss und Wiederaufbau des von Architekt Dieter Oesterlen geschaffenen Nachkriegsbaus, lasse sich der nötige Raumbedarf nachweisen. Weil das Denkmal dann aber kein Denkmal mehr wäre, „entstünde eine Lösung, die dem wichtigen Anspruch nach einer Identität stiftenden Kraft nicht entspräche“.

Wer die Information gestreut hat, blieb am Dienstag weiter im Dunkeln. Man könne sich nicht so genau daran erinnern, sagten Jurymitglieder, und: Das Argument sei während der Arbeit in Kleingruppen „von irgendwoher“ gekommen. Eine Sprecherin des Staatlichen Baumanagements, das den Landtag in allen technischen Fragen des Wettbewerbs beraten hat, wollte mit Verweis auf die Vertraulichkeit nichts sagen. Auch Landtagssprecher Franz Rainer Enste wollte den Vorgang nicht kommentieren: „Ich war nicht dabei“. Entscheidend sei ohnehin am Ende das Votum der Baukommission, die in vier Wochen tagt. Die Fragen aber bleiben.

Conrad von Meding

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  • von irgend-wo-her noangies – 17.02.10
    Bei den Parteispenden läuft's doch genauso. Wir werden von Lobbyisten regiert. Politiker mit anterogradener Amnesie bitte schnellstmöglichst abwählen!
  • @ Lisa Seifert Sascha Aust / HAZ.de – 17.02.10
    Hallo Frau Seifert,

    über http://www.haz.de/Users/Wir-ueber-uns/HAZ/City-Redaktion/Conrad-von-Meding/(from)/18264 können Sie direkt Kontakt mit dem Kollegen von Meding aufnehmen, möglicherweise kann der Ihnen bei der Suche behilflich sein - im Kommentarbereich können E-Mail-Adressen nicht einfach veröffentlicht werden, wofür Sie hoffentlich Verständnis haben.
  • Hoffnung reckless68 – 17.02.10
    Nach der Umweltzone erleidet die Tigerenten Bande hoffentlich auch beim Neubau des Landtags einen Schiffbruch. Warum sollte Hannover den DDR Palast der Republik auftragen?
  • Im Plenarsaal drohen jetzt Klagen Conrad von der Meding – 17.02.10
    Eine Akropolis aus Schulden ...

    Ich bin nur an der e-mail-Adresse von Dr. Spellauge interessiert, weil ich mich persönlich bei ihm melden möchte.

    Herzlichen Dank für Ihre Hilfe.

    Lisa Seifert
  • Halb so schlimm... willi – 17.02.10
    ... wen die 45 Mio erst durch Sitzungsgelder, Verwaltungsaufwand, Gutachten, Gerichtskosten usw. verblasen sind, ist wenigstens kein Geld mehr für die eigentliche Baumaßnahme übrig!
  • Denkmalschutz Olli – 17.02.10
    Schon interessant, wie die Volksvertreter mit dem Denkmalschutz umgehen. Wenn er stört, muss er halt weg. Wenn das ein Bürger mit seinem alten Fachwerkhaus so machte, würde es gewaltigen Ärger geben.

    Und überhaupt: Wäre das Geld nicht besser in anderen Projekten im Lande aufgehoben?
  • Neuer Plenarsaal dietlind.osterwald@gmail.com – 17.02.10
    Ich finde es sehr merkwürdig, dass in
    dieser angespannten Wirtschaftslage überhaupt an solche Transaktionen gedacht wird. Man könnte glauben, dass die Verantwortlichen kein Gewissen haben. Ich bin empört!!!
  • Sie können sich nicht erinnern ? klatschbatsch – 17.02.10
    Es gibt da etwas, das der Erinnerung auf die Sprünge helfen sollte. Leichte Schläge auf den Hinterkopf können bekanntlich das Denkvermögen erhöhen. Taube Nüsse und korrupte Schleimbeutel verbraten grinsend unser Geld !
  • Eins bleibt unklar whoknows – 16.02.10
    Warum braucht Niedersachsen überhaupt einen neuen Plenarsaal. Der alte tut es auch, die Beschlüsse werden bestimmt nicht besser durch den neuen.

    man möge mal nach GB schauen, das Unterhaus dort ist wirklich völlig blöd, aber dennoch kommt keiner auf die Idee den Plenarsaal abzureißen.

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