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Immer mehr Touristen besuchen Hannover

Urlaubsziel Immer mehr Touristen besuchen Hannover

Mehr Touristen denn je kommen in die Leinestadt. Hannover hat sich zu einem Ziel für Urlauber entwickelt. Viele beginnen ihren Urlaub in der Touristeninformation am Bahnhof.

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Immer mehr Urlauber besuchen Hannover. Eine Stadtrundfahrt ist dabei ein guter Einstieg für Neulinge.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Vor zwei Stunden waren sie noch in Bullendorf, einem winzigen Ort an der Elbe im Landkreis Lüneburg mit vielleicht 500 Einwohnern. Jetzt, nach einer Fahrt mit Bus und Bahn, stehen Magret Siemers und ihre elfjährige Tochter Maike in der Touristeninformation am Ernst-August-Platz. Ihnen ist die Vorfreude auf die Großstadt anzusehen. „Wir sind zum ersten Mal in Hannover“, sagt Magret Siemers. „Das letzte Mal waren wir nur auf der Expo, da lag Maike noch im Kinderwagen.“ Und dann erzählt sie, dass ihre Tochter in der Schule ein Referat über die Landeshauptstadt gehalten hatte. Nun möchte Maike Hannover selbst sehen, am besten viel davon.

Doch ihr Hotel, das sie über das Internet gebucht haben, liegt in Lehrte. „Die zweieinhalb Tage sind unser Jahresurlaub“, erklärt Siemers und ist selbst darüber belustigt. Auf ihrem Programm stehen eine Stadtrundfahrt mit dem Bus, eine Turmfahrt in die Kuppel des Neuen Rathauses, ein Besuch im Zoo und auf dem Maschseefest und ein bisschen Shoppen. Pflicht sind auch eine Stippvisite an der Waterloosäule und bei den Nanas, die die Schülerin im Referat erwähnt hatte. „Wir wollen uns aber treiben lassen“, sagt Siemers. Die Mitarbeiterin am Tresen guckt skeptisch.

Touristen unterschätzen oft die Entfernungen, und sie überschätzen die Zeit, die ihnen für den Besuch in Hannover zur Verfügung steht. Diese Erfahrung machen die Mitarbeiter der Tourismuszentrale häufiger. An diesem Vormittag wimmelt es zeitweise von Menschen in dem Büro mit den drei Schaltern. Es ist Urlaubszeit, und außerdem fährt der Bus zur Stadtrundfahrt gleich vor der Tür ab. Die Zeit bis dahin nutzen die Passagiere, um herumzustöbern, sich Prospekte geben zu lassen und Souvenirs zu kaufen.

Die Nachfrage nach den Bustouren habe deutlich zugenommen, sagt Azadeh Delshadian, die seit drei Jahren für die Hannover Marketing und Tourismus GmbH (HMTG) am Schalter steht. So gibt es in diesem Jahr erstmals zwei Bustouren am Tag. Für vergangenen Sonntag musste die 32-Jährige sogar einen zusätzlichen Bus ordern. „Es gibt schon 48 Anmeldungen, und erfahrungsgemäß kommen die meisten Anmeldungen erst kurz vorher.“

Auch die vollen Busse sind ein Indiz dafür, dass Hannover als Reise- und Ausflugsziel beliebter geworden ist. So verzeichnete die Stadt im Jahr 1999 rund 1,1 Millionen Übernachtungsgäste, elf Jahre später sind es 800.000 Gäste mehr. 2010 lag die Steigerung der Übernachtungszahlen im Vergleich zum Vorjahr bei 6,4 Prozent. Mehr Übernachtungen wurden in Hannover bisher lediglich im Expo-Jahr gezählt. Und das, obwohl die Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull den Flugverkehr zeitweise lahmlegte und 2010 ein Jahr mit verhältnismäßig wenigen Messen war. Auch in diesem Jahr waren es von Januar bis Mai mit knapp 845.000 Gästeübernachtungen schon 11,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Gerade bei ausländischen Besuchern wird Hannover laut Statistik immer beliebter. Allen voran die Briten sind in Hannover oft unterwegs, gefolgt von Schweden und Niederländern.

Das liegt wohl aber auch daran, dass die britischen Streitkräfte am Stützpunkt in Celle stationiert sind – zumindest noch bis nächstes Jahr. Deshalb ist auch Nicola Archard aus Wales in der Stadt: „Ich besuche meinen Freund. Und gemeinsam machen wir einen Tagesausflug nach Hannover.“ Durch die Herrenhäuser Gärten wollen sie spazieren und noch „was Kulturelles“ unternehmen – mal sehen. Für Archards Geschmack gibt es in der Auslage zu wenige englischsprachige Prospekte. Danach fragen an diesem Morgen auch eine Gruppe aus Schweden und eine indische Familie, die das Sea Life und den Zoo sehen will. Die Brasilianerin Arnana Bileski besucht eine Freundin in Bremen. Für ihren Tagestrip nach Hannover hat sie im Internet recherchiert und war auf den „Roten Faden“ gestoßen, dem sie zu den Sehenswürdigkeiten folgen will. Mit der zunehmenden Nutzung des Internets ist der Zulauf im Touristenbüro nicht geringer geworden.

„Die meisten Besucher haben zwar im Internet recherchiert, sie wollen aber etwas in der Hand halten“, sagt Mitarbeiterin Sarah Bertram. Rund 300 Prospekte und Broschüren verteilt das Team an einem gut frequentierten Tag, dazu kommen all die Flyer, die sich die Besucher selbst aus den Regalen nehmen können. Es gibt 100 unterschiedliche Prospekte, beliebt bei den Touristen sind Stadtführer und Imagebroschüren sowie Veranstaltungskalender oder Informationen über die Herrenhäuser Gärten und den Zoo. Die Prospekte „Freundschaftshaine in Hannover“ oder „Ü 40 in Hannover & Region“ gehören dagegen zu den Exoten.

Während am Schalter nebenan schon gut ein Dutzend Touristen mit Informationen versorgt sind, überlegt Magret Siemers aus Bullendorf noch, für welche Zeit sie die Stadtrundfahrt buchen soll. „Die Expo wollten wir ja eigentlich auch noch sehen“, überlegt sie. „Gibt es da noch den Skywalk?“ Das weiß die Mitarbeiterin nicht. Auch ein schneller Blick ins Internet lässt die Frage unbeantwortet. Immerhin hat sie es versucht.

Die Mitarbeiter an der Touristeninformation sind Repräsentanten ihrer Stadt. Sie sind oft die ersten Ansprechpartner, die die Touristen nach einer Zugfahrt wahrnehmen. Von ihnen hängt auch ab, wie so ein Kurzurlaub beginnt. Und was sie von den Hannoveranern halten sollen. Oft sind es Fragen nach einem Weg, nach einer Bahnverbindung oder einem Restaurant. „Wir haben Hunger“, sagt ein Mann aus Süddeutschland, seine Frau bleibt dahinter. „Wo würden Sie selbst Essen gehen?“ Sarah Bertram verweist auf den Restaurantführer – die Mitarbeiter sind verpflichtet, neutral zu bleiben. „Hier kann man überall essen. Sie werden schon das Passende finden“, sagt sie.

Unter den Mitarbeitern der Touristeninformationen verschiedener Städte kursiert eine Liste mit den lustigsten Fragen von Besuchern. Bei Hannover rangieren ganz oben: Wie viele Bäume hat die Eilenriede? Wie heißt das Pferd von Ernst August? Wie lange hat der Rote Faden geöffnet? Oder: Wo ist der Bahnhof?

Verena, Ramona und Marcel sind mit dem Schülerticket aus Osnabrück angereist. Sie wissen genau, wohin sie wollen. „Ins Brauhaus zum Frühstücken. Dann Sea Life und vielleicht ein paar Museen“, sagt Verena. Ein Stadtplan reicht ihnen und die Information, dass eine Stadtbahn eine Straßenbahn ist, die auch unter der Straße fährt. Vergnügt machen sie sich auf den Weg.

Gegen 13.30 Uhr kommt der Bus mit Touristenführerin Gertrud Eckhardt zurück von der Stadtrundfahrt. Der Klassiker unter den Anekdoten hat auch diesmal nicht gefehlt. „Dass man sich in Hannover unterm Schwanz trifft, merke ich mir“, sagt ein Besucher aus Schleswig-Holstein belustigt. Ein anderer lobt die Stadtmodelle im Rathaus und die Herrenhäuser Gärten. „Da müssen wir noch mal hin“, sagt er. Neben den Busfahrten wollen immer mehr Besucher die Stadt per Rad erkunden oder auch auf dem Segway, sagt Bertram. Gefragt seien auch Audio Guides und Hop-on-Hop-off-Stadtbusse, die auf festen Routen im Linienverkehr Hannovers Sehenswürdigkeiten anfahren. Wie es sie in Berlin gibt. Aber nicht in Hannover. „Irgendwann wird das wohl auch kommen“, vermutet die Mitarbeiterin.

Nach fast einer Stunde haben auch Magret Siemers und ihre Tochter Maike aus Bullendorf eine Stadtrundfahrt gebucht, sich die Taschen mit Prospekten gefüllt und eine Ansichtskarte an den Papa geschrieben, der mit dem Lastwagen auf Tour ist. „Jetzt fahren wir ins Hotel“, sagt die Mutter. „Erst mal ausruhen.“

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