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Immer mehr Gebäude werden eingenetzt

Schutz gegen Bröckeln Immer mehr Gebäude werden eingenetzt

Immer mehr Bauten in Hannover tragen Netze, Gazebahnen, Traversenkonstruktionen oder Gerüste, um Passanten vor herabfallenden Teilen zu schützen. Auffällig: Es handelt sich fast ausschließlich um öffentliche Gebäude.

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Seit neun Jahren eingenetzt:  Die ehemalige VHS am  Friedrichswall.

Quelle: Thomas

Hannover. Neun Stockwerke hoch ragt das Gebäude der Zollfahndung am Anfang der Vahrenwalder Straße empor. Die bröckelnde Metallfassade wird von oben bis unten durch ein robustes Netz geschützt, wie man es von Hochseekuttern kennt. Seit August schon hängt es da – und unklar ist, wie lange es bleiben wird. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) prüft noch, was mit dem maroden Gebäude weiter passiert. Es ist nicht der einzige Bau, bei dem Netze, Gazebahnen, Traversenkonstruktionen oder Gerüste nötig sind, um Passanten vor herabfallenden Teilen zu schützen. Auffällig: Es handelt sich fast ausschließlich um öffentliche Gebäude. Private Eigentümer gehen offenbar anders mit ihren Immobilien um. Einige Beispiele:

■ Ehemalige Volkshochschule gegenüber vom Rathaus: eingenetzt seit neun Jahren.
■ Zwei Hochhäuser auf dem MHH-Campus: eingenetzt seit einem Jahr.
■ Städtischer Rundbunker am Weidendamm nahe der neuen Feuerwache: in ein Netz gehüllt seit über einem Jahr.
■ Historisches Universitätsgebäude gegenüber vom Conti-Campus: Netze an Balkon und der kunstvollen Traufkante schützen seit fast zehn Jahren vor Steinschlag.
■ Städtische Bauverwaltung neben dem Rathaus: mit einem Gerüst gesichert, seit sich 2013 Brocken aus der Fassade gelöst haben. Die Sanierung verzögert sich.

Häufig sind sogenannte vorgehängte Fassaden der Grund fürs gefährliche Bröckeln, ein beliebtes Bauverfahren insbesondere seit den Siebzigerjahren. Um die Platten aus Stein oder Metall an der Betonwand aufzuhängen, wurde damals meist kein teurer Edelstahl genommen – jetzt ist das Material verrostet, die Platten drohen sich zu lösen. Jüngster Fall war die Regionaldirektion der Arbeitsagentur am Altenbekener Damm, wo monatelang mit Netzen und Sperrbändern provisorisch für Sicherheit gesorgt wurde. Inzwischen ist das Gebäude abgerissen, dort entsteht ein Wohngebäude.

Kosten in Millionenhöhe

So weit ist die Bima beim Gebäude der Zollfahnder noch nicht. Obwohl sie das riesige Bürohaus kaum noch nutzt: Nur noch etwa 50 Mitarbeiter arbeiten dem Vernehmen nach in dem Büroareal in bester Innenstadtlage. Gutachter haben den Sanierungsbedarf berechnet, er soll so hoch sein, dass ein Abriss als wahrscheinlichere Variante gilt. Ob man anschließend für den eigenen Bedarf neu baut oder das 5300 Quadratmeter große Grundstück verkauft (gegenüber ist der Conti-Hauptsitz, dort sucht man einen neuen Bürostandort für bis zu 1200 Mitarbeiter), ist noch nicht entschieden. Auf die Idee, dort Flüchtlinge unterzubringen in Zeiten, wo Sporthallen als Unterkünfte zweckentfremdet sind und das Land per „Amtshilfe“ bei den Kommunen Erstaufnahmelager akquiriert hat, scheint auch niemand gekommen zu sein. „Hier kann niemand wohnen“, sagt ein Mitarbeiter. Möglicherweis sehen das die Menschen, die zu Hunderten in Messehallen leben, anders.

Schutz gegen das Bröckeln: Immer mehr öffentliche Gebäude tragen einen in Hannover einen "Überzieher".

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Auch bei der städtischen Bauverwaltung ist die Zukunft noch ungewiss. Das Gebäude von 1955 gilt als Fall für eine Totalsanierung – einen Abriss verbietet der Denkmalschutz. Die Machbarkeitsstudie aber, die Aufschluss über verschiedene Varianten geben sollte, hätte im letzten Herbst abgeschlossen sein sollen. Dann kam der Flüchtlingsandrang und blockierte Arbeitsabläufe in der Bauverwaltung – jetzt hofft Sprecher Alexis Demos, dass Weichenstellungen zur Zukunft des Sanierungsprojekts wenigstens bis zum Jahresende entscheidungsreif sind. Es handelt sich nicht um Peanuts: Die Kostenkorridore reichen je nach Sanierungsaufwand von 15 bis 45 Millionen Euro. Sanierungsbeginn kann frühestens 2018 sein.

"So stellt man sich den Blick aus dem Knast vor"

Schneller wird es womöglich beim ehemaligen Volkshochschulgebäude gegenüber vom Neuen Rathaus gehen. Seit mehr als neun Jahren steht ein Gerüst mit Netzen vor der bröckelnden Fassade. Investor Gregor Baum hat der Stadt das Gebäude abgekauft, in dessen Inneren sich Teile der alten Stadtmauer und des Cord-Borgentrick-Stadtturms befinden. Er will darin behutsam Wohn- und Büroräume schaffen. Der Architektenwettbewerb ist abgeschlossen. „Es wird ein spannendes Projekt – in Kürze soll es Klarheit geben, wann der Umbau startet“, verspricht Baum.

Beim Rundbunker am Weidendamm hofft die Stadt auf einen Käufer – und hat die schadhafte Fassade mit einem Sicherungsnetz versehen. Er wurde zuletzt für das Zivilschutzprogramm des Bundes genutzt, das aber ausgelaufen ist.
Bei den Hochhäusern auf dem Campus der Medizinischen Hochschule hingegen gibt es wohl keine Rettung mehr. „Eine Fassadensanierung wäre unwirtschaftlich“, sagt MHH-Sprecher Stefan Zorn: „Solange sie noch stehen, werden sie eingenetzt bleiben.“ Er selbst hat sein Büro im 15-stöckigen Gebäude K 27 neben dem Haupteingang und blickt täglich durch das grünlich schimmernde Netz vorm Fenster. Er nimmt es mit Humor: „Positiv gesagt: Hier fühle ich mich sehr sicher. Und negativ: So stellt man sich den Blick aus dem Knast vor.“

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