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Aus der Stadt Die Stadt erfindet sich neu
Hannover Aus der Stadt Die Stadt erfindet sich neu
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00:19 09.10.2014
Die Westseite des Marstalls: Am Leineufer soll ein Sandsteinbau entstehen - mit Gastronomie auf der Uferseite und Geschäften am Platz. Darüber wird esdrei Wohnetagen und ein Loft geben. Bauherr ist Hochtief. Quelle: Hochtief
Hannover

Für gespartes Geld gibt es kaum noch Zinsen - Anleger drängt es deshalb zunehmend wieder ins „Betongold“, in Immobilienprojekte. Städte wie Hannover profitieren davon. Auf der Investoren- und Immobilienmesse Expo Real, die am Montag in München begonnen hat, ist der hannoversche Stand stets gut umlagert. am Montag gab es dort eine kleine Überraschung: Die Entwürfe für die Westbebauung des Marstalls wurden präsentiert. Schon nächstes Jahr können die Arbeiten beginnen.

„Der Marstall hat hohe Bedeutung für Hannover als Bindeglied zwischen Kreuzkirch- und Vergnügungsviertel“, sagte am Montag Baudezernent Uwe Bodemann bei der Präsentation des Siegerentwurfs. Zudem erhoffe man sich von der Bebauung, die auf den Stadtdialog City 2020 zurückgeht, eine touristische Aufwertung des Marstalls.

Zwei Neubauten sollen am Marstall entstehen: Kürzlich wurden die Pläne für die östliche Bebauung an der Schmiedestraße präsentiert, wo die hannoversche Strabag einen von Sandstein geprägten Neubau mit Gastronomie, Büros und Wohnungen errichtet. Seit Montag steht fest: Auch am Westende des Platzes, auf der Seite des Leineufers, soll ein Sandsteinbau entstehen. Bauherr ist die Hamburger Projektentwicklungsgesellschaft Hochtief, beim Entwurf hat sich das hannoversche Büro BKSP gegen 13 Mitbewerber durchgesetzt. Ein „ruhiges, zurückhaltendes Gebäude“ werde entstehen, versprach Architekt Jan Grabau, „aber es setzt eine klare Kante zum historischen Ufer“. Hochtief-Niederlassungsleiter Martin Kalkmann betonte, dass die Jury sich „sehr einvernehmlich“ auf den Entwurf geeinigt habe.

Die Architektur greift auf klassische Stadthauskonstanten zurück: ein hohes Erdgeschoss, in dem zum Ufer hin Gastronomie, zum Platz hin Handel untergebracht wird, darüber drei Wohnetagen und als Abschluss ein besonders hohes, loftartiges Wohngeschoss. In der Politik stieß der Entwurf am Montag auf wenig Emotionen. „Damit kann ich mich gut anfreunden“, sagte SPD-Baupolitiker Ewald Nagel immerhin. „Es ist ganz schön, aber allmählich sieht alles gleich aus“, bemerkte CDU-Wirtschaftspolitiker Hannes Hellmann. „Es gibt sicherlich schönere Häuser“, urteilte SPD-Wirtschaftspolitikerin Christine Ranke-Heck. Der Chef der Hochtief-Projektentwicklung, Steffen Pekrul, bestätigte: „Wir wollten keine Effekthascherei an diesem Standort, sondern ein solides Haus, das sich in die Uferbebauung einfügt.“ 15 bis 20 Millionen Euro kalkuliert Hochtief. Insgesamt 3750 Quadratmeter Nutzfläche sollen entstehen, die Zahl der Wohnungen beziffert Hochtief derzeit auf „etwa 28“. Für Herbst 2017 peilt Hochtief die Fertigstellung an. Das Projekt gilt aber als nicht ganz einfach: Am Marstall sind zunächst archäologische Grabungen nötig, für die einige Monate einkalkuliert sind.

Baurat Bodemann kündigte an, dass die Stadt die Flohmarktstrecke vor dem Gebäude in drei Abschnitten zur Flaniermeile ausbauen will. Direkt vor dem Gebäude soll eine Freitreppe zum Sitzen einladen. Allerdings wird sie nicht komplett bis zum Flusspegel der Leine hinabführen - dafür ist der Uferstreifen nicht schmal genug. Auch der Marstallplatz zwischen beiden Gebäuden werde ausgebaut, sobald der Hochbau beendet ist. Erhalten bleiben soll trotz der beiden Neubauten die Sichtachse zwischen Schillerdenkmal und der Kuppel der Basilika St. Clemens: Sie wurde einst vom Hofbaumeister Georg Ludwig Laves inszeniert und gehört damit zum Stadterbe Hannovers. „Beide Neubauten sind so geplant, dass die Blickachse erhalten bleibt“, versprach Bodemann am Montag.

Hannover will fremde Investoren locken

Erstmals fährt Hannover auf der Immobilienmesse Expo Real eine neue Strategie. Ein externes Büro hat Profilanalysen über potenzielle Investoren erstellt, mit denen die städtischen Wirtschaftsförderer jetzt drei Tage lang Gespräche über den Ankauf bestimmter Grundstücke führen. Während in Hannover bisher Neubauten meist nur entstehen, wenn dafür schon vorher der Großteil der Mieter feststeht, sollen jetzt Investoren gewonnen werden, die ein höheres Risiko eingehen wollen. Die niedrigen Zinsen und die überhitzten Immobilienpreise in den europäischen Metropolen machen es möglich. Der hannoversche Immobilienmarkt gilt demgegenüber als solide und verlässlich.

Jetzt soll der bisher eher kleine Kreis aktiver Investoren am hannoverschen Markt ausgedehnt werden. Konkret sucht die Verwaltung nach Interessenten für Grundstücke wie den ehemaligen ZOB („Lister Dreieck“) oder die Flächen am Pferdeturm. Seit Jahren schon präsentiert sich die Stadt Hannover gemeinsam mit der Region und zahlreichen örtlichen Unternehmen auf der Investoren- und Immobilienmesse in München. Seit fünf Jahren sind zusätzlich die anderen Städte der Metropolregion hinzugekommen: Braunschweig, Wolfsburg, Hildesheim und Göttingen.

Oberbürgermeister Stefan Schostok, der ebenso wie Regionspräsident Hauke Jagau mit mehreren Dezernenten angereist war und derzeit den Vorsitz der Metropolregion innehat, nannte die Zusammenarbeit „ein Erfolgsmodell“. Immerhin sei der Hannover-Stand mit 540 Quadratmetern mittlerweile der größte in der gesamten Messehalle. „Es gibt Aufgaben, die Städte nicht alleine lösen können, wie der Umgang mit Verkehr, Wissenschaft oder den Anforderungen einer wachsenden Stadt.“ Die Zusammenarbeit in einer Metropolregion sei die richtige Antwort auf aktuelle Herausforderungen. Unter anderem wurden Gespräche mit dem neuen hannoverschen Papenburg-Hochbauchef Andreas Ebert sowie den Familienunternehmern Angela und Klaus Papenburg über die Zukunft der Wasserstadt Limmer geführt oder mit Bauunternehmer Alfons Doblinger, der das Hanomag-Areal aufgewertet hat.

Abriss am Güterbahnhof soll beginnen

Am Hauptgüterbahnhof soll noch in diesem Jahr der Abriss von Teilen der alten Halle beginnen. Das sagte Daniel Kräher, Projektentwickler des Gebäudeeigentümers Aurelis, während der Expo Real zu. Ende nächsten Jahres könnten die nächsten Mieter einziehen und die Entwicklung auf dem rückwärtigen Areal sichtbar werden. Dort sollen zunächst neue Erschließungsstraßen gebaut werden. Eine Delegation von Wirtschaftspolitikern des Rates nutzte die Immobilienmesse, um mit Investoren über anstehende Projekte zu sprechen. Von Aurelis wollten die Kommunalpolitiker vor allem wissen, ob den jahrelangen Ankündigungen nun bald Taten folgen.

Tatsächlich habe sich „anderthalb Dekaden lang nichts bewegt“, räumte Kräher ein. Jetzt aber zeigten die Verhandlungen mit der Stadt Ergebnisse. Das Wirtschaftsdezernat habe den Entschließungsentwurf für das riesige Areal vorgelegt. Damit könne der Zeitplan konkretisiert werden. Der sieht vor, in diesem Jahr mit dem Abriss eines ersten Hallenteils zu beginnen, später soll ein zweiter Teil folgen. Auf dem frei werdenden Gelände soll vor allem Kleingewerbe angesiedelt werden. Ob Wohnungsbau zugelassen wird, ist noch völlig offen – die Stadt hat Sorgen wegen der nahen Conti: Bewohner könnten den Industriebetrieb später mit Lärmklagen überziehen. Hier sollen jetzt neue Gutachten Aufschluss bringen.

Im vorderen Teil der Halle will DHL einen Zustellstützpunkt für Pakete einrichten. Stadt und DHL erhoffen sich Impulse für die Citylogistik, wenn DHL Pakete mit kleinen Wagen aus der Innenstadt zustellt und nicht mehr alles aus Anderten bringt. Politiker wie Martin Hanske (SPD) allerdings sorgen sich, dass der Verkehr in dem Bereich stark zunimmt, und dringen auf eine solide Planung. Die braucht es auch für die Ansiedlung des Feinkosthändlers Andronaco. Ein weiteres Gutachten soll klären, ob dessen Ansiedlung den Handel am Engelbosteler Damm in seiner Existenz bedroht.

IT-Spezialist will in den Expo-Park

Für den Expo-Park gibt es neue Grundstücksinteressenten. Expo-Grund-Geschäftsführer Karsten Klaus bestätigte am Montag, dass ein IT-Unternehmen für das Grundstück des ehemaligen Monaco-Pavillons eine Bauanfrage gestellt habe. Konkret gehe es um einen Neubau mit rund 20.000 Quadratmetern Nutzfläche. Das Unternehmen befasse sich unter anderem mit Datenspeicherung. „Insgesamt verspüren wir derzeit eine wachsende Nachfrage von ansiedlungswilligen Unternehmen“, sagt Klaus.

Am Mittwoch feiert der Heizungshersteller Viessmann die Eröffnung seiner neuen Niederlassung auf dem Areal. Das Gelände hatte zur Weltausstellung die Pavillons der Teilnehmerländer beherbergt. Wegen der Finanzkrise nach dem Jahrtausendwechsel aber ging das Nachnutzungskonzept nicht auf, das vor allem Firmen der IT-Branche forderte. „Um so schöner ist es, dass sich jetzt wieder genau solch ein Unternehmen ansiedelt“, sagt Klaus. Der Großteil des Geländes ist inzwischen wieder belebt. Neben Musikstudios und Autohändlern ist dort vor allem Ikea ansässig, was dem Gelände Publikumszulauf beschert hat.

Wohnlofts in der alten Fernmeldeschule

216 Wohnungen errichtet das Theo Gerlach Wohnungsbauunternehmen in Kleefeld auf dem Gelände der ehemaligen Fernmeldeschule. Im ersten Bauabschnitt sollen schon im kommenden Jahr 64 großzügige Lofts in dem u-förmigen Schulgebäude aus den dreißiger Jahren entstehen. Bis Sommer 2018 wolle Gerlach dann die restlichen Wohnungen in rückwärtigen Neubauten fertigstellen, kündigte Geschäftsführer Helmut Kummer am Montag in München an. „Wir wollen das Äußere so weit wie möglich erhalten und die Fassade instand setzen“, sagte Kummer.

„Kleefelder Hofgärten“ haben die Planer das Konzept genannt, angelehnt an das Areal der historischen Gartenstadt Kleefeld. Der Name soll in goldenen Lettern über dem großzügigen Eingangsbereich des Gebäudes prangen. Dort in der Lathusenstraße war zuletzt die bilinguale Kämmer-School ansässig, die kürzlich nach Bemerode umgezogen ist. Rund 45 Millionen Euro investiert Gerlach in das Projekt. Derzeit läuft das Bebauungsplanverfahren.

Baudezernent Uwe Bodemann kündigte an, dass schräg gegenüber in Kürze weitere Wohngebäude entstehen können: „Hannover ist in den letzten zwei Jahren um 9000 Menschen gewachsen, deshalb müssen wir dringend Wohnungen bauen.“ Gerlach bereitet derzeit auch den Bau von 67 Wohnungen in der Alten Döhrener Straße (Südstadt) vor. Die ersten Wohnungen im Gebäude der alten Fernmeldeschule könnten im Herbst 2016 fertig sein, es werden Eigentumswohnungen mit 85 bis 190 Quadratmetern Fläche sein. Ob die gegenüberliegenden Neubauten Miet- oder Eigentumswohnungen werden, konnte Kummer noch nicht sagen.

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