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Aus der Stadt In Hannover sitzen viele Schwarzfahrer im Knast
Hannover Aus der Stadt In Hannover sitzen viele Schwarzfahrer im Knast
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00:19 10.02.2018
Wegen Schwarzfahrens sitzen viele Menschen in Hannover im Knast. Wenn sie ihre Geldstrafe nicht zahlen können, müssen sie oft eine Ersatzfreiheitsstrafe verbüßen.  Quelle: Michael Thomas
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Hannover

 Dass er einmal im Gefängnis landen würde, hätte Mike Hoffmann wohl nie gedacht. Tatsächlich saß der 41-jährige Mann aus Hannover aber mittlerweile schon dreieinhalb Jahre im Knast, Tür an Tür mit Kriminellen und Schwerverbrechern. Hoffmanns Vergehen ist demgegenüber vergleichsweise gering: Er fuhr immer wieder schwarz, in Zeiten, in denen er – arbeitslos und alkoholkrank – sowieso schon ganz unten war. Hoffmann verbüßte sogenannte Ersatzfreiheitsstrafen. Sie kommen zum Tragen, wenn für das Schwarzfahren verhängte Geldstrafen nicht bezahlt werden können. 

Nach Angaben von Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes sind bundesweit zehn Prozent aller Haftplätze mit Menschen belegt, die Ersatzfreiheitsstrafen verbüßen. Obwohl die Anzahl der Schwarzfahrer in Hannover sinkt, zeige sich dies auch in den Justizvollzugsanstalten in Hannover und Sehnde. Müller-Brandes hält die Strafen für unverhältnismäßig:  „Armut wird hier kriminalisiert“, sagt er. Suchtkranke, Obdachlose, hätten oft kein Geld, ein Ticket zu kaufen. Dabei bräuchten sie die öffentlichen Verkehrsmittel, um Hilfesysteme überhaupt nutzen zu können. Ersatzfreiheitsstrafen seien überdies für die Gesellschaft ein „teurer Irrsinn“. 148 Euro kostet ein Hafttag laut der hannoverschen Arbeitsgemeinschaft Resohelp. In der AG haben sich  in der mehrere Organisationen, darunter das Diakonische Werk,  zusammengeschlossen, um Straffälligen bei der Resozialisierung zu helfen.

Auf beachtliche 293 363 Euro beläuft sich die Summe an Haftplatzkosten, die mit Hilfe von Resohelp 2017 eingespart werden konnte. Die AG setzt einen niedersächsischen Erlass mit dem sperrigen Titel „Geldverwaltung statt Vollstreckung der Ersatzfreiheitsstrafe“ um. Sie macht einen Kassensturz bei den Betroffenen, versucht zu erreichen, dass die Geldstrafe per Ratenzahlung abgestottert werden kann. Sie verhindert so die Haft und versucht stattdessen die Betroffenen zu stabilisieren. 84 Straffällige mit 141 Geldstrafen in Höhe von 96377 Euro beriet sie 2017 – und verhinderte dadurch nach Angaben von Sozialarbeiter Peter Thomsen 1986 Tage Haft. Resohelp fordert ein Umdenken, ein „Hilfe statt Strafe“-Konzept, das letztlich Straftätern und Steuerzahlern zugute komme. Dafür gebe es viele gute Ideen, sagte Resohelp-Sozialarbeiterin Judith Grautstück am Mittwoch, angefangen damit, dass man das Schwarzfahren nicht straf-, sondern zivilrechtlich ahnden könne, bis hin zu Überlegungen zu kostenlosem Nahverkehr.

Mike Hoffmann hätte in so einem Fall die Chance gehabt, nach einer schweren Zeit früher und leichter wieder auf die Beine zu kommen. Er verlor durch den langen Gefängnisaufenthalt seine Wohnung und viel schlimmer noch – als letzten sozialen Halt – seinen Hund. Hoffmann ist derzeit obdachlos und übernachtet mal hier, mal dort bei Freunden. 

Von Jutta Rinas

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