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Mithäftling schildert angebliches Geständnis

Jenisa-Prozess Mithäftling schildert angebliches Geständnis

Seit Dienstag steht Jenisas mutmaßlicher Mörder vor Gericht. Am Mittwoch schilderte einer der beiden Mithäftlinge von Imbrahim B. wie sie dem 44-Jährigen im Frühjahr 2014 durch eine Lüge sein Geständnis entlockt hatten. 

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Ibrahim B. wird am ersten Verhandlungstag im Fall der getöteten Jenisa in den Gerichtssaal geführt. 

Quelle: Dröse

Hannover. Im Mordfall Jenisa hat am Mittwoch einer der beiden Häftlinge ausgesagt, die dem Angeklagten Ibrahim B. (44) im Frühjahr 2014 ein Geständnis entlockt hatten. Was der 50-jährige Manfred H. dem Schwurgericht erzählte, schien einem billigen Krimi entnommen zu sein; kaum glaublich, dass der wegen Mordes und Vergewaltigung angeklagte B. ihm und seinem Mitgefangenen Muhammat K. in einem Bielefelder Gefängnis auf den Leim ging und ihnen die Schreckenstat offenbarte. Doch waren es genau dieses Geständnis und eine beigefügte Zeichnung, die die Ermittler zum Fundort der Leiche des achtjährigen Mädchens führte, in der Nähe eines Waldstücks bei Wunstorf.

Die zwei Gefangenen hatten dem wegen der Ermordung des fünfjährigen Dano in Haft sitzenden Ibrahim B. Angst gemacht. Sie erzählten ihm, dass nun auch der Fall der 2007 in Linden verschwundenen Jenisa wieder aufgerollt werde. K. handele mit Organen und habe dafür auch schon selbst Kinder umgebracht. Zudem sei er steinreich und habe beste Kontakte zu Unterwelt und Landeskriminalamt. Dort kenne er Leute, die die sterblichen Überreste von Jenisa auf Nimmerwiedersehen verschwinden lassen würden – doch dazu müsse man den genauen Fundort des Leichnams kennen. Auch werde ein Staranwalt dafür sorgen, dass B. früher als geplant auf freien Fuß komme. Das Ergebnis: Ein mehrseitiges Gedächtnisprotokoll, das B. sogar eigenhändig unterschrieb.

Als Manfred H. die Vergewaltigung des Kindes schilderte, traten ihm die Tränen in die Augen. Wie er sagt, habe er B. ausgehorcht, weil er Mitleid mit Jenisas Eltern hatte. Derzeit sitzt H. eine Haftstrafe von gut sechs Jahren ab, weil er gemeinsam mit einem Kumpan zwei Drogendealer zusammengeschlagen und ausgeraubt hatte. Wäre Jenisas Leiche früher gefunden worden und der Wert der Spionagetätigkeit der Häftlinge früher erkannt worden, wäre H.s Strafmaß wahrscheinlich geringer ausgefallen. Doch sein Prozess fand im Juli 2014 statt, Jenisa wurde erst im September gefunden. Immerhin bekamen die Spitzel eine ausgeschriebene Belohnung von 3000 Euro ausgezahlt. Der wegen Eigentumsdelikten einsitzende Muhammat K. wurde jüngst vorzeitig aus einer Duisburger Haftanstalt entlassen, und vielleicht wird später auch bei Manfred H. noch ein größerer Teil seiner Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

Am Ende des ersten Verhandlungstages war es am Montag im Gerichtssaal noch zu einem Eklat gekommen. Als der Angeklagte hinausgeführt wurde, grinste er den Vater des ermordeten Mädchens provozierend an. Darauf verlor der 41-Jährige, der bei seiner Vernehmung noch recht ruhig gewirkt hatte, die Nerven. Er schleuderte eine – fast leere – Plastikwasserflasche auf B., die diesen an der Schulter traf. Dann schrie er sein Gegenüber an, warf ihm den Missbrauch seiner Tochter vor: „Warum hast du das getan, du hast doch selber Kinder?“

Wolfgang Rosenbusch, Vorsitzender des Schwurgerichts, billigte dem Vater gestern zu, sich in einer emotionalen Ausnahmesituation befunden zu haben. Noch einmal lasse die Kammer solch eine Attacke aber nicht durchgehen, werde im Wiederholungsfall hart durchgreifen. „Ich lasse mir den Sitzungssaal nicht zum Rummelplatz machen“, so der Richter.     

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