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Ingo Siegner bringt neuen Erdmännchen-Band heraus

Geschichte spielt im Sprengel-Museum Ingo Siegner bringt neuen Erdmännchen-Band heraus

Nach neun Jahren bringt Ingo Siegner einen neuen Erdmännchen-Band heraus. Die Detektivgeschichte spielt im Sprengel-Museum. Und so lautet auch der Titel des neuesten Abenteuers mit dem Erdmännchen Gustav aus dem Zoo Hannover: „Kunstraub im Sprengel Museum“.

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Quelle: Foto: Schaarschmidt

Hannover. Wie kam es dazu, dass der neue Band in dem hannoverschen Kunstmuseum spielt?

Ich bin selbst immer schon gerne ins Sprengel-Museum gegangen, während meiner Zeit als Zivildienstleistender, während meines Studiums. Es ist ein Museum mit internationalem Anspruch: Die Bilder dort anzuschauen hatte für mich immer etwas vom Blick in die große weite Welt. Bilder wie eines, das nur aus einem Riss in der Leinwand besteht. So etwas hat mich umgetrieben. Es hat mir das Gefühl gegeben, dass im Sprengel-Museum eine große künstlerische Freiheit herrscht.

Und das sollten auch die Erdmännchen erleben?

Nein, das war nicht der Ansatz. Die Idee für die Geschichte trage ich schon lange mit mir herum, seit etwa 2011. Mir war früh klar, dass es eine Detektivgeschichte sein soll. Und ich fand die Idee schön, dass das Flusspferd ein Kunstliebhaber ist – und das verliebte Känguru ihm ein Bild schenken will. Eines Tages fuhr ich mit Block und Bleistift ins Sprengel-Museum. Da wusste ich, dass es hier spielen soll.

Und ausgerechnet das schwergewichtige, nasse Flusspferd ist der Kunstliebhaber?

Das ist doch witzig. Ein feinsinniger Mensch, ein feines Tier? Nein, bei mir ist das grobe, riesige Flusspferd der Kunstliebhaber, der sich super auskennt und im Museum ein und aus geht. Flusspferde sehen außerdem immer so langsam aus. Tatsächlich sind sie sehr gefährlich. Das hat mich auch gereizt.

Wie fand man Ihre Idee im Sprengel-Museum?

Erst mal habe ich es mit den Leuten von Leuenhagen & Paris besprochen. Die fanden die Idee auch deshalb gut, weil das Sprengel-Museum auch ein Familien-Museum ist, mit speziellen Angeboten für Kinder. Ich verfolge mit meinen Büchern keinen pädagogischen Ansatz. Aber zum Beispiel als Au-pair in Paris war ich mit den beiden Jungen, auf die ich aufgepasst habe, oft im Louvre oder im Musée d’Orsay. Da haben wir häufig Schulklassen gesehen, die sich Bilder anguckten. Das fand ich gut.

Und die Leute im Sprengel-Museum?

Ich glaube, die haben sich gefreut. Wir haben anfangs ziemlich viel rumgesponnen, was alles im Sprengel-Museum passieren könnte. Eine Idee war, dass die Erdmännchen und ihre Freunde in den Merzbau rennen. Das Flusspferd bleibt natürlich stecken. Das fand ich gut. Die Szene ist am Ende aber nicht dringeblieben. Sie hat nicht zum restlichen Plot gepasst.

Stattdessen spielt ein Bild von Paul Klee eine wichtige Rolle: „Zerbrochener Schlüssel“ aus dem Jahr 1938. Wieso ausgerechnet das?

Wichtig war zuallererst: Ich muss das Bild kopieren können, nicht mit der Intensität und der Farbigkeit des Originals natürlich, aber so, dass man es wiedererkennt. Es soll im Buch ja vorkommen. Dann sollte es ein Bild sein, das auf Kinder anregend wirkt. Und es musste eins sein, das immer dort hängt. Die Kinder sollen es sich im Museum ja auch angucken können wie die Erdmännchen im Zoo. Als ich den „Zerbrochenen Schlüssel“ bei einem Besuch im Sommer entdeckte, wusste ich schnell: Das geht.

Klee gilt als einer der Künstler der Moderne, dessen Werke besonders zugänglich für Kinder sind. War das auch ein Grund, ihn auszusuchen?

Nein, ich entscheide so etwas einfach nach Bauchgefühl. Wissen über Malerei spielt auch im Buch nur eine untergeordnete Rolle. Erdmännchen Rocky beleuchtet zum Beispiel an einer Stelle ein Bild, das ihm nicht fertig erscheint. Flusspferd Max weiß um das Gemälde Bescheid. „Das ist expressive Farbfeldmalerei“, sagt er und nennt den Titel: „Mittag“. Auch zu Paul Klees abstraktem Bild und dem scheinbaren Durcheinander der vielen Striche sage ich etwas. Aber nur kurz.

Es ist neun Jahre her, seit Sie den letzten Erdmännchen-Band geschrieben haben. Warum?

Meine Reihe mit dem Drachen Kokosnuss beansprucht mich einfach zeitlich sehr. Mit allem Drumherum. Es ist ja zum Beispiel auch ein Film entstanden. Da war ich beratend tätig. Ich mache sehr viele Lesereisen. Deshalb hat es sich ein bisschen hingezogen. Aber ich wusste immer: Irgendwann willst du das noch mal machen. Es ist schön, eine Geschichte zu schreiben und zu illustrieren, die in der eigenen Stadt spielt.

Ist es nicht auch ein Risiko, so viel Zeit verstreichen zu lassen? Die Kinder, die mit dem Erdmännchen Gustav aufgewachsen sind, sind jetzt schon groß.

Darüber mache ich mir keine Gedanken. Das ist ja in erster Linie ein Vertriebsargument. Ich denke in Geschichten.

Interview: Jutta Rinas     

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