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Aus der Stadt Initiative baut Skatepark für Flüchtlinge
Hannover Aus der Stadt Initiative baut Skatepark für Flüchtlinge
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00:24 21.03.2015
Von Rüdiger Meise
Viele Hautfarben, jedes Alter, ein Hobby: Nutzer des Skateparks in Jordanien. Quelle: privat
Hannover

Zwei Jahre lang lebt Ahmed Rayen bereits in Amman. Als er sieben war, flüchtete seine Familie aus Syrien. Jetzt hat Ahmed wieder einen Platz gefunden, an dem er täglich Freunde trifft: der Skatepark 7 Hills im Zentrum der Hauptstadt Jordaniens. Arne Hillerns vom Lindener Skateverein 2er Skate hat das Projekt mit ins Leben gerufen.

18 Tage lang hat ein internationales Team die Betonbahn gebaut. Hier sitzt nun Ahmed in seiner blauen Fleecejacke auf dem frisch getrockneten Beton und sagt einer Reporterin des Senders Al Jazeera: „In Syrien konnte ich wegen des Krieges nicht mehr rausgehen und spielen – am Skatepark kann ich nun neue Freunde finden.“

Die Hälfte der Bewohner ist jünger als 18 Jahre

Zaatari ist der Name eines der weltgrößten Flüchtlingslager. Im November 2014 zählten die Behörden in dem Lager im Norden Jordaniens 82.000 Bewohner – die Hälfte davon ist jünger als 18 Jahre. Solche Zahlen hatte Arne Hillerns im Kopf, als er im Herbst nach Amman reiste. Sein Ziel war ehrgeizig: Finanziert per Crowdfunding, wollte er mit einem internationalen Team aus Freiwilligen einen frei zugänglichen und kostenfrei nutzbaren Skatepark bauen. Hier sollten Einheimische und Flüchtlinge gleichermaßen Skateboardfahren lernen können, sagt Hillerns. Für solche Projekte hat er die Organisation Make Life Skate Life ins Leben gerufen, die Kontakte zu engagierten Skatern in aller Welt hält. „Seit Längerem gibt es aus dem Nahen Osten wenig Positives zu berichten. Da ist es umso wichtiger, Akzente für die Zukunft von Jugendlichen in der Region zu setzen“, sagt Hillerns.

Die Behörden vor Ort standen dem Projekt schnell positiv gegenüber und stellten einen wenig genutzten Park in guter Lage zur Verfügung. Ende November waren die 18.500 US-Dollar (rund 17.000 Euro) per Crowdfunding zusammengekommen. Im Dezember war Baustart für das Projekt in der Mohammad Street.

Hilfe aus der ganzen Welt

Aus der ganzen Welt flogen junge Skatebahn-Experten nach Amman, um an dem Park mitzubauen. „Hier fehlen öffentliche Freizeitangebote“, sagt Projektmanager Jon Chaconas aus den USA auf der Baustelle. „Ich bin einfach hier, um zu helfen“, sagt ein rothaariger Belgier – dann schleift er weiter an der Verkleidung der Skatebahn. Make-Life-Skate-Life-Präsident Hillerns war die komplette Bauzeit vor Ort. Anfang des Jahres richtete die Initiative auf dem fertigen Park erste Veranstaltungen aus.

Damit ist die Arbeit aber nicht vorbei – wichtig sei nun ein sinnvoller Betrieb des Parks, sagt Hillerns: „Skateboards können geliehen werden – mit der Möglichkeit, auch Material zu erwerben.“ So sollen auch Nichtskater an den Sport und die Möglichkeiten herangeführt werden, die die weltweite Skatefamilie bietet.

Seit Ende 2014 ist die Organisation mit einem Skateboardprogramm direkt im Flüchtlingslager Zaatari präsent.  Nun mag man meinen, dass Flüchtlinge in der Wüste manch anderes nötiger brauchen als ein Rollbrett. Doch Hillerns sagt: „Skateboarding ist ein guter Weg, um eine solide Identität zu entwickeln. Als Skateboarder kann ich mich überall zu Hause fühlen, und ich möchte dieses Privileg so vielen anderen Menschen weitergeben, wie ich nur kann.“

Aktiv auch in Indien und Bolivien

Der Lindener Verein 2er Skateboarding leistet seit Jahren Entwicklungshilfe im Bereich Skateboarding und hat bereits Bahnen im indischen Bangalore und in La Paz (Bolivien) gebaut. Darauf ist man sowohl bei Make Life Skate Life als auch beim Mutterverein 2er Skate ziemlich stolz. Man zeige, dass derartige Projekte „auch ohne rostige Stiftungen oder große Sponsoren realisierbar sind“, heißt es auf der Internetseite der Lindener – „einfach nur mit einem großen Netzwerk aus Skatern und Sympathisanten mit einem guten Herz“.

Finanziert werden die Projekte zu gutem Teil mit internationalen Crowdfunding-Kampagnen – beim Bau des Skateparks in La Paz fungierte die Jeansmarke Levi’s als Hauptsponsor.

Aus dem Verein 2er Skate ist neben Make Life Skate Life auch das „Platzprojekt“ hervorgegangen, das an der Fössestraße direkt neben dem Skatepark entstanden ist: ein Versuchslabor für jugendorientierte Stadtentwicklung – gefördert mit 120 000 Euro vom Bundesinstitut für Bauforschung.

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