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Aus der Stadt Können Roma-Familien doch im Burgweg bleiben?
Hannover Aus der Stadt Können Roma-Familien doch im Burgweg bleiben?
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00:17 01.06.2018
Die Paul-Dohrmann-Schule im Burgweg wird derzeit von Roma bewohnt und soll geräumt werden. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Kann ein Teil der Roma im Burgweg 5 doch weiter in der umstrittenen Notunterkunft untergebracht bleiben? Eine neu gegründete Initiative will in der ehemaligen Paul-Dohrmann-Schule ein integratives Lebens-, Arbeits- und Wohnprojekt für Roma-Familien aufbauen. Es soll Platz für bis zu 70 Roma und einige deutsche Familien bieten und Modellcharakter für die Integration von Armutszuwanderern aus Südosteuropa in Hannover haben. Bislang plant die Stadt die Obdachlosenunterkunft Ende des Jahres wegen erheblicher Baumängel zu schließen. 120 Armutszuwanderer, zumeist Roma, müssten dann auf andere Standorte verteilt werden. Laut einer Verwaltungsdrucksache kommen dafür derzeit nur die Unterkünfte Am Bahndamm in Ahlem, Am Annateich in Kleefeld und in der Podbielskistraße 115 in Vahrenwald-List in Frage.

Initiatoren der Initiative „Burg und Weg“ sind der Geschäftsführer der hannoverschen Organisations- und Entwicklungsgesellschaft HM-Personalpartner, Helmut Meyer, der derzeitige Heimleiter der Unterkunft, Markus Koenig, und die Förderschullehrerin Eva Grünreich. Alle waren bereits in Projekte mit Roma-Familien im Burgweg involviert. Aus ihrer Sicht ist in die in Verruf geratene Obdachlosenunterkunft für ein Modellprojekt für Roma gut geeignet. Der Grund: Die Situation im Burgweg habe sich erheblich verbessert. Zahlreiche Initiativen von Schule, Sozialverbänden, ehrenamtlichen Helfern, Ärzten, sorgten mittlerweile dafür, dass die Bewohner besser Fuß fassten, sagt Heimleiter Markus Koenig. Das gelänge auch, weil Betreiber Fair Facility die Projekte unterstütze.

Auch die Stadtverwaltung bestätigt, dass unter anderem der Fachbereich Schule mit dem Programm „Rucksack Schule“ und zwei rumänisch sprechenden Elternbegleiterinnen regelmäßig im Burgweg vor Ort ist. Eine Gesundheitssprechstunde für Kinder werde von „allen Beteiligten als überaus positiv gewertet“. Eine komplette Schließung des Burgweg 5 für Roma-Familien würde diese guten Ansätze im Keim ersticken, heißt es in einem Nachnutzungskonzept der Initiative, das der HAZ vorliegt.

Gerade für die Kinder aus dem Burgweg wäre es „eine Katastrophe“, an neue Schulen verteilt zu werden, sagt Förderschullehrerin Grünreich. In der Notunterkunft leben 76 Kinder. Ein neuer Schulweg, ein neues System Schule, neue Lehrer, das mache jede bereits geleistete Integration wieder komplett zunichte. Die Stadt will die Notunterkunft wegen Baumängeln schließen und führt nach eigenen Angaben erste Gespräche mit potientiellen Nutzern und Erwerbern. Selbst wenn man das Gebäude für mindestens 2 Millionen Euro saniere, müssten die Bewohner zudem mit bis zu acht Personen in einem Klassenzimmer leben, deshalb eigne es sich nicht als Notunterkunft, argumentiert die Stadtverwaltung.

Das Konzept des Freundeskreis „Burg und Weg“ sieht dagegen vor, die Schulräume zu abgeschlossenen Wohnungen mit eigenen Sanitäranlagen und Küchen umzubauen. Dazu solle es auf dem Gelände einen Kindergarten und Förderprogramme wie Sprachförderung oder Ergotherapie und für Ältere Arbeitsworkshops in einer Tischlerei oder einer Gärtnerei geben. Die Roma-Familien sollen für einen zeitlich begrenzten Zeitraum dort leben und sich in einer Art Sozialpakt verpflichten, die Kinder in die Schule zu schicken und an berufsvorbereitenden Maßnahmen teilzunehmen.

Auch in Lahe entsteht eine neue Notunterkunft für Roma

Der Burgweg 5 ist nicht die einzige Roma-Unterkunft in Hannover, die geschlossen werden soll. Ebenfalls betroffen ist das marode Containerdorf in der Notunterkunft Alte Peiner Heerstraße in Lahe.

Auch hier leben vor allem Armutszuwanderer aus Osteuropa, zumeist Angehörige der Volksgruppe der Sinti und Roma. Der Grund sind auch hier bauliche Mängel. Die Obdachlosenunterkunft sei nicht mehr instand zu setzen, heißt es in einer Verwaltungsdrucksache.

Als Ersatz entstehen jetzt etwa 150 Meter weiter südlich rund neue 80 Plätze für obdachlose Familien. Insgesamt muss die Stadtverwaltung 550 neue Plätze für die Unterbringung von Obdachlosen schaffen. 350 davon sind nötig, weil die Zahl der Obdachlosen in den vergangenen Jahren in Hannover stetig gestiegen ist. 200 weitere Plätze werden als Ersatz für derzeit noch bestehende Unterkünfte gebraucht.

Von Jutta Rinas

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