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Aus der Stadt Rettungskräfte: „Wir werden immer häufiger beleidigt“
Hannover Aus der Stadt Rettungskräfte: „Wir werden immer häufiger beleidigt“
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17:49 10.06.2018
Hannover, Blaulicht Meile Foto: Samantha Franson Quelle: Samantha Franson
Hannover

Immer öfter werden Rettungskräfte bei Einsätzen von Gaffern behindert, von Betrunkenen angepöbelt und von rücksichtslosen Selfie-Knipsern belästigt. „Zu dem, was die Kollegen im Einsatz erleben, fällt einem irgendwann nichts mehr ein“, sagte Johanniter-Chef Uwe Beyes beim HAZ-Forum am Sonnabend während der Blaulichtmeile auf dem Kröpcke. Unter Moderation von HAZ-Redakteur Jan Sedelies berichteten die Retter, was sie bei ihren Einsätzen erleben müssen.

Die vierte Auflage der Blaulichtmeile in Hannover hat tausende Besucher in die Innenstadt gelockt.

Erst drei Tage zuvor war es auf der A1 nach einem schweren Unfall wieder zu massiven Beschimpfungen gekommen: Polizei- und Feuerwehrkräfte wurden aggressiv angegangen, nachdem sie darum gebeten hatten, eine Rettungsgasse freizuhalten; Einsatzkräfte mussten sich zu Fuß ihren Weg suchen. Auch bei Unfällen in und um Hannover erleben die Retter immer öfter Rücksichtslosigkeiten und zunehmend aggressive Wutbürger.

Feuerwehr immer häufiger angegriffen und beleidigt

Hannovers Berufsfeuerwehr registrierte im vergangenen Jahr 23 Übergriffe – das sind rund zwei pro Monat. Auch die freiwilligen Wehren im Umland sind häufig Aggressionen ausgesetzt. Sowohl die Berufsfeuerwehr als auch die Johanniter haben deshalb ein Meldesystem für die eigenen Mitarbeiter eingeführt. „Wir halten alle Kollegen dazu an, Angriffe zu melden – auch verbale“, sagt Johanniter-Chef Beyes. Denn man merke, „dass es immer häufiger vorkommt, dass wir angegangen oder beleidigt werden“. Bis zu zwei Übergriffe im Jahr gebe es in seinem Bereich, schätzte Beyes. Feuerwehrchef Claus Lange hatte kurzfristig absagen müssen, deshalb gab es keine unmittelbare Einschätzung der Wehren.

Oft stünden die Angreifer und Pöbler unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, hieß es beim Forum – als Entschuldigung hinnehmen mochte das aber niemand. „Dass Menschen beispielsweise keine Rettungsgasse bilden, was man doch eigentlich schon in der Schule lernen sollte, ist nicht einfach Fahrlässigkeit“, sagt Matthias Ludwig von der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes: „Ich muss es so hart sagen: Außer Dummheit habe ich keine andere Erklärung für so ein Fehlverhalten.“

Nicht alle Einsatzkräfte sind gleichermaßen betroffen. „Wir vom THW haben den Vorteil, dass wir meist in Situationen gerufen werden, in denen die Leute immer froh sind, uns zu sehen“, sagt Pierre Graser vom Technischen Hilfswerk (THW). Deshalb sei es für die Mitarbeiter eher unüblich, angegriffen zu werden. Allerdings berichtet Graser, dass die Retter sogar bei manchen Hochwassereinsätzen Probleme haben: „Die kleinen Straßen sind oft so zugeparkt, dass wir mit unseren Fahrzeugen nicht mehr durchkommen“, sagt Graser.

Präventiv arbeiten die Retter verstärkt schon mit Kindergartenkindern, um richtiges Verhalten bei Notrufen und Rücksicht gegenüber Einsatzkräften zu lehren. „Wir fangen bei den Kleinen an und zeigen spielerisch, wie man anderen Menschen beisteht“, sagt Beyes.

Das ist auch ein Anliegen der Blaulichtmeile, die am Sonnabendmittag in der Innenstadt viele Interessierte anlockte. Zwischen dem Opernplatz und dem Schillerdenkmal dreht sich in der Fußgängerzone am Sonnabend alles um die Feuerwehr, die Rettungskräfte und alle übrigen Hilfsdienste. Etwa 25 Verbände wie die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft und der Bundesverband Rettungshunde stellen sich und ihre Arbeit in der Innenstadt. „Für uns ist die Blaulichtmeile eine gute Möglichkeit, um uns den Menschen zu zeigen“, erklärt Irene Abraham vom Bundesverband Rettungshunde: „Wer einen Vermisstenfall im Bekanntenkreis hat, kommt dann auf die Idee, nicht nur die Polizei, sondern eben auch uns zu rufen.“ Trainierte Suchhunde wie Gordon-Setter Ginny könnten dann helfen. Die Arbeit der Rettungshunde zog viele Menschen an den Infostand – dass Ginny sich brav streicheln lässt, freut vor allem die jungen Blaulichtmeilenbesucher.

Ein Anziehungspunkt war auch das Wasserbecken der DLRG. Hinter Scheiben schwammen hier Rettungstaucher in ihren Anzügen. Per Funkmikrofon konnten Besucher den Tauchern Fragen stellen. Wer sich selbst in luftige Höhen wagen wollte, fand den Teleskopmast der Freiwilligen Feuerwehr am Schillerdenkmal. Dort fuhren die Einsatzkräfte die Besucher im Korb über die Hausdächer hinaus – ein seltener Blick über die Innenstadt.

Von Tomma Petersen

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