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Warum wollen eigentlich alle in Weiß heiraten?

Interview: Hochzeitsplaner bei der Arbeit Warum wollen eigentlich alle in Weiß heiraten?

Mit viel Organisationstalent: Claudia Nitziol und Kai Lüpkes über ihre Arbeit als Hochzeitsplaner. Im Interview erzählen sie, warum der Trend in Richtung Open-air-Hochzeit geht und warum Beiträge von Gästen out sind.

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Claudia Nitziol und Kai Lüpkes betreiben die Hochzeitsplaneragentur Mr & Mrs in Hannover.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Frau Nitziol, Herr Lüpkes, was machen Sie da?

Kai Lüpkes: Wir schauen uns das Cavallo an. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit als Hochzeitsplaner ist, den passenden Ort für eine Feier zu finden. Wer industriellen Charme mag, fühlt sich im Cavallo meist wohl.

Wie wissen Sie, wer welchen Stil bevorzugt?

Claudia Nitziol: Zum Erstgespräch - so ein, am besten eineinhalb Jahre vor der Feier - treffen wir unsere Kunden immer in deren Zuhause. So sieht man sofort den Einrichtungsstil, und meist soll die Hochzeit diesem Stil entsprechen. Wer sachlich-modern eingerichtet ist, will selten pompös oder verspielt heiraten.

Wer bucht Sie überhaupt?

Lüpkes: Paare zwischen 20 und 50, aus Hannover und Umgebung. Aber wir hatten auch schon Kunden aus Braunschweig und Wolfsburg.

Was genau planen Sie für die?

Lüpkes: Wir beraten und organisieren, natürlich immer in Absprache mit den Paaren. Das geht von der Location-Suche über die Vermittlung eines Fotografen und eines DJs bis zu Fragen der Dekoration und des Blumenschmucks. Gemeinsam entwickeln wir ein Konzept für die Feier.

Zum Beispiel?

Nitziol: Wir haben schon Hochzeiten im Stil der Zwanzigerjahre ausgerichtet, ein bisschen wie bei „Der große Gatsby“. Und es gab auch schon Feiern unter dem Thema „Alice im Wunderland“. Sehr wichtig ist dabei auch das Farbkonzept.

Wie sieht’s mit dem Farbkonzept des Kleides aus?

Nitziol: Die Bräute wollen alle in Weiß heiraten! Alle!

Wohin geht grundsätzlich der Trend beim Heiraten?

Nitziol: Zur Trauung am See oder im Grünen - nicht mit einem Pastor, sondern mit einem freien Redner. Natürlich wollen manche Paare nach wie vor eine kirchliche Trauung und 120, 150 Gäste, Arbeitskollegen und Nachbarn inklusive. Die meisten aber bevorzugen ein kleineres Fest mit 50 bis 80 Leuten. Egal, wie - wichtig ist, dass sich die Gäste wohlfühlen.

Aber es geht doch ums Brautpaar ...

Lüpkes: Hochzeiten haben mehr und mehr Eventcharakter. Da kann man auch mal mit Traditionen brechen. Zum Beispiel empfehlen wir, die Hochzeitstorte am Nachmittag und nicht erst um Mitternacht anzuschneiden. Dann können Freunde und Verwandte Torte essen und Kaffee trinken, während das Paar fotografiert wird.

Und nebenbei bereiten die Gäste schon mal die Hochzeitsspiele vor?

Lüpkes: Die wenigsten Brautpaare möchten noch solche Spiele. Wir halten im Vorfeld meist auch Kontakt zu den Gästen, und manchmal müssen wir denen taktvoll beibringen, dass Ratespiele und allzu viele Gedichte nicht erwünscht sind.

Was ist aktuell beim Essen erwünscht?

Lüpkes: Das klassische Büfett ist out. Besonders gut kommt an, Vorspeise und Dessert am Tisch zu servieren und als Hauptgang zum Beispiel ein High-Class-Barbecue-Büfett.

Und Sie beide passen bei der Feier auf, dass alles glatt läuft?

Nitziol: Wenn Paare das Komplettprogramm gebucht haben - ja. Wir achten darauf, dass alles funktioniert, dass der Zeitplan eingehalten wird. Kai unterstützt meist den Bräutigam, ich die Braut. Bei dem Fest habe ich immer meinen Notfallkoffer mit Pflaster, Sicherheitsnadel und Strumpfhose dabei. Der kommt auch jedes Mal zum Einsatz, irgendein Gast braucht immer Hilfe.

Nichts gegen Sicherheit. Aber ist der Versuch, einen perfekten Tag zu kreieren, nicht überzogen? Gerade angesichts der Scheidungsraten von annähernd 50 Prozent?

Nitziol: Nein, die Paare streben einfach nach Perfektion. Das ist doch verständlich. Lüpkes: Dieser Tag soll ein guter Start in die Ehe sein. Wir sind unterstützend tätig, um diesen Tag möglichst schön zu gestalten. Was die Zukunft bringt, weiß ja keiner so genau.

Hat sich schon mal ein Paar während der Vorbereitungen zerstritten und getrennt?

Lüpkes: Bis jetzt nicht. Natürlich gibt es unterschiedliche Vorstellungen, wie der Tag ablaufen soll. Aber wir sind ja gerade dafür da, diese Vorstellungen zu koordinieren. Meist haben die Frauen konkrete Ideen. Der Mann staunt dann oft, wenn Claudia mit der Braut überlegt, in welchem Blauton die Deko gehalten wird. Da gibt es die Auswahl zwischen acht Farbtönen, doch für den Bräutigam ist meist Blau einfach Blau. Mir geht es ähnlich. Deshalb ist es auch gut, dass wir als Paar arbeiten.

Was muss ein Hochzeitsplaner für seinen Beruf mitbringen?

Nitziol: Organisationstalent und Einfühlungsvermögen. Denn wir müssen vermitteln, wenn ein Paar sich nicht einigen kann.

Und was kostet Ihre Vermittlungsarbeit?

Lüpkes: Unser Honorar für eine Komplettplanung beträgt 20 Prozent des Hochzeitsbudgets. Wir bieten jedoch auch Teilleistungen zu Festpreisen an.

Was muss man denn für eine schöne Hochzeit zahlen?

Lüpkes: Das ist ganz variabel. Es hängt zum Beispiel von der Zahl der Gäste und der Wahl der Location ab. Man sagt zwar meist, dass eine Hochzeit rund 25 000 Euro kostet, aber da ist Bewegung nach unten und oben möglich.

Sie sind auch ein Paar. Haben Sie Ihre Hochzeit schon geplant?

Nitziol: Immer wenn ich eine schöne Hochzeit organisiert habe, denke ich: Das ist es jetzt. Nach der nächsten Feier habe ich dann schon wieder neue Ideen. Ich kann mich einfach noch nicht entscheiden, wie ich heiraten möchte.

Interview: Martina Sulner

Zur Person

Claudia Nitziol und Kai Lüpkes betreiben die Hochzeitsplaneragentur Mr & Mrs in Hannover. Die 28-Jährige hat Eventmanagement studiert und schon während des Studiums Hochzeiten geplant. Nach einer Weiterbildung ist sie jetzt eine von der Industrie- und Handelskammer geprüfte Hochzeitsplanerin. Der 32-jährige Lüpkes hat International Management studiert. Die beiden sind beruflich und auch privat ein Paar. Infos im Internet unter
www.die-hochzeitsplaner.de.

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