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Aus der Stadt „Harte Urteile schrecken nicht ab“
Hannover Aus der Stadt „Harte Urteile schrecken nicht ab“
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00:17 20.03.2016
Von Michael B. Berger
Der Haupttäter (31) muss wegen versuchten Mordes für acht Jahre ins Gefängnis, sein Mittäter (25) für sieben Jahre. Die 24-jährige Mitangeklagte erhielt eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Quelle: dpa
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Hannover

Herr Professor Bliesener, das Landgericht Hannover hat im Fall des Salzhemmendorfer Brandanschlags sehr hohe Haftstrafen verhängt. Hat das eine abschreckende Wirkung?

Nein, die internationale Forschung zeigt relativ übereinstimmend, dass hohe Haftstrafen keine abschreckende Wirkung auf potenzielle Straftäter haben. Es gibt natürlich vereinzelte Ausnahmen. Aber in der Regel haben Strafverschärfungen nicht diesen unterstellten Effekt.

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Von dem Landgericht Hannover hat der Prozess um den Brandanschlag von Salzhemmendorf begonnen.

Das widerspricht aber der allgemeinen Annahme in der breiten Bevölkerung, dass solche Strafen auch einen erzieherischen Wert haben.

Mag sein, aber die Forschung ist da ziemlich eindeutig, es gibt vielfältige Studien mit unterschiedlichen Herangehensweisen, die belegen, wie gering die Abschreckung durch hohe Strafen ist. Was aber tatsächlich jemanden davon abhält, eine Straftat zu begehen, ist das Entdeckungsrisiko. Die Angst des Täters, entdeckt zu werden, hat einen abschreckenden Effekt.

Die junge Frau, die die beiden Männer gefahren hat, ist zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt worden. Widerspricht das nicht dem Gedanken der Resozialisierung?

Das ist eine andere Frage, was man mit solchen langen Strafen bei einzelnen Tätern auslöst. Generell gilt, dass lange Haftstrafen nicht Rückfall vermeidender wirken als kürzere. Härter ist nicht besser.

Thomas Bliesener ist Direktor am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen. Quelle: privat

Die Verteidiger haben auf den hohen Alkoholkonsum der Männer hingewiesen und auf Strafmilderung plädiert.

Gerade bei Gewaltdelikten ist häufig Alkohol im Spiel. Allerdings weiß jeder, dass Alkohol eine enthemmende Wirkung hat. Die meisten wissen auch, wie sie unter Alkohol reagieren. Deshalb kann Alkohol nur in Ausnahmefällen zu einer Entschuldigung führen.

Interview: Michael B. Berger

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