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Umweltzone: „Das kann existenzbedrohend sein“

Interview mit ADAC-Sprecherin Umweltzone: „Das kann existenzbedrohend sein“

Der ADAC rechnet mit einer scharfen Debatte um die Diesel-Umweltzone und hält die blaue Plakette nicht für ausgemacht. Das erklärt Christine Rettig, die Sprecherin des ADAC (Allgemeine Deutscher Automobil-Club) Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, im Interview.

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Christine Rettig ist Sprecherin des ADAC (Allgemeine Deutscher Automobil-Club) Niedersachsen/Sachsen-Anhalt.

Quelle: Archiv

Hannover . Frau Rettig, die Autofahrer haben sich mit den Plaketten in Rot, Gelb und Grün arrangiert. Dass es nun noch eine blaue Plakette geben soll, wird aber viele Dieseleigentürmer aufschrecken. Sind Sie beim ADAC überrascht, dass das Thema Umweltzone wieder auf dem Tisch ist?
Nein, das war klar, dass das Thema wiederkommt, weil von der EU vorgegebene Grenzwerte für Stickoxide regelmäßig überschritten werden. Nicht nur der ADAC weiß, dass die bisherigen Plaketten das Problem nicht lösen würden.

Zur Person

Christine Rettig ist Sprecherin des ADAC (Allgemeine Deutscher Automobil-Club) Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Der Automobilclub zählte – naturgemäß – zu den schärfsten Kritikern der ursprünglichen Umweltzone. Seine Versuche, diese auf gerichtlichem Wege zu Fall zu bringen, scheiterten jedoch. Eines der Argumente des ADAC damals: Die Umweltzone und speziell Rußpartikelfilter für Diesel bringen nicht die gewünschten Effekte für die Luftreinheit. Das hat sich nun so bestätigt – und soll durch die Euro-6-Umweltzone korrigiert werden. wie

Wird es nun gelöst?
Ein Bündel aus Maßnahmen gegen kann helfen. Es gilt, die Quellen für den Stickoxid-Ausstoß zu minimieren. Dazu gehören aber nicht nur Autos, sondern auch die Industrie, Lkws, Kleintransporter. Es geht aber auch um intelligente Verkehrssteuerung, die zu weniger Stillstand führt – besonders mit Blick auf die Grüne Welle und das Baustellenmanagement.

Wie viele der Diesel in Hannover erfüllen denn die Euro-6-Norm?
Das weiß nur die Zulassungsstelle. Die meisten entsprechen eher der Euro-5-Norm.

Müssen Dieselfahrer fürchten, dass ihnen quasi schon morgen das Auto stillgelegt wird?
Nein, diese Angst muss keiner haben. Aber grundsätzlich können wir ihm die Sorgen nicht nehmen. Behörden und Verkehrsexperten müssen sich gemeinsam um das Thema kümmern.

Gibt es für Sie einen erkennbaren Zeithorizont, in dem die neue Umweltzone eingerichtet und gültig werden könnte?
Nein. Aber die EU dringt seit Langem darauf. Es gibt ja auch schon eine Debatte über befristete Fahrverbote oder Regelungen, dass Wagen mit ungeraden Kennzeichen an einem Tag, die mit geraden Kennzeichen an einem anderen Tag fahren dürfen. Diese Themen schwelen schon lange. Es wird darüber jetzt eine neue politische Diskussion geben.

Was meinen Sie?

Sollten ältere Diesel-Fahrzeuge aus der City verbannt werden?

Ist es für Sie ausgemacht, dass an deren Ende die blaue Plakette kommt?
Klare Antwort: nein.

Bei der Einführung der ersten Umwelt­zone war bei deren Gegnern sogar von „kalter Enteignung“ des Autos die Rede, weil sie in der Stadt praktisch nicht mehr nutzbar sein sollten. Kann man nun wieder davon reden?
Wenn eine Verordnung morgen käme, dann ja. Das kann für Firmen existenzbedrohend sein, wenn sie mit ihren Wagen nicht mehr in die City kommen.

Es wurden damals Ausnahmeregelungen angeboten. Muss es die wieder geben?
Das ist Spekulation. Es wurden bei der Einführung der Umweltzone schließlich gar nicht so viele Ausnahmeregelungen beantragt wie zunächst vermutet. Aber Härtefallregelungen muss es geben.

Dieselfahrer konnten eine Zeit lang ein ziemlich gutes Gewissen haben. Haben sie nun endgültig ihre Unschuld im Sinne der Luftverschmutzung verloren?
Na ja, spätestens seit dem VW-Abgas-Skandal wissen sie, dass beim Diesel von Unschuld nicht gesprochen werden kann.

Wie kann man denn heute überhaupt noch mit einem reinen Umweltgewissen mobil sein?
Es kommt auf einen guten Mix an. Der öffentliche Nahverkehr im Bereich Hannover ist gut und lädt ein, genutzt zu werden. Hannover ist auch eine fahrradfreundliche Stadt. Es gibt Elektrobusse, und es könnten mehr werden. Letztlich stellt sich die auch die Frage: Muss jeder ein eigenes Auto haben? Es gibt Car-Sharing. Die Ideen sind da.

Lag oder liegt der Fokus der deutschen Autoindustrie zu lange auf Diesel- oder ganz allgemein Verbrennungsmotoren statt auf Elektroantrieben?
Wir hätten uns schon gewünscht, dass da mehr investiert wird. Es gibt nun viel zu wenig Modelle, und bei der Lade­infrastruktur hapert es. Elektro ist kein Allheilmittel, aber ein Weg. Das wurde lange verschlafen.

Interview: Volker Wiedersheim

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