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"Mit Conni können Kinder sich identifizieren"

Interview mit Birgit Nerenberg vom Verein "Lesestart" "Mit Conni können Kinder sich identifizieren"

Millionen von Kindern lesen „Conni“-Bücher – erfunden von einer Autorin aus der Region Hannover. Am Donnerstag kommt ein „Conni“-Film 
mit Emma Schweiger ins Kino. Was ist das Geheimnis der Mädchenfigur? Fragen an Birgit Nerenberg vom Verein Lesestart.

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Frau Nerenberg, am Donnerstag kommt der Film „Conni & Co“ von Franziska Buch ins Kino. Conni ist eine Kinderbuchheldin, die heute in kaum einem Kinderzimmer fehlt. Sie sind nicht nur Buchhändlerin, sondern auch Vorsitzende des hannoverschen Vereins Lesestart. Können Sie sich noch erinnern, wann Sie Conni zum ersten Mal begegnet sind?
Das ist lange her. Irgendwann in den Neunzigern, schätze ich. Aber ich weiß noch genau, welcher Titel es war: „Conni am Strand“. Zu dem Buch hat nämlich ein hannoverscher Autor, Wolfram Hänel, den Text geschrieben. Das war noch in der Zeit, als es nur die kleine Conni gab, für Kinder bis sechs Jahre.

Mittlerweile haben die „Conni“-Bücher weltweit eine Auflage von 25 Millionen. Was ist eigentlich Connis Geheimnis? Warum mögen Kinder sie so?
Ich glaube, das liegt daran, dass in den Geschichten Connis Familie so normal, alltäglich ist. Damit können sie sich identifizieren. Durch die Illustrationen wird das noch verstärkt. Da sehen sie lauter Dinge, die sie aus ihrem eigenen Leben kennen: von zu Hause, Schule, Freizeit. Da finden sich schon die ganz Kleinen wieder.

Was hat Conni selbst, was andere Kinderbuchfiguren nicht haben?
Sie ist selbstbewusst. Sie weiß, was sie tut. Außerdem bewältigt sie Probleme, die fast alle Kinder haben. Sie ist zum Beispiel eine große Schwester, macht im Streit den Bagger ihres kleinen Bruders Jakob kaputt – und repariert ihn wieder. Das mag für Erwachsene ein kleines Problem sein, für Kinder ist es ein großes. Ein gutes Beispiel ist auch „Conni beim Kinderarzt“. Vor so einem Besuch haben viele Kinder Angst. In Connis Welt können sie abtauchen, erleben, dass man das schaffen kann. Das ist ein ganz anderer Zugang, als wenn die Muttersagt, der Kinderarzt ist doch nicht so schlimm.

Der Film „Conni & Co“ ist ab Donnerstag, 18. August, in den Kinos zu sehen.

Apropos Jakob. Mögen eigentlich auch Jungen „Conni“-Bücher?
Anfangs ja, aber dann, etwa mit Schulbeginn, gibt es auf einmal einen Schnitt. Dann lesen nur noch die Mädchen weiter. Das ist schade, weil Jungen ja generell weniger lesen, und wenn, dann häufig Sachbücher. Deshalb gibt es schon spezielle Reihen mit männlichen Identifikationsfiguren à la Conni wie beispielsweise Max. In den „Conni“-Büchern gibt es auch Jakob, ihren kleinen Bruder. Es wäre gerade für Jungen schön, wenn diese Figur noch weiterentwickelt würde.

Die Bücher sind in einer auffällig schlichten Sprache geschrieben – und folgen einer sehr überschaubaren Struktur: Conni geht in die Bücherei, Conni backt Pizza, Conni zieht um. Eltern sind davon manchmal ganz schön genervt. Wie ist das für Kinder?
Für Kinder ist das sehr wichtig. Sie müssen sich ihren Wortschatz erst zusammenbauen. Manche sprechen sogar zu Beginn der Grundschule noch keine vollständigen Sätze. Je einfacher die Sprache in einem Kinderbuch ist, desto besser können sie ihr beim Vorlesen folgen, je mehr prägen sich ihnen unbewusst die Regeln der deutschen Sprache ein. Auch das ähnliche Schema ist gut. Wiederholung fördert bei Kindern das Verständnis für Sprache.

Ist diese Schlichtheit auch ein Teil von Connis Erfolgsrezept? Ein anderer Klassiker der Kinderliteratur, Bobo Siebenschläfer, ist ja ähnlich gestrickt.
Ja, Kinder mögen so etwas – und Bobo Siebenschläfer ist – was das angeht – sicher ein Vorläufer von Conni. Wichtig ist aber auch, dass die Geschichten gut ausgehen. Bobo-Siebenschläfer-Geschichten sind ja sogar Gutenachtgeschichten. Bobo schläft am Ende immer ein. Connis Geschichten haben immer ein Happy End. Kinder mögen das. Es macht ihnen Mut.

Conni ist aber auch ganz schön brav. Sie lernt eigentlich ständig Dinge, die für das Leben nützlich sind. Warum ist ausgerechnet sie heute eine so wichtige Kinderbuchfigur – und nicht jemand wie die unangepasste, fantasievolle Siebzigerjahre-Ikone Pippi Langstrumpf?
Jedenfalls nicht, weil Eltern und Kinder heute angepasster sind. Dass sie so viel gelesen wird, hat sicher auch mit der Vermarktungsstrategie des Verlages zu tun. Man hat früh erkannt, dass sie eine Figur ist, mit der Kinder sich identifizieren – und die Conni-Welt konsequent ausgebaut. Die Kinder können heute ja mit Conni groß werden. Es gibt Bücher über sie, bis sie 15 Jahre alt ist, dazu viele unterschiedliche Buchformate: für die ganz Kleinen die Pappbücher, dann die Pixi-Bücher, die Lesemaus und so weiter. Man kann mit ihr Silben lesen lernen, Englisch lernen. Conni war sicher eine der ersten Kinderbuchfiguren, die so bewusst so breit entwickelt wurde.

Und Pippi? Was für eine Rolle spielt sie heute?
Pippi Langstrumpf ist ein Klassiker. Sie wird auch heute noch gekauft. Und von Autoren weiterentwickelt, zum Beispiel in „Die Paulis außer Rand und Band“ von Gernot Gricksch. Da muss eine alleinerziehende Mutter plötzlich verreisen, und die Tante, die auf die Kinder aufpasst, glaubt nach einer Hypnose, sie sei Pippi Langstrumpf. Keine Sorge, Pippi lebt.

Sie haben zwei Enkelkinder. Werden Sie mit Ihnen in den „Conni“-Film gehen?
Nein, beide sind erst zweieinhalb, und die Conni im Film ist ja schon zwölf. Als Altersangabe ist zwar ab null Jahren angegeben. Aber ich finde, für so kleine Kinder ist Kino noch nichts. Ich gehe mit meinen Enkeln lieber in den Zoo.

Zur Person

Birgit Nerenberg (59) war mehr als 25 Jahre lang Inhaberin der hannoverschen Buchhandlung „Sternschnuppe“. Seit April hat die Buchhandlung einen neuen Besitzer, Nerenberg aber kümmert sich dort in Teilzeit weiter um Bücher. Sie ist Vorsitzende des Vereins „Lesestart“ Hannover und geht auch selbst zum Vorlesen in Krippen, Kindergärten und Horte. Sie ist zudem in der Jury des Illustrationspreises für Kinder- und Jugendbücher des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik.

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