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Wieso ist Primark eigentlich so billig?

Primark-Chef Krogmann im Interview Wieso ist Primark eigentlich so billig?

Wolfgang Krogmann ist Geschäftsführer von Primark für Deutschland und Österreich. Er gibt im großen Interview Auskunft über die Herstellungsbedingungen für die Bekleidung, die geringen Preise und den Ärger in der hannoverschen Filiale.

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Wolfgang Krogmann, Primark-Chef in Deutschland, in der hannoverschen Filiale in der Osterstraße.

Quelle: Jan Philipp Eberstein

Hannover. Herr Krogmann, die Primark-Niederlassung in Hannover zählt nach Fläche und Umsatz zu den größten Filialen in Deutschland. Wie viele Kunden kommen jeden Tag ins Kaufhaus in der City?

Genaue Zahlen kennen wir nicht, weil wir keine regelmäßigen Zählungen machen. Aber wir wissen, dass es pro Woche mehr Menschen sind, als in das Fußballstadion von Hannover passen.

Die Arena am Maschsee hat Platz für 49.000 Zuschauer.

Oh, ich dachte sie wäre größer.

Dann scheint das Geschäft ja gut zu laufen. Primark verkauft Textilien für wenige Euro, manches ist billiger als gebrauchte Bekleidung im Sozialkaufhaus gegenüber. Kritiker werfen dem Konzern vor, dass diese Preise durch Niedriglöhne, geringe soziale Standards und unsichere Fabriken in Entwicklungsländern erkauft sind. Sehen Sie Primark in falschem Licht dargestellt?

Zugegebenermaßen gab es da Fragen, auch von Kunden. Wir sind ja der Meinung, dass der Rückschluss vom Verkaufspreis auf Produktions- und Arbeitsbedingungen nicht möglich ist. Man muss sich die ganze Kette ansehen. Wir stellen unsere Waren in Fabriken her, die uns nicht gehören, Fabriken, in denen auch andere Unternehmen produzieren lassen. Ob wir dort Aufträge vergeben oder ein Konkurrent spielt zum Beispiel für die Lohnhöhe keine Rolle. Alle zahlen dasselbe. Auch die Qualität ist oft sehr ähnlich, weil der Lieferant häufig Materialien für alle einkauft.

Das bedeutet Einkaufspreise von Primark ähneln denen der Konkurrenz?

Ja. Unsere günstigen Verkaufspreise kommen dadurch zustande, dass wir sehr viel weniger auf den Einkaufspreis draufschlagen.

Für eine Näherin in Bangladesch macht es also keinen Unterschied, ob Primark ein T-Shirt für 3 Euro verkauft oder ein Konkurrent für 20 Euro?

So ist es. Sie bekommt ihr Geld vom Fabrikbesitzer, ob sie nun für uns arbeitet oder für andere Konzerne. Nur ist es eben so, dass unsere Marge deutlich geringer ausfällt als bei Wettbewerbern. Wir arbeiten trotzdem profitabel, weil wir wenig für Werbung ausgeben, keine Superstars einkaufen und geringe Verwaltungskosten haben. Unsere ganze Organisation ist sehr effektiv, dazu zählen auch die Lieferketten.

Nachdem Primark in Hannover eine Niederlassung eröffnete, gab es hier lange Auseinandersetzungen um Löhne, Urlaubszeiten und Kündigungen von Mitarbeitern mit befristeten Verträgen. Es entstand der Eindruck, dass der Discounter Primark gern bei eigenen Leuten spart.

Wir haben inzwischen mit der Gewerkschaft Verdi einen Tarifvertrag abgeschlossen, für alle unsere Geschäfte in Deutschland. Lieber hätten wir mit unserem Haustarifvertrag gearbeitet, wie in anderen Ländern auch, aber wir haben gelernt, dass unsere Mitarbeiter lieber den Standardvertrag wollten.

Vermutlich, weil sie jetzt zu besseren Bedingungen arbeiten.

Wir haben einen Flächentarifvertrag abgeschlossen, der auch für die meisten Wettbewerber gilt.

Um noch einmal auf die Produktionsbedingungen zurückzukommen: Kann Primark sicherstellen, dass bestimmte Standards eingehalten werden?

Wir vergeben Aufträge erst nach einem langwierigen Prüfungsverfahren. Es geht darum, ob Schichtzeiten, Pausen, Bezahlung und der Umgang mit Mitarbeitern korrekt sind. Fragen der Gebäudesicherheit spielen eine Rolle, der Belüftung und vieles andere.

Gilt da der europäische Maßstab? In Bangladesch stürzte vor drei Jahren eine Fabrik ein, in der auch Primark produzieren ließ, es gab zahlreiche Tote.

Das sind Bedingungen, die die ILO, die internationale Arbeitsorganisation, aufgestellt hat. Primark ist seit März auch Mitglied des Textilbündnisses, einer Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit, die sich für Verbesserungen in der gesamten Zulieferkette einsetzt.

Manche Lieferanten in Entwicklungsländern versuchen, Auflagen zu umgehen, indem sie Subunternehmen beauftragen.

Für Primark gilt: Kein Fabrikant darf Aufträge ohne unser Wissen irgendwo hingeben. Wir wollen, dass noch der letzte Faden aus Unternehmen stammt, die wir kennen. Im vergangenen Jahr haben wir über 2600 Überprüfungen in 37 Ländern gemacht. Es ist so, dass wir ausdrücklich nach Fehlern suchen und diese dann beheben.

Interview: Gunnar Menkens

Massenandrang bei der Eröffnung von Primark in der hannoverschen Innenstadt.

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