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Wer gibt den Ton an?

Interview mit Andres und Hofmann Wer gibt den Ton an?

In der SPD hat der Kampf um den Bezirk Buchholz-Kleefeld 
begonnen. Politrecke Gerd Andres mit großer Erfahrung in hohen Ämtern macht dem jungen Bürgermeister Henning Hofmann das Ratsmandat streitig. Am Ende muss die Basis entscheiden – es geht nicht nur um einen Generationenkonflikt, sondern auch um Fragen des Politikstils. Ein Doppelinterview.

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Treten gegeneinander im Stadtbezirk Buchholz-Kleefeld an: SPD-Urgestein Gerd Andres und Bezirksbürgermeister Henning Hofmann.

Quelle: Rainer Surrey

Gerd Andres: „Man muss kämpfen“

Herr Andres, Sie wollen nach zwei Jahrzehnten im Bundestag und als Parlamentarischer Staatssekretär in den hannoverschen Rat, um den Stadtbezirk Buchholz-Kleefeld zu vertreten. Es wird kleinteiliger. Warum machen Sie das?

Da ist schon der Ansatz der Frage falsch. Manche sagen, ich sei überqualifiziert für ein Ratsmandat, aber ich habe nicht ein Politikverständnis, bei dem nur die hohen Ebenen zählen. Politik beginnt im Alltag der Menschen. Die Ausgangslage ist: Henning Hofmann hatte erklärt, er werde bei der Kommunalwahl 2016 nicht mehr für den Stadtrat kandidieren. Im Frühjahr dieses Jahres wollte er in Springe hauptamtlicher Bürgermeister werden. Daraufhin sind Parteifreunde an mich herangetreten und baten mich, in Buchholz für die SPD zu kandidieren.

Sie wurden um Hilfe gebeten, obwohl Hofmann das Mandat gewonnen hat?

Es hieß, ich hätte einen Namen, einen hohen Bekanntheitsgrad und ein politisches Gewicht, das ich im Rat einsetzen könnte für den Stadtbezirk. Nun haben die Springer Hofmann nicht gewollt, sie werden ihre Gründe haben. Wir waren dann überrascht, als er erklärte, doch wieder für Rat und Bezirksbürgermeisterposten zu kandidieren. Das widerspricht dem, was er die ganze Zeit wollte.

Nun treten Sie gegeneinander an. In der SPD gibt es Leute, die sagen, da nimmt ein 64-Jähriger jungen Leuten die Posten weg. Ist es ein Generationenkonflikt?

Nein, es muss eine gesunde Kandidatenmischung geben, und die gibt es. Mir geht es darum, dass nicht eine Person Ratsherr und Bezirksbürgermeister zugleich sein kann. Hofmann ist als Bezirksbürgermeister unterwegs und im Verständnis der Leute ist das ein überparteiliches Amt. So tritt Hofmann auch auf. Er kommt in Teile des Stadtbezirks, wo die Menschen denken, Hofmann sei in der CDU. Dass er für die SPD im Rat sitzt, das bekommen viele Leute nicht mit. Ich möchte in den Rat und nicht in den Bezirksrat. So war auch meine Aussage zu verstehen, die SPD sei im Stadtteil unterbelichtet.

Was gibt es zu tun in Buchholz?

Die Flüchtlingsversorgung ist die gewaltigste Aufgabe. Es werden immer mehr kommen, im Oststadtkrankenhaus leben bereits 735 Menschen. Ich finde es nicht anrüchig, dass man darüber diskutiert, wie viele Standorte ein Stadtbezirk verkraften kann. Die Unterbringungsnot wird in Hannover noch größer werden.

Kann Buchholz keine neuen Flüchtlinge aufnehmen?

Ich zitiere mal Henning Hofmann von Anfang Juni aus dem Ortsvereinsvorstand. Da war seine Position, dass die Kapazitätsgrenze im Oststadtkrankenhaus mit 650 Personen erreicht sei. Jetzt sind wir bei 735.

Sie haben gesagt, unter der Oberfläche brodele es bei manchen Bürgern. Wenn es so ist, müssten Sie doch sagen, Buchholz verträgt keine Unterkunft mehr.

Nein, das sage ich nicht. Ich sage: Wenn man vor großen Nöten steht, muss man in einer anderen Art und Weise Standorte erklären und über Alternativen reden. Je höher der Problemdruck bei der Unterbringung ist, desto mehr fühlen sich die Bürger auch bei anderen Problemen vernachlässigt. Wenn es um eine Containersiedlung auf einem Sportplatz im selben Stadtteil geht, wird auf einmal wahrgenommen, dass diese Anlage in einem verheerenden Zustand ist. Das gilt auch für Schulversorgung und Kitaplätze. Je mehr Leute das Gefühl haben, dass ihr Stadtteil benachteiligt wird, umso schwieriger wird es, für weitere Unterkünfte zu werben.

Kümmert sich Henning Hofmann im Rat zu wenig um den Stadtteil?

Ich weiß nicht, was er im Rat macht, er lässt sich wegen Bezirksbürgermeisterangelegenheiten öfter entschuldigen. Es geht ja nicht nur um Flüchtlinge, dass er ein Unterstützernetzwerk initiiert hat, ist gut. In Buchholz gab es etwa einen Konflikt um eine Grundschule, nur Drucksachennummern öffentlich vorzutragen, reicht da nicht. Man muss erwarten, dass Ratsvertreter der SPD wie Hofmann mit eigenen Positionen antreten und diese Position im Stadtteil vertreten. Man muss für seine Sache aufstehen und kämpfen. Ich glaube, ich habe das politische Gewicht dafür.

 

Henning Hofmann: „Ich kommuniziere gerne“

Herr Hofmann, Sie repräsentieren einen der großen hannoverschen Stadtteile als Bürgermeister, trotzdem wollen Sie erneut auch ein Mandat im Rat der Stadt. Warum machen Sie das?

Die Erfahrung in dieser Wahlperiode hat gezeigt, dass eine Symbiose aus Ratsmitgliedschaft und Bezirksbürgermeisteramt gut und wichtig ist. Ich erhalte direkt Informationen aus der SPD-Fraktion, die ich in die Bezirksratsfraktion weitergeben kann.

Herr Andres sagt, dass man nicht Bezirksbürgermeister und Ratsherr gleichzeitig sein kann.

Na ja, ich bin es ja derzeit. Also kann man das. Übrigens: Kollegin Christine Ranke-Heck (Anm. der Red.: Bezirksbürgermeisterin in Döhren-Wülfel) ist es auch. Ich bin also nicht alleine.

Hinter dem Hinweis von Herrn Andres steckt ja implizit die Kritik, dass Sie als Bürgermeister nicht SPD-Positionen repräsentieren, sondern sich selbst inszenieren. Wenn man auf Facebook schaut, dann posten Sie dort täglich alle Aktivitäten – sogar, dass Sie ins Fitnessstudio gehen. Ist das der neue SPD-Stil?

Das Fitnessstudio ist meine Art der Entspannung. Und die Person Henning Hofmann gibt es nicht ohne SPD-Mitgliedschaft.

Sie haben eine Henning-Hofmann-App, mit der man Ihnen digital folgen kann, Sie geben Ihre Handynummer während einer Infoveranstaltung öffentlich an 300 Bürger raus – wie würden Sie diesen Politikstil bezeichnen?

Ich kommuniziere viel und gerne. Aber nicht nur bei Facebook. Die Leute rufen mich an, schicken mir Briefe, E-Mails oder SMS.

Geht bei der Menge der Kommunikation die Tiefe verloren?

Die Frage verstehe ich nicht.

Wer auf allen Kanälen immerzu kommuniziert, findet vielleicht nicht die Zeit, sich ernsthaft um die Lösung der Probleme zu kümmern, die die Menschen im Stadtbezirk haben.

Ich glaube nicht, dass ich da ein Defizit habe. Tatsächlich dauert es manchmal länger, ernsthafte Probleme zu lösen. Etwa, wenn es um die Erneuerung des Roderbruchmarkts geht oder um einen Grundschulanbau. Da gibt es nicht sofort Antworten. Aber ich habe eine digitale Liste, die ich abarbeite, und ich gebe möglichst zeitnah den Menschen eine Rückmeldung. Nicht nur digital, sondern gerne auch beim Kaffee. Es mag sein, dass es den einen oder anderen nervt, wenn der Hofmann morgens um 6.30 Uhr aus dem Physical-Parc postet, dass er Sport macht ...

Hat Sie die Kandidatur von Herrn Andres überrascht?

Nein. Er hat auf dem Schützenfest-Parteitag öffentlich angekündigt, dass er kandidiert. Ich war nicht dabei, weil ich Termine im Bezirk hatte, aber ich habe es gehört.

Sie wollten ja eigentlich in Springe Bürgermeister werden.

Damit hatte ich geliebäugelt. Aber durch den Tod des Bürgermeisters Jörg-Roger Hische ist der Wahlkampf jetzt auf rund 100 Tage verkürzt, und die dortige SPD hat mir signalisiert, dass sie jetzt lieber einen Kandidaten will, der vor Ort schon eingeführt ist.

Zurück zum Bezirk: Sie hatten im Juni gesagt, dass bei 650 Flüchtlingen für Groß-Buchholz die Grenze erreicht sei. Jetzt leben im alten Gebäude des Oststadtkrankenhauses 735, und es werden mehr Unterkünfte gebaut.

Auf der Bezirkssportanlage sind Modulbauten für 100 bis 120 Menschen geplant. An anderen Standorten wie im Heideviertel oder an der Nußriede sind Wohngebäude vorgesehen, in denen dann auch Wohnungen für Flüchtlinge bereitstehen sollen.

Trotzdem: Die Grenze war von Ihnen für 650 festgelegt worden. Bereuen Sie solch eine Aussage?

Was heißt bereuen? Wir haben die Herausforderung, Menschen unterzubringen. Deshalb appelliere ich an die Bewohner des Stadtbezirks, Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Kann der Politprofi Andres den Job besser als Sie?

Das sollen die SPD-Mitglieder festlegen.

Interivews: Gunnar Menkens und Conrad von Meding

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