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"Ich hasse es, Dinge zu machen, die jeder macht"

Interview mit Jamie-Lee "Ich hasse es, Dinge zu machen, die jeder macht"

Noch vor einem Jahr ist Jamie Lee Kriewitz selbst über das Maschseefest geschlendert. Nun steht die Castingshow-Siegerin und ESC-Finalistin am Mittwoch auf der Bühne. Im Interview spricht sie über ihren Blick auf die Seesause, was sie an ihrem Outfit nervt und warum sie als Fan japanischer Comics kein Pokémon Go spielt.

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"Ich bin nah am Wasser gebaut", sagt Jamie-Lee. Passt ja zum Maschseefest.

Quelle: dpa

Zur Person

Jamie-Lee Kriewitz aus Bennigsen hat 2015 in der Casting-Show „The Voice of Germany“ nicht zuletzt dank schriller Kostüme, aber vor allem wegen gut gesungener Lieder gewonnen. Das das kein Freifahrtschein für die große Karriere ist, musste sie als Letzt beim ESC 2016 mit nur 11 Punkten erleben. Nach einem Jahr Pause geht die 18-Jährige nach den Ferien wieder zur Schule, um das Abitur zu machen.

Am Mittwoch gibt die Sängerin ab 20 Uhr auf der Maschseebühne ein Konzert.

Jamie-Lee, du bist in der Region Hannover aufgewachsen. Warst du schon öfter auf dem Maschseefest?
Ich war schon total oft auf Maschseefest. Das erste mal mit elf oder so. Meistens aber mit meinen Freunden. Da habe ich dann natürlich was gegessen und was getrunken oder mir die Auftritte von den Künstlern dort angeguckt. Also ich liebe das Maschseefest.

Bist du auch wegen der Musik an den Maschsee gekommen? 
Ja immer! Das macht total Spaß, sich erst mal was zu essen zu holen und sich dann die Auftritte anzusehen. Das Publikum war immer voll gut drauf, und es ist auch immer die mega Stimmung an den Bühnen. Unser Schlagzeuger hat hier schon mit mehreren Künstlern gespielt und meinte, es ist immer cool gewesen. Deshalb freue ich mich auch schon voll auf den Auftritt.

Bist schon mal mit dem Skyliner gefahren oder hast du Höhenangst?
Nein, Höhenangst habe ich nicht. Ich war da aber noch nie drin, denn für mich lohnt es sich nur, wenn man im freien Fall auch wieder runterfällt, wie zum Beispiel im Heidepark. Ich bin ein großer Fan von Achterbahnen. Ich gehe auch total gerne aufs Schützenfest, Frühlingsfest oder Oktoberfest in Hannover. Dieses Jahr hatte ich aber leider gar keine Zeit dafür.

Das hört sich an, als wärst du im Moment schwer beschäftigt.
Ich bin schon ein bisschen beschäftigt, aber das ist ganz cool. Neben den Gigs drehe ich in ein paar Tagen ein neues Musikvideo, übrigens auch in Korea. Im Oktober gehe ich auf Tour, dann bin ich auch in Hannover im Capitol.

Du bist viel unterwegs. Wo treibst du dich am meisten rum?
Ich bin so oft wie möglich in Berlin. Meistens um zu arbeiten. Außerdem finde ich da immer was zu essen. Ich lebe vegan, und in Hannover ist das manchmal ein bisschen schwer. In Berlin findet man fast mehr vegane Restaurants als nicht vegane.

Bist denn auch gerne mal wieder zu Hause?
Klar, zwischendurch ist es immer mal cool, nach Hause zu kommen. Einfach um mal ein bisschen runterzukommen von dem ganzen Trubel, der bei mir jetzt seit etwa einem Jahr herrscht. Deshalb ist es schon schön, auf's Dorf zu kommen, wo einfach mal nichts los ist.

Jamie-Lee Kriewitz aus Bennigsen gewann im vergangenen Jahr die fünfte Staffel der Castingshow "The Voice of Germany". In diesem Jahr tritt die 18-Jährige für Deutschland beim Eurovision Song Contest an.

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Nebenbei muss du dich ja auch noch um die Schule kümmern.
Das 12. Schuljahr hatte ich pausiert. Nach den Sommerferien gehe ich dann wieder in Hameln zur Schule und versuche, das irgendwie hinzukriegen, mein Abi zu machen. Aber ich bin da sehr optimistisch.

Ist das nicht schwer, wenn man nebenbei so oft auf der Bühne steht?
Momentan sieht es nicht so aus, dass mir die Musik beim Abi im Weg stehen würde oder umgekehrt. Und wenn ich mich unbedingt für eins entscheiden müsste, weil es nicht anders geht, dann würde ich die Musik wählen. Das wäre kein Problem, denn dann könnte ich auf jeden Fall davon leben. Aber ich glaube, das geht schon fit. Ich bin ja zwischendurch nur drei oder vier Tage weg. Und den Stoff von ein paar Tagen kann man ganz schnell wieder aufholen.

Und die Schule unterstützt dich dabei?
Ja, voll. Die haben mir während "The Voice" auch gesagt, wenn ich eine Beurlaubung brauche, dann soll ich das einfach sagen, und dann machen die das. Aber da musste ich auch selber gucken, dass ich den Unterricht nachhole.

Bei deinen Auftritten bist du oft farbenfroh angezogen. Woher kommt das?
Also erstmal: Privat trage ich eigentlich immer dunkle Sachen. Früher war ich oft auf Manga-Conventions, da habe ich das gesehen. Dann hatte ich Bock das bei "The Voice" auszuprobieren und wollte auch ein bisschen damit auffallen. Das hat ja dann auch ganz gut geklappt, deshalb mache ich das weiter. Ich hatte immer diesen japanischen „Decora Kei“-Stil. Davon versuche ich, jetzt aber ein bisschen wegzukommen. Das geht mir auf die Nerven mit den Spangen und so. Obwohl es vielleicht nicht so wirkt, ist es für mich irgendwie immer das Gleiche. Ich brauche deshalb mal einfach was anderes. Ich werde jetzt aber nicht vom dem Asiatischen weggehen.

Wenn du dich so für japanische Manga-Comics und Anime-Serien interessierst, spielst du dann auch "Pokémon Go"?
Nein, ehrlich gesagt nicht. Den Hype darum habe gar nicht mitbekommen, weil ich da gerade unterwegs war und keine Zeit für irgendwas hatte. Zu Hause auf Facebook war dann meine komplette Pinnwand damit voll. Ich hab eigentlich voll Bock, das zu spielen. Aber ich hasse es, Dinge zu machen, die jeder macht. Viele machen das jetzt, die eigentlich gar nichts mit Pokémon anzufangen wissen. Und jetzt tun sie so, als wären sie die größten Pokémon-Fans. Irgendwie hat das einen komischen Beigeschmack für mich.

Du hast die Fernsehserie vermutlich öfter gesehen, oder?
Es geht. So oft habe ich Pokémon eigentlich nie gesehen, nur manchmal mit meinem Bruder. Wenn ich Animes gucke, dann auch meistens nicht die Sachen, die alle geguckt haben. Ich googele immer nach den traurigsten Animes. Und dann schaue ich die.

Warum das denn?
Ich weiß nicht, ich stehe da voll drauf. Ich kann mich da irgendwie voll gut reinfühlen. Das macht mir total Spaß. Ich bin ja auch nah am Wasser gebaut und heule dann die ganze Nacht durch.

Den Eurovision Song Contest hast du aber gut verkraftet?
Ja, das habe ich, glaube ich, schon nach zwei Tagen vergessen. Ich glaube, ganz viele dachten, ich hätte da zu Hause gesessen und mir die Augen ausgeweint. Aber wenn ich an den ESC gedacht habe, habe ich gar nicht an das Ergebnis gedacht, sondern an die Zeit dort. Das wäre auch anders gewesen, wenn Deutschland danach nicht hinter mir gestanden hätte. Aber alle haben mich unterstützt, deshalb war das vielleicht halb so schlimm, wie alle dachten.

Herzlichen Dank für das Gespräch.
Es war mir ein innerliches Blumenpflücken.

Interview: Nils Oehlschläger

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