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Aus der Stadt „Ich habe immer gedacht, aus mir wird etwas“
Hannover Aus der Stadt „Ich habe immer gedacht, aus mir wird etwas“
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20:59 16.12.2016
Von Jutta Rinas
Quelle: Joerg Schwalfenberg

Fast jedes Kind kennt das Sams, jenes rothaarige Wesen im Taucheranzug, das in „Eine Woche voller Samstage“ erstmals 1973 die Bühne betrat. Sein Erschaffer, Paul Maar (79), tritt am Sonntag um 19 Uhr und am Montag um 16 Uhr im Expowal, Chicago Lane 9, mit dem Schräge-Märchen-Trio mit Wolfgang Stute und Konrad Haas auf. Die Sonntagsvorstellung ist für Erwachsene, die Montagsvorstellung ist für Kinder gedacht. Kartenvorverkauf: Buchhandlung an der Marktkirche, Telefon: (05 11) 30 63 07, oder Expowal (05 11) 8 76 57 69.

HAZ: Herr Maar, „Schräge Märchen und schiefe Geschichten“ heißt Ihr neues Buch, mit dem Sie nach Hannover kommen. Darin geht es erstaunlich heutig zu. Gleich am Anfang kommt eine Biotonne vor ...

Paul Maar: Es macht mir großen Spaß, Märchenmotive auf den Kopf zu stellen, in unsere Zeit zu versetzen. Zum ersten Mal habe ich das in „In einem tiefen dunklen Wald“ gemacht. Da lässt sich eine Prinzessin von einem Ungeheuer entführen, damit ein Prinz sie befreit, den sie heiraten kann. Sie wird aber von einer Prinzessin befreit. Das passt gar nicht in ihr Konzept. Auch die Figuren in den „Schiefen Märchen“ sind von heute. Herr Jakobi ist geschieden. Wenn Sie eine Botschaft vermuten: Die gibt es nicht. Ich bürste einfach gerne Sachen gegen den Strich.

Eine Botschaft nicht. Aber auffällig ist, dass im Sams eine fantastische Figur ins Leben des Normalbürgers Martin Taschenbier tritt und plötzlich vorher undenkbare Dinge passieren. Ihre Märchen sind ähnlich gestrickt ...

Herr Jakobi ist sogar ein ähnlich einsamer Mann wie Martin Taschenbier. Seine Frau ist weg und hat alles mitgenommen bis auf eine sprechende Vase. Aber es geht gut aus, am Ende hat er ein Haustier.

Was haben Märchen in Ihrer Kindheit für eine Rolle gespielt?

Ich habe sie erst mit elf, zwölf Jahren entdeckt, in einem Sammelalbum der Firma Reemtsma zum Bilder einkleben. Mich haben die weißen Stellen, wo Bilder fehlten, besonders angeregt. Da habe ich mir selbst Geschichten ausgedacht. Ich hatte ein inniges Verhältnis zu diesem Buch. Es war mein einziges. In der Nachkriegszeit gab es keine Bücher.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit den hannoverschen Musikern Wolfgang Stute und Konrad Haas? Haas taucht sogar in einer Geschichte auf.

Mit beiden habe ich vor langer Zeit schon Projekte gemacht. Dann hatte Konrad Haas mit einem hannoverschen Kinder-Musical einen Auftritt in Bamberg. Da haben wir uns getroffen und überlegt, wir wollen etwas zusammen machen. Ich hatte gerade die Märchen fertig und habe sie Konrad mitgegeben. Und keine Angst, bei unseren Auftritten werden die Musiker nicht untätig rumsitzen, während ich spreche. Wir haben Musik und Text eng verzahnt.

Haben Sie ein Lieblingsmärchen?

Ja, den „Eisenhans“. Da geht es um einen Prinzen, der von seinen Eltern verstoßen wird und am Ende sein Glück findet. Mein Vater war sehr streng, hat mir immer suggeriert, ein Versager zu sein. Ich habe aber trotz aller Demütigungen immer gedacht, aus mir wird etwas. Im „Eisenhans“ entdeckt eine Prinzessin am Ende, dass der verstoßene Prinz etwas ganz Besonderes ist. Das war auch ein Wunsch von mir.

Er ist in Erfüllung gegangen. Wie denken Sie heute darüber? Es ist ja ungewöhnlich, dass Kinderträume so in Erfüllung gehen.

Es verwundert mich vor allem. Ich komme aus einer Handwerkerfamilie, mein Vater hatte kein einziges Buch. Ich dagegen habe von Anfang an gelesen, so viel ich kriegen konnte. Und so lange, bis die Geschichten in veränderter Form wieder aus mir herauskamen.

Schon für das Sams sind Sprachspiele charakteristisch. Das ist auch in den „Schiefen Märchen“ so. Das geht bei dem fast unaussprechlichen Namen Heinrich Krominobüttelscherian los und endet mit einer Vase, die Buchstaben vertauscht. Warum?

Es macht mir einfach Spaß, mit der Sprache zu spielen und sie so umzudrehen, dass am Ende ein Gag entsteht. Ich habe viele Gedichte geschrieben, mein Gedichtband „Jaguar und Neinguar“ umfasst 250 davon.

Ist das Reimen auch für Kinder wichtig?

Ja. Es reicht beim Vorlesen oft, statt Hubschrauber Schraubhuber zu sagen, schon ist das Gelächter groß. Gerade Kindern, die die Sprache erst gelernt haben, macht es große Freude zu merken, dass man auch damit experimentieren kann.

Apropos Sams. Sie haben es oft totgesagt, dann kam doch wieder ein neuer Band ...

Ich muss gestehen, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Ich bekomme zehn Briefe in der Woche, in denen steht: Ich lese jeden Abend das Sams, wann kommt ein neues? Es gibt auch ganz rührende Briefe. Ein Mädchen hat mir geschrieben, sie habe das Sams schon viermal gelesen und wünsche sich, dass es seine Wunschpunkte benutzt, damit der Papa von der doofen neuen Frau wegkommt. Ich bin für viele Kinder eine Art ferner Freund. Ich beantworte deshalb auch jeden Brief.

Es wird also ein neues Sams geben?

Ja, 2017. Der Arbeitstitel lautet „Das Sams feiert Weihnachten“. Mehr verrate ich nicht.

Interview: Jutta Rinas

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